Andachten

Kurz innehalten. Sich für einen Moment besinnen, woher wir eigentlich kommen, was wichtig ist im Leben. Dabei helfen uns kurze Andachten. Die Pastorinnen und Pastoren des Kirchenkreises Rotenburg verfassen jede Woche zwei Zeitungsandachten für die Rotenburger Rundschau und die Rotenburger Kreiszeitung. Wir veröffentlichen sie hier und schaffen damit ein Archiv, auf das Sie zurückgreifen können, wann immer Sie möchten. Denn: Ihre Zeitung werfen Sie irgendwann in den Papierkorb. Die Andachten behalten jedoch ihre Gültigkeit jenseits der Tagesaktualität.

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Mo. 01.12.14
Nicht in Stimmung für Weihnachten
Matthias Richter
Nicht in Stimmung für Weihnachten

Immer in der Adventszeit erzählt meine Freundin in Berlin, dass sie überhaupt nicht in Stimmung für Weihnachten ist. Wahrscheinlich vergisst sie, dass sie das schon letztes Jahr erzählt hat. Mal sagt sie: „Wie soll man bei 13 Grad plus in Weihnachtsstimmung kommen!“ Dann denke ich: Wie sollen dann die Australier in Weihnachtsstimmung kommen? Ein anderes Mal sagt sie: „Das Geschiebe in der Stadt hat ja mit Weihnachtsstimmung überhaupt nichts zu tun! Außerdem ist in den Adventswochen im Büro immer viel zu tun. Wenn man es mit den Kollegen mal ein bisschen weihnachtlich machen möchte, sind stattdessen immer dringende Projekte zu bearbeiten. Und abends ist man dann ja auch nicht mehr in Stimmung.“ Wenn dann endlich wirklich Weihnachten ist, fährt sie zu ihren Eltern. Dann gibt es drei Tage lang Lebkuchen, Stollen, Gänsebraten und Marzipan. Wenn sie wiederkommt, sagt sie: „Für meine Eltern besteht Weihnachten wohl nur aus Essen, ich habe bestimmt drei Kilo zugenommen.“ Ich glaube, wenn der Alltag wieder beginnt, ist sie richtig froh, dass sie nun nicht mehr in Weihnachtstimmung kommen muss

Sie ist bestimmt nicht die einzige, die sich mit dem Gefühl herumschlägt: „Ich bin überhaupt nicht in Stimmung für Weihnachten!“ Was soll man so jemandem sagen?

Man muss wohl die Personen anschauen, die zu Weihnachten gehören. Maria soll einen Sohn gebären. Dafür ist sie nicht nur nicht in Stimmung, es ist nicht nur unpassend, sondern sogar völlig unmöglich. Joseph ist auch nicht darauf eingestellt nun Vater zu werden. Beide sind überhaupt nicht in Stimmung wegen einer Volkszählung nach Bethlehem zu reisen. Jesus kam zur Welt, aber hat ihn jemand gefragt, ob er in Stimmung war, Gottes Sohn zu werden? Die Hirten auf dem Feld wurden von den Engeln geradezu überrumpelt und ob Maria so kurz nach der Geburt schon in Stimmung für einen Besuch war, dürfen wir bezweifeln.

Also: Weihnachten kommt einem so richtig in die Quere. Es durchkreuzt alle Erwartungen. Aber Menschen lassen sich darauf ein. Maria bekommt ihr Kind. Joseph wird Vater. Hirten machen sich auf den Weg. Gott wird Mensch – wie Sie und ich und ist in all dem dabei, was wir erleben und manchmal auch erleiden.

Darauf warte ich ab sofort wieder in diesem Advent ganz bewusst. Und wundere mich dann und wann. Gott gefällt es, in unpassende Situationen zu kommen. Gott ist ein bisschen unhöflich: kommt, wann er will, einfach so. Unvermutet. Unerwartet. Und zum Glück ist es gar nicht wichtig, ob ich in Stimmung für ihn bin.

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Matthias Richter

Matthias
Richter
Theologischer Direktor des Agaplesion Diakonieklinikums
Elise-Averdiek-Straße 17
27356
Rotenburg
Tel.: 
(04261) 77-0
Di. 25.11.14
Dem Stern folgen...
Dem Stern folgen...

Die Tage werden immer kürzer, und für viele von uns bedeutet das: Egal ob auf dem Weg zur Arbeit oder wieder nach Hause – der Himmel ist in Dunkelheit getaucht. Mit ein bisschen Glück sind dann wenigstens keine Wolken da, die uns die Sicht auf eines der wunderbarsten Naturphänomene nehmen: den Sternenhimmel.
Sterne können faszinieren, können Anziehungspunkte für uns sein, und das in ganz unterschiedlichen Zusammenhängen. Für den einen sind es die Stars und
Sternchen, die Schönen und Reichen, die ihn ganz besonders interessieren. Für den anderen ist es der Stern, den er vor sich sieht, wenn er morgens in sein Auto einsteigt – auch wenn die Kenner eben jener deutschen Automarke sicherlich wissen, dass der Stern neuerdings häufig außer Sicht auf dem Kühlergrill prangt.
Sterne sind seit jeher für uns Menschen etwas Besonderes und markieren das auch: vielleicht als Rangabzeichen oder als Stern im Schulheft für einen sehr guten
Aufsatz.
Wie sehr Sterne aber eben auch Anziehungspunkt, ja sogar Wegweiser sein können, davon berichtet uns eine richtige Abenteuergeschichte im  Matthäusevangelium. Die Sternendeuter machen sich auf eine ungewisse Reise. Keine Karte weist ihnen den Weg. Nur ein Stern gibt ihnen den Anhaltspunkt,
wo das Besondere oder besser: DER Besondere zu finden sei. Ein König soll es sein, der geboren wurde! Ob sie da geahnt haben, dass der Stern sie am Ende in einen kleinen Stall führen würde und dass sie dort vor dem Retter der Welt auf ihre Knie fallen würden: dem Kind in der Krippe?
Auch wenn wir diesen Stern heute nicht mehr am Himmel sehen können, so bleibt er trotzdem für uns ein Wegweiser. Eigentlich müsste über jeder Gemeinde heute ein Stern stehen (und in vielen Kirchen ist das zu Weihnachten ja auch der Fall). Denn in unseren Gemeinden soll das fortbestehen, was uns Jesus vorgelebt hat. Sie sollen ein Ort der Nächstenliebe sein. Hierhin kann kommen, wer Hilfe braucht – egal, woher er kommt!
Dass aber unsere Gemeinden zu Orten der Nächstenliebe werden, dazu braucht es die Kraft und Mittel, die schon jetzt so viele Menschen aufbringen. Und damit das auch in Zukunft gelingt: Folgen wir dem Stern – dann schaffen wir Besonderes!

Mo. 29.09.14
Nicht alleine sein
Matthias Richter
Nicht alleine sein

„Das Wichtigste ist ja, dass man nicht alleine ist. Haben Sie denn genug Personal?“ Der Mann, der so fragt, gehört zu den ersten Besuchern der neuen Palliativstation im Diakonieklinikum Rotenburg. Bei der Eröffnung am vergangenen Wochenende waren viele Besucher beeindruckt von den mit Bedacht gestalteten Räumen. Die Patientenzimmer, die Begegnungsbereiche und der Raum der Stille haben eine Atmosphäre, in der man sich geborgen fühlen kann. „Ist wirklich alles schön“, beharrt der Mann, „aber das Entscheidende sind die Menschen. Haben Sie genug?“ Und meine Antwort ist: Zum Glück nicht nur genug, sondern auch die Richtigen.

Der Betreuungsschlüssel auf einer Palliativstation ist etwas höher als in anderen Bereichen eines Krankenhauses. Das ist wichtig, weil es sich eben um schwerstkranke Patienten und ihre Angehörigen handelt. Aber die bloße Zahl der Schwestern, Pfleger und anderen Mitarbeiter macht es nicht. Auch die fachliche Qualifikation, die zu exzellenter Pflege befähigt, reicht alleine nicht aus. Sicher ist es wichtig, dass die Mitarbeiter dort besonders gut Bescheid wissen in Schmerztherapie und speziellen Ernährungsfragen. Genauso wichtig ist es aber, dass auf einer Palliativstation Menschen arbeiten, denen das Zu- und Hinhören besonders am Herzen liegen. Die auch traurige Geschichten aushalten und nicht reflexhaft sagen „Das wird schon wieder“. Die selbst von einer Hoffnung im Angesicht des Todes getragen werden.

Mehr als 40 Pflegekräfte haben bislang in unserem Krankenhaus die Ausbildung zur Palliativ Care-Fachkraft absolviert. Etliche von ihnen kenne ich persönlich und weiß, wie sehr ihnen die besondere Situation von Menschen am Lebensende bewusst ist und wie wichtig es ihnen ist, gerade hier Beistand zu leisten. Sie sind die Richtigen.

Und trotzdem gehen mir die Sätze des Besuchers nach. „Das wichtigste ist nicht alleine sein.“ Das gilt auch im normalen Leben. Und da kommt es dann auf Sie und auf mich an, dass wir nicht nur da, sondern auch die/der Richtige für die Situation sind.

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Matthias Richter

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Fr. 20.06.14
Die größte Katastrophe ist das Vergessen
Diakonie Katastrophe…
Die größte Katastrophe ist das Vergessen

Am 20. Juni ist Weltflüchtlingstag

Die UN-Vollversammlung hat den 20. Juni zum zentralen internationalen Gedenktag für Flüchtlinge ausgerufen. Dieser Tag wird in vielen Ländern von Aktivitäten und Aktionen begleitet, um auf die besondere Situation und die Not von 42,5 Millionen Flüchtlingen aufmerksam zu machen.

Erdbeben, Stürme, Fluten und Kriege – überall auf der Welt und immer wieder werden Menschen Opfer von Gewalten. Naturgewalten sind immer noch nicht exakt vorauszusagen, darum treffen die meisten Katastrophen Menschen in ihrem Leben ganz plötzlich. Wir erfahren heutzutage schnell, wo etwas passiert. Manchmal vergessen wir aber auch genauso schnell.

 
Zum Beispiel Syrien. Drei Jahre schon dauert der Bürgerkrieg und spärlicher dringen Nachrichten an die vordere Linie der Aufmerksamkeit. Dabei spielt sich dort eines der größten Flüchtlingsdramen ab: 2,6 Millionen Menschen sind in die Nachbarländer geflohen, in Syrien selbst sind über 6 Millionen Menschen auf der Flucht. Die Lage ist insgesamt besorgniserregend – die Menschen sind nachhaltig traumatisiert und geschädigt und brauchen weiter Hilfe an vielen Stellen.

 
Die Diakonie Katastrophenhilfe hilft seit nun 60 Jahren – dort, wo Menschen Hilfe dringend und sofort brauchen. Und darüber hinaus. Ausgehend vom Gebot christlicher Nächstenliebe und dem diakonischen Auftrag, getragen von der Großzügigkeit der Unterstützerinnen und Unterstützer, hilft die Diakonie Katastrophenhilfe unbürokratisch, schnell, unparteiisch und wirkungsvoll. Sie möchte auch dafür sorgen, dass wir nicht vergessen, unseren Schwestern und Brüdern in Not beizustehen – auch dann, wenn die akute Katastrophe abgeklungen ist.

 
Helfen Sie mit! - Informieren Sie sich: www.diakonie-katastrophenhilfe.de

 

Ich will deiner nicht vergessen. In meine Hände habe ich dich gezeichnet.
Jesaja 49, 15f

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Diakonie Katastrophenhilfe

Diakonie Katastrophenhilfe
Evangelisches Werk für Diakonie und Entwicklung e.V.
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(030) 65211 0
Mo. 26.05.14
Unter freiem Himmel
Haike Gleede
Unter freiem Himmel

Die Sonne scheint. Einige Männer machen sich auf den Weg. Sie wollen ihren Feiertag gebührend feiern. Hinter sich her ziehen sie einen Bollerwagen mit Getränken. Es ist Vatertag. Er hat seine Wurzeln in den USA. Präsident Richard Nixon erklärte ihn in den 70er Jahren zum offiziellen Feiertag. Begangen wird er dort am dritten Sonntag im Juni. Nur in Deutschland fällt der Vatertag auf Himmelfahrt. Himmelfahrt ist ein wichtiges Fest im Kirchenjahr.

Am Himmelfahrtstag sammeln sich zahlreiche Besucher unter freiem Himmel. Der Posaunenchor spielt. Draußen ist ein Altar aufgebaut. Der Gottesdienst beginnt und die Menschen lauschen auf die Worte aus der Apostelgeschichte. Sie erzählt, wie der auferstandene Jesus sich auf sehr ungewöhnliche Art und Weise von seinen Jüngern verabschiedet. Mit ihm haben seine Jünger und Jüngerinnen einiges erlebt. Er war gekreuzigt worden, doch dann stand er plötzlich leibhaftig vor ihnen. Auferstanden! Jetzt ist es sicher:

Er ist Gottes Sohn. Ehrfürchtig hören sie ihm zu. Plötzlich wird er von einer Wolke in den Himmel emporgehoben. Zum Abschied verspricht er ihnen: “Ihr werdet bald die Kraft des Geistes empfangen.“ Mit offenen Mündern stehen sie da und starren in den Himmel. Jesus ist längst verschwunden. Aber zwei weißgekleidete Gestalten stehen da und holen die Freunde zurück auf den Boden der Tatsachen. Jesus ist weg. Er wird wiederkommen- eines Tages, aber jetzt seid ihr dran.

Jesus hat sein Versprechen gehalten. Zehn Tage später werden sie von Gottes Geist erfasst. Sie werden zu Botschaftern Jesu auf dieser Welt. Hier auf der Erde haben sie ihren Auftrag zu erfüllen. Und sie gehen los und tragen Gottes Liebe und Jesu Worte und Taten in die Welt.

Es ist gut, wenn uns jemand an unseren Auftrag erinnert. Jeder Mensch hat seinen Platz und seine Aufgabe. Manchmal braucht es einen Anstoß von außen, damit wir uns aufraffen. Wer voller Begeisterung für eine Sache ist, der wird viel bewegen. Unter dem offenen Himmel und doch fest geerdet gehen wir unseren Weg. Beides ist wichtig, die Kraft des Geistes und die Lust zum Handeln.

Das wünsche ich den Vätern und Müttern, wenn sie nach den Feiertagen in ihren Alltag zurückkehren.

Das wünsche ich auch denen, die sich heute zur Wahl stellen, Männer und Frauen, die etwas bewegen wollen in ihrem Land, ihrem Kreis oder ihrer Stadt.

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Mo. 05.05.14
Brüder zur Sonne zur Freiheit
De van Nguyen
Brüder zur Sonne zur Freiheit

Wie haben Sie den 1. Mai verbracht? Nelke im Knopfloch? Waren Sie demonstrieren? Haben Sie den „Tag der Arbeit“ verbracht oder nur einen freien Tag genossen? 1889 wurde dieser Tag zum ersten Mal begangen in Erinnerung an den Haymarket Riot in Chicago. Da hieß er noch „Kampftag der Arbeiterbewegung“.

Ich mag diesen Tag, weil er einer der wenigen Feiertage ist, an denen ein Pastor frei hat. Aber viel mehr noch, weil er für etwas steht, von dem unsere Gesellschaft profitiert hat. Dass am Sonntag nicht gearbeitet werden soll, ist keine Leistung der Kirche, sondern der Arbeiterbewegung. Soziale Veränderungen, Verbesserung der Arbeitsbedingungen – Leistungen der Arbeiterbewegung, die am 1. Mai gefeiert werden sollen. Vergleicht man die sozialen Forderungen der Bibel mit den Forderungen der Arbeiterbewegung, dann finden sich Gemeinsamkeiten in rauer Menge. Hält man das Liedgut nebeneinander, so finden sich fast wörtliche Übereinstimmungen.

Jedes Jahr am 1. Mai frage ich mich, warum es nie einen breiten Schulterschluss zwischen Kirche und Arbeiterbewegung gegeben hat.

Aber es gibt auch einen Unterschied: „Alle Räder stehen still, wenn dein starker Arm es will“ – so heißt es im Bundeslied des Arbeitervereins. „Wer nur den lieben Gott lässt walten“ – so klingt es aus dem Evangelischen Gesangbuch.

Wer es richten soll, was falsch läuft in dieser Welt, auf wen man vertrauen soll – auf sich selbst oder auf Gott, das ist die scheinbar unüberbrückbare Differenz.

Die Kirchen waren nicht bereit, in Erwägung zu ziehen, dass Gott vielleicht auch durch die Arbeiterbewegung wirken könnte und die Not der Arbeiter war zu groß, als dass sie noch länger bereit waren auf den Arm Gottes zu warten.

Beide Seiten haben Recht. Beide Seiten setzen sich für das Wohl der Menschen ein. Beide Seiten sehen die Unerlöstheit der menschlichen Kreatur und richten ihre Hoffnung auf eine Zukunft, in der die Verhältnisse andere sein werden.

 

Brüder, in eins nun die Hände

Brüder, das Sterben verlacht

Ewig der Sklaverei ein Ende

Heilig die letzte Schlacht

Ob dies ein Vers aus der Bibel ist, oder eine Zeile aus einem Arbeiterlied – das dürfen sie selber nachschlagen.

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De van Nguyen

De
van Nguyen
Pastor i. R.
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Rotenburg (Wümme)
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Mo. 03.03.14
Eine Bereicherung
De van Nguyen
Eine Bereicherung

„Warum sind bei euch in Deutschland die Behinderten eigentlich immer auf einen Haufen untergebracht?“ Mein Schwager Sergio aus Frankreich hat mich zum ersten Mal in Rotenburg besucht und wir hatten einen Spaziergang durch die Werke gemacht. Die üblichen Verdächtigen sind uns dabei entgegengekommen. All die Menschen aus den Werken, denen ich tagtäglich auf der Straße begegne. Sergios Mutter ist mit ihren Eltern in den 1940er Jahren vor den Nazis nach Frankreich geflohen und eine Spur Misstrauen gegenüber Deutschland hat sich in der Familie gehalten. Ich konnte ihm auf seine Frage nicht antworten. Mir ist das immer recht selbstverständlich vorgekommen.

Im Zuge der Inklusion sollen nun nach und nach Wohngruppen aus den Werken in die umliegenden Orte umziehen. Ich weiß zu wenig von den Überlegungen, die zu dieser Entscheidung geführt haben. Aber aus ganz egoistischen Gründen finde ich das schade. Ich fühle mich wohl am Rande der Werke zu wohnen. Maria mit ihrer Gitarre, Florian mit seinen Sorgen, Christian mit seiner etwas vorlauten Art und all die anderen, die nett grüßen und immer bereit für einen Schnack sind – es mag gute Gründe für eine Dezentralisierung geben, aber das, was mein Schwager kritisch beäugt hat, macht für mich ein großes Stück Lebensqualität in dieser Stadt aus. Es ist hier ein Stück entspannter als anderswo und ich bin mir sicher, das verdankt Rotenburg auch den Werken und ihren Bewohnern.

Suchet der Stadt Bestes, dahin ich euch habe wegführen lassen, und betet für sie zum HERRN; denn wenn's ihr wohlgeht, so geht's auch euch wohl. Diesen Rat gibt der Prophet Jeremia. Ich muss da gar nicht lange suchen, sondern nur aus dem Fenster schauen oder die Lindenstraße entlanggehen.

Liebe Maria, lieber Florian, lieber Christian und wie ihr alle heißt: vielen Dank, dass ihr mein Leben bereichert.

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De van Nguyen

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Mo. 16.12.13
466/64
466/64

Das war 18 Jahre lang Nelson Mandelas Häftlingsnummer als Gefangener auf Robben Island. „Ein Mensch – eine Stimme!“ Mandela stand 1964 kurz davor, für dieses Recht, das keinem Menschen vorenthalten werden darf, auch mit Waffengewalt zu kämpfen. Da wurde er gefangen und zu lebenslänglicher Haft verurteilt. Statt einer menschlichen Stimme galt er für Jahrzehnte dem Regime nicht mehr als eine Nummer. Dass der Mensch etwas anderes ist als eine Zahl, jede und jeder ein Wunder, das wurde im Gefängnis die Mission seines Lebens. "Es brauchte einen Mann wie Madiba, um nicht nur den Gefangenen zu befreien, sondern auch den Gefängniswärter", sagte jetzt Präsident Barak Obama über Mandela. Denn in autoritären Verhältnissen haben auch Gefängniswärter keine Stimme, sind austauschbar, Werkzeuge, Nummern.

Es soll einmal einen afrikanischen Stamm gegeben haben, der ein Stammesmitglied, das etwas Verletzendes und Schlimmes getan hat, in die Mitte genommen hat. Und dann haben alle zwei Tage lang ihm alles Gute erzählt, das er je getan hat. Sie haben nichts ausgelassen und jedes Mal mit Erstaunen entdeckt, wie viel da doch ist. Jeder Mensch sehnt sich nach Sicherheit, Liebe und Frieden. Das Böse, das er tut, ist wie ein Hilferuf. Indem sie das Gute erzählen, verbindet er sich neu mit den guten Seiten seines Wesens, erinnert sich, wozu er wirklich bestimmt ist.

Vielleicht hatte Mandela in diesem Stamm seine Wurzeln. Unvergessen, wie freundlich und offen er jedem Menschen begegnet ist, auch denen, die ihm so Schlimmes angetan haben. „Wir fragen uns, wer bin ich, mich brillant, großartig, talentiert, phantastisch zu nennen?“ Aber Madiba setzt fort: „Wer bist Du, Dich nicht so zu nennen? Du bist ein Kind Gottes.“ Vielleicht war Mandela aber auch einfach nur um so vieles konsequenter als wir auf der Spur von Weihnachten: Menschen sind Kinder von Gott, und sie sollen im Frieden leben. Dazu hat Gott uns geschaffen. Niemand ist nur eine Zahl. Darum können auch wir uns mehr zutrauen. Das Erbe des so vertrauensvollen, mutigen, liebenden Mandela, der so lange 466/64 war, ermutigt uns dazu.

Mo. 02.12.13
Sanije G.
Werner Hagedorn
Sanije G.

Bewundernd steht Sanije G. (Name geändert) vor dem dreitürigen Kleiderschrank. „Was kostet der?“ Frau G. aus Albanien kann nicht lesen und nicht schreiben. Die Bedeutung der Ziffern auf den Preisschildern bleibt ihr verborgen. Wie hat sie unsere Sprache so gut gelernt, ohne lesen zu können? „Zweihundertachtzig Euro“, sage ich. Frau G. wendet sich bedauernd ab. „Zu teuer!“ Sie lebt noch nicht lange mit ihren vier Kindern in Rotenburg. Sie erhält keine Mittel für eine Erstausstattung ihrer Wohnung. Mitgebracht hat sie ein paar Küchenunterschränke und ein Bett. Ihr fehlen eine Arbeitsplatte für die Küche, Kleiderschränke, ein Doppelstockbett für die beiden Jüngsten und zwei Betten für die andern beiden Kinder. Wir haben schon im Sozialkaufhaus nachgefragt. Betten sind derzeit nicht im Angebot, Schränke für achtzig Euro sollen demnächst geliefert werden. Ich habe im Gottesdienst um Sachspenden gebeten und ein Bett versprochen bekommen. Wie ich es drehe und wende, ohne weitere Sachspenden wären einige hundert Euro nötig.

Ich stelle mir eine junge Frau vor, die nicht unter Armut leidet und mit Begeisterung und Vorfreude Möbel aussuchen geht, weil sie für ihr Heim und die Kinder das Beste will. Wie gern würde ich das Sanije G. gönnen. Sie kümmert sich mit aller Ernsthaftigkeit und allen ihren Möglichkeiten um die Kinder. Weil ich mich ein Stück weit auf ihre Probleme eingelassen habe, setzt sie ihre Hoffnung auf mich, sieht ihre Wohnung schon eingerichtet und sagt: „Und dann lade ich Sie und Ihre Frau zum Kaffee ein!“ „Erstmal sehen, wie weit wir kommen“, antworte ich.

Wie kann es sein, dass Gesellschaft und Politik eine Mutter und ihre vier Kinder so alleine lassen? Anstatt das Potenzial dieser Menschen aufzugreifen und zu fördern, überantworten wir sie einem verzweifelten Überlebenskampf, in dem ihnen einfachste Dinge des alltäglichen Lebens nicht zur Verfügung stehen! Immer wieder stoße ich auf Formen des Schlechtredens solcher Menschen: Sie seien faul. Sie richten sich nicht nach unsern Regeln. Sie nützen uns aus. Sie bedrohen uns. Damit schließt sich um sie eine Mauer, die ihnen keinen Ausweg lässt. Am selben Tag, an dem ich mit Sanije G. Preise erkunden ging, lese ich in der Zeitung einen Artikel über „Armut trotz Jobwunder“ in Deutschland. Und dass Papst Franziskus in einem apostolischen Brief Christinnen und Christen zum Kampf gegen Armut aufruft.

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Werner Hagedorn

Werner
Hagedorn
Pastor i.R.
27356
Rotenburg
So. 01.12.13
Monatsspruch Dezember 2013: „In ihm war das…
aej - Arbeitsgemeins…
Monatsspruch Dezember 2013: „In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen“

Monatsspruch Dezember 2013: „In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen“ Johannes 1,4 (L=E)

Andacht Dezember 2013
- Bernd Wildermuth, Landessjugendpfarrer der württembergischen Landeskirche -

Licht des Lebens
Andacht

„Licht aus! Jetzt wird geschlafen!“ Für viele Kinder ist das auch noch heute eine Schreckensbotschaft. Licht aus! Nichts mehr sehen, nichts mehr wahrnehmen können, was um einen herum geschieht. Licht ist Leben, und Dunkelheit ist Tod. Als der „Herr aller Ringe“ mitten im finsteren Mordor in den Schicksalsberg geworfen wird, da hellt sich der Himmel schlagartig auf und das aufscheinende Licht lässt Sauron und alles Böse in sich zusammenfallen. Buch und Film „Herr der Ringe“ entfalten um die großen Menschheitsthemen – Freundschaft und Verrat, Gut und Böse, Liebe und Hass, Krieg und Frieden – ein wechselvolles Spiel aus Licht und Dunkelheit. Das Licht trägt am Ende den Sieg davon, aber alle sind schicksalhaft verstrickt, es gibt nicht die Erlösungsfigur – nicht Frodo und auch nicht Gandalf.

Der Autor des imposanten Werks, J. R. R. Tolkien, war ein gläubiger Christ und frommer Mann. Deshalb kann es für ihn in seinem Werk auch keine Parallele zur Erlösungstat Christi geben.

Ein Satz wie: „In ihm war das Leben und das Leben war das Licht der Menschen.“ (Johannes 1, 4) kann nur einen beschreiben: Christus. Er hat das Leben in Ewigkeit. Dieses Leben, das auf Ewigkeit zielt, das ist das Licht der Menschen.

Mancher mag fragen „Was habe ich vom Glauben an Jesus?“ Der Evangelist gibt darauf eine ebenso schlichte wie umfassende Antwort: das ewige Leben. Darin entfaltet sich die ganze innere Logik des christlichen Glaubens. Dabei ist das ewige Leben nicht etwas, das erst nach unserem Tod auf uns zukommt. Das irdische Leben wird durch das Licht Christi vom ewigen Leben durchdrungen. Irdisches und ewiges Leben werden durch Christus miteinander verwoben.
Damit ändert sich die Lebensperspektive jedes Gläubigen: Es geht nicht darum, dem Tod zu entrinnen, sondern im Glauben habe ich den Tod schon überwunden.

Leben ist im Johannesevangelium gleichbedeutend mit „heil sein“. Wer sich in diesem Heilsraum des Glaubens weiß, der erfährt dies auch, wenn er stirbt. Im Heil wird nicht zwischen irdischer und himmlischer Existenz, zwischen diesem und jenem Leben unterschieden. Alles Leben ist von Christi Licht durchdrungen und verwandelt.

Was muss ich tun, um eine solche Lebensperspektive zu bekommen? Es gilt ‚nur‘, einzustimmen in das Bekenntnis des Petrus „Du hast Worte des ewigen Lebens, und wir (die Jünger) haben geglaubt und erkannt: Du bist der Heilige Gottes“ (Johannes 6, 68 b.69), um dann dieses Bekenntnis in meinem Leben wirksam werden zu lassen.

Wie weit dieses Einstimmen tragen kann, habe ich vor vielen Jahren von einem neunzehnjährigen Jungen gelernt, der durch verseuchte Blutkonserven an Aids erkrankt war und sterben musste. Wenn ich ihn während seiner letzten Lebensmonate besuchte, zeigte er mir, mit welcher Gelassenheit, ja inneren Heiterkeit, er auf den Tod zuging. In seinem Sterbezimmer hatte schon lange vor seinem letzten Atemzug Gottes Ewigkeit Raum gefunden. „In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen.“

Das gilt für den Anfang, das gilt für das Ende und weit, weit darüber hinaus.

Amen.

 

 

 

Quelle: http://www.evangelische-jugend.de/nc/news-single/archive/2013/12/article...

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Monatsspruch November 2013: „Siehe, das…
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Monatsspruch November 2013: „Siehe, das Reich Gottes ist mitten unter euch.“ Lukas 17, 21

Monatsspruch November 2013: „Siehe, das Reich Gottes ist mitten unter euch.“ Lukas 17, 21 (L)

Da berühren sich Himmel und Erde
 

Andacht

„Wir brauchen über Inklusion heute Abend nicht mehr zu reden. Ich habe sie erlebt!“ Eine Ministerin braucht nicht mehr zu erklären, will nicht appellieren mit Worten, sondern weist auf eine Wirklichkeit hin, die sie erlebt hat. „Da sieht man den Rollstuhl nicht mehr! Unterschiedlichkeiten sind wie weggewischt.“

Sie hatte eine Theateraufführung der besonderen Art erlebt. Kein professionelles Ensemble war aufgetreten, sondern Amateure, die zehn Tage miteinander gelebt und gearbeitet hatten: Zwanzig Jugendliche aus vier Ländern, einige mit, andere ohne definierte Behinderung, hatten unter fachkundiger Leitung ein Theaterstück entwickelt. Ihr Spiel war so intensiv, dass eine Betrachterin oder ein Betrachter wie die Ministerin nur noch den Ausdruck, das hinter dem Sichtbaren Wirkende, erkannte. Das, was im Alltag zählte, trat in den Hintergrund, das Eigentliche wurde sichtbar. Man ahnte: In dieser Stunde war das Leben aller Jugendlichen heil. Alles, was den Alltag belastet, war weg. Mitten im Leben für eine Stunde der Himmel.

Es gibt ihn: den Himmel auf Erden. Zugegeben, er ist nicht da, dass man sagen kann: komm her und sieh! Ich für mich sage es immer erst hinterher: Da war der Himmel auf Erden: für einen Moment, für eine gewisse Zeit. Da war der Himmel auf Erden, nur an einem bestimmten, unter Umständen ganz kleinen Ort. Mitten in den Alltag hinein kommt der Himmel: nicht erwartet, nicht gemacht. Einfach nur geschenkt. Für manche, für zwei, für mich. Jede und jeder kann von solchen Erlebnissen erzählen.

Solche Erfahrungen könnte Jesus gemeint haben, als er einmal auf die Frage von Pharisäern „Wann kommt das Reich Gottes?“ antwortete: „Das Reich Gottes ist mitten unter euch.“ An anderer Stelle verweist er auf das, was die Menschen mit ihm erlebten: Blinde sehen, Lahme gehen, Menschen mit Aussatz werden rein, Taube hören, Tote werden zum Leben erweckt, Armen wird die gute Nachricht verkündet (Lukas 7, 22). Das Reich Gottes ist mitten unter uns? Ja damals, aber heute?

Ich finde, dies ist ein gewichtiger Einwand. Denn die Bibel und unser Glaube kennen viele Bilder vom Reich Gottes. Und da müssen wir feststellen: Das Reich Gottes in seiner Fülle ist jenseitig und zukünftig. Besonders deutlich ist das bei Jesaja im 11. Kapitel beschrieben: „Da werden die Wölfe bei den Lämmern wohnen und die Panther bei den Böcken lagern. Ein kleiner Knabe wird Kälber und junge Löwen und Mastvieh miteinander treiben. Kühe und Bären werden zusammen weiden, dass ihre Jungen beieinander liegen, und Löwen werden Stroh fressen wie die Rinder, und ein entwöhntes Kind wird seine Hand strecken in die Höhle der Natter.“ Was mich fasziniert: Das Prinzip von Fressen und Gefressen werden gilt nicht mehr. Damit fällt die Sorge um die Existenzsicherung weg. Man darf: einfach nur leben in Frieden und Zufriedenheit. Was für eine Aussicht!

Alles nur Vertröstung, höre ich Kritikerinnen und Kritiker des Glaubens rufen! Opium des Volkes, wie Karl Marx einmal sagte. Sie hätten Recht, wenn da nicht die anderen Bilder aus dem Neuen Testament wären. Wie kann das Reich Gottes heute unter uns gegenwärtig werden? Indem wir uns ins Gebet versenken, Jesus in unser Herz nehmen, aussteigen für eine gewisse Zeit aus der uns umgebenden Welt? Oder sollten wir es einmal mit den Seligpreisungen versuchen? Wie sähe unsere Welt aus, wenn wir Menschen sanftmütig wären, uns nach Gerechtigkeit verzehrten, barmherzig und ohne Falsch und Berechnung wären, wenn wir Frieden mit uns und anderen machten? Wenn wir uns das vorstellen, sind wir keine Traumtänzer oder Phantasten, sondern wir gewinnen eine Orientierung für unser Verhalten und Handeln in dieser Welt. Immer wieder neu es versuchen, als Mensch im Sinne der Seligpreisungen zu leben. So ist dann selbst das Bild des Jesaja Orientierung: Ich muss als Mensch Lebendiges töten, um mich zu ernähren. „Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will.“ * Diese Erkenntnis verhindert, dass ich weiter gedanken- und maßlos auf Kosten anderen Lebens lebe, wie wir es meistens tun. Da hilft uns die Orientierung an der Achtsamkeit für die anderen viel weiter.

„Das Reich Gottes ist mitten unter uns“. Ja, immer wieder mal, an immer anderen Orten, wenn es Menschen gelingt, Gott den Herrn ihres Lebens sein zu lassen. Trotzdem hoffen wir auf die Vollendung des Reiches Gottes jenseits unserer Welt und unserer Zeit, aber – und das sollte uns als Christinnen und Christen immer bestimmen – wir dürfen jetzt schon aus der Fülle des Lebens, wie Gott es sich vorstellt, leben, auf dass die Welt immer wieder ein Stück vom Himmel sieht.

* Diese Worte werden Albert Schweitzer zugeschrieben.

Andacht November 2013 - Udo Bußmann, Landessjugendpfarrer der Evangelischen Kirche in Westfalen -

Bibel AnDenken gibt vielfältige Anregungen zur Gestaltung von Gruppenstunden in der Jugendarbeit für das ganze Jahr 2013 mit Andachtsentwürfen, theologischen Hintergrundinformationen und Praxismaterialien wie Liedern, Gedichten, Geschichten zur Jahreslosung und den Monatssprüchen. Ein Auszug für den laufenden Monat:

Bestellungen des Bandes "Bibel AnDenken 2013" sind möglich bei der
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Preis pro Exemplar: € 10

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aej - Arbeitsgemeinschaft Ev. Jugend

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Mi. 01.06.16
Losung des Monats Juni
Losung des Monats Juni

Meine Stärke und mein Lied ist der Herr, er ist für mich zum Retter geworden.
Ex 15,2 (E)

Mo. 19.08.13
Die Entdeckung der Langsamkeit
Die Entdeckung der Langsamkeit

Das Fahrrad ist doch eine geniale Erfindung! Ursprünglich hat es den Menschen geholfen, schneller als zu Fuß von einem Ort zum anderen zu kommen und auch größere Entfernungen zurückzulegen. Heute ermöglicht es den Menschen, im Vergleich zum Auto, langsamer und beschaulicher Strecken zu bewältigen.
Seit ein paar Jahren habe ich meinen „inneren Schweinehund“ überwunden und fahre  mit dem Fahrrad zur Arbeit, in diesem Sommer zunehmend lieber. Ich erlebe diese 25 Minuten, die ich ganz für mich habe, in der ich an der frischen Luft und in Bewegung bin, wie ein Geschenk. Ich sehe die Veränderungen in der Natur, die blühenden Blumen am Wegrand, ich nehme die Gerüche der verschiedenen Jahreszeiten wahr, ich grüße die Radler, die mir entgegenkommen und werde zurückgegrüßt. Ich habe Zeit, mich auf den Tag einzustellen bzw. von der Arbeit Abstand zu gewinnen, Menschen, denen ich begegnet bin, gute Gedanken zu schicken. Ich habe eine Pause zum Denken. Kein Verkehrsstau, keine Parkplatzsuche. Dafür nehme ich gerne in Kauf, langsamer und länger unterwegs zu sein als mit dem Auto.
Das Leben „entschleunigen“, eine Pause einlegen, zur Besinnung kommen trotz oder vielleicht auch gerade wegen all meiner Termine, das erlebe ich als hilfreich.
Gerade jetzt nach der Urlaubszeit, wenn der Alltag mit seiner Routine und all seinen Anforderungen wieder eingekehrt ist, wünsche ich uns allen immer wieder solche Auszeiten mittendrin, die wir einplanen und uns auch wirklich nehmen. Denn schließlich hat Gott uns die Zeit gegeben, aber von Eile – von Stress und Termindruck, von möglichst schnell und ähnlichem – hat er nichts gesagt.

Sa. 17.08.13
Alltags-Theater
Matthias Richter
Alltags-Theater

An diesem Wochenende sind sie wieder unterwegs in Rotenburg, Artisten und Comedians. Für sie wird die Straße zur Bühne. Viele werden sie zum Lachen bringen, verzaubern und manchmal auch in melancholische Stimmung versetzen.

Dabei ist das, was uns auf der Straße vorgeführt wird, dichter dran an unserem Leben, als uns das manchmal bewusst und vielleicht auch lieb ist. Wir Menschen spielen Rollen – in der Familie, der Partnerschaft, auf der Arbeit. Wir sagen Sätze, hinter denen wir nicht ganz stehen können. Wir machen Dinge, die wir eigentlich anders machen wollen. Wir benutzen Masken gegenüber unseren Freunden und Kollegen und auch denen gegenüber, die uns ganz nahe sind. Dann lachen wir, obwohl wir traurig sind oder machen gute Miene zum bösen Spiel.

Solches „Alltags-Theater“ kommt nicht gut an. Wo zu offensichtlich eine Rolle nicht zu einer Person passt, ist uns das unangenehm. Wo jemand seine Maske fallen lässt, sind wir enttäuscht oder erschrocken, dass wir nicht gemerkt haben, dass unser Gegenüber ganz anders ist.

Ein Freund hat aber neulich eine Lanze für das Maskenspiel im Alltag gebrochen. Er saß mit Kollegen in einer Besprechung und man war sich herzlich uneins. Mehr noch: Die Luft war dick, die Fronten verhärtet, man fand sich gegenseitig unmöglich. „Idioten sind es, wo bin ich hier hingeraten?“, das musste er immer denken. Beim Rausgehen aber ließ er dem größten Idioten an der Tür höflich den Vortritt: „Nach Ihnen, werter Kollege!“ Das mit dem „werten Kollegen“ ist ihm so rausgerutscht. Im Nachhinein aber freute er sich drüber. Im Moment hatte er es nicht so gemeint. Er hat damit aber spielerisch vorweggenommen, dass es beim nächsten Treffen vielleicht die Chance gibt, sich gegenseitig ganz anders und eben mit Wertschätzung zu begegnen. Die höfliche Maske hat ihm geholfen, ein Stück aus dem Ärger herauszutreten und das Gegenüber noch einmal anders zu betrachten – und die Chance auf eine bessere Zukunft wachzuhalten.

Vielleicht ist unser Alltags-Theater manchmal doch hilfreich. Mich erinnert es an das Sprichwort: „Gott nimmt mich zwar, wie ich bin. Aber zum Glück besteht er nicht darauf, dass ich auch so bleibe, wie ich gerade bin.“

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Matthias Richter

Matthias
Richter
Theologischer Direktor des Agaplesion Diakonieklinikums
Elise-Averdiek-Straße 17
27356
Rotenburg
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(04261) 77-0
So. 19.05.13
Begeistert
Begeistert

Wie gelingt Veränderung? Veränderung ist notwendig in vielen Bereichen. Man müsste alles auf den Kopf stellen, noch einmal von vorn anfangen. Grundsätzlich, andere Strukturen, Erneuerung auf ganzer Linie:, im Finanzgebaren, in der Politik, vor allem in der materiellen Grundorientierung dieser Gesellschaft und auch in der Kirche. Gier, Machtgehabe und Mogelei – das muss anders werden. Wenn nichts Grundlegendes geschieht, wird es sich nicht bessern. Nur leider, was kann ein einzelner Mensch tun?

Gottes Geist begeistert Menschen. Er fährt nicht in Strukturen, er zeigt sich nicht im großen Ganzen, sondern immer in Menschen aus Fleisch und Blut. Begeisterte. Begabte. Und es ist keine Masse. Zwölf Leute waren es an dem Anfang, von dem die Bibel erzählt. Und einer von ihnen wie Petrus ist so begabt, dass er den Mund aufmacht und deutet, was geschieht. Veränderung ereignet sich, indem Gottes Geist in die Menschen kommt. Ein Einfall. Inspiration. Innovation. Und die, die sich dem öffnen, teilen miteinander, was sie begeistert. Die Jungen erzählen den Alten von ihren Zukunftsideen. Die Alten verstecken nicht länger verschämt ihre Träume, die ja noch immer da sind. Sie reden miteinander von dem, was möglich ist. Und sie tun, was sie im Inneren begeistert.

Nicht jede Inspiration verändert die Welt. Aber ohne Inspiration geschieht nichts Lebendiges. Pfingsten erinnert an diese tiefe Wahrheit. Ohne Begeisterung wird sich nichts zum Besseren verändern, - durch den Geist, nicht durch Gewalt.

Manche glauben, früher gab es mehr von Gottes Geist. An dem ursprünglichen Pfingstfest z.B. mit Brausen und Feuerflammen. Aber heute sind wir von guten Geistern verlassen. Ich glaube nicht, dass Gott in unserer Zeit weniger gegenwärtig ist als in anderen. Er geizt nicht ausgerechnet heute und bei uns mit dem Geist, den er auf die Jünger so freigiebig ausgegossen hat. Wir müssen aber den Blick schärfen und Platz lassen für die Begeisterung eines Menschen. In der Begeisterung liegt eine Kraft, die auch uns anstecken kann. Und wir sollten mehr Raum geben für das, was uns selbst inspiriert.

Wenn zwölf ihre Begeisterung teilen, geschieht ein Aufbruch. Mit Gewissheit. Pfingsten heute. Da wird nicht alles anders, aber vieles wird neu in der Kirche, in der Politik und auch im eigenen Leben. In jedem Fall. Es ist gut, wenn wir dabei sind. Gott segne Ihr Pfingstfest!

 

So. 21.04.13
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RegionRotenburg-Andacht_130421-01

 

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Do. 04.04.13
Nimm Dir das Leben!
Jutta Wendland-Park
Nimm Dir das Leben!

Nimm Dir das Leben!

 

Nimm dir das Leben, so heißt es in einem Lied von Udo Lindenberg. Darin erzählt er von einer Freundschaft zwischen zwei „Typen“, die sich einst unsterblich fühlten. Und heute?

„Heut’ stehst du mit einem Bein im Grab

die Welt da draußen macht dich fertig

und du sagst, du hast genug“ so heißt es im Text.

 

Vielleicht fühlen Sie sich bei diesen Zeilen angesprochen, weil das Leben es auch gerade nicht gut mit Ihnen meint. Weil Ihnen alles über den Kopf gewachsen ist; Sie müde und kraftlos geworden sind.

Dann sollten Sie hören, wie es in dem Lied weitergeht. Dort heißt es nämlich:

„Nimm dir das Leben und lass es nicht mehr los

greif’s dir mit beiden Händen

mach’s wieder stark und groß.

Nimm dir das Leben

Und gibt’s nie wieder her

Denn wenn man es mal braucht

Dann findet man’s so schwer.“

 

Das sind hoffnungsvolle Worte. Sie fordern auf, das Leben nicht aufzugeben, weil es so kostbar ist. Und so einzigartig.

Genau das ist die Osterbotschaft. Auch sie beginnt mit der Verzweiflung und Mutlosigkeit der Jünger, als Jesus Christus am Kreuz stirbt und alles verloren scheint.

Doch dann, an jenem Ostermorgen, wird deutlich: Das Grab ist leer.

Das Leben hat gesiegt gegen den Augenschein.

Und sie, die Jünger, verspüren plötzlich neue Kraft. Sie nehmen ihr Leben wieder selbst in die Hand und begreifen: Gott will das Leben. Wir haben eine Zukunft!

 

Gott will das Leben. Er ist das Leben. Mit ihm an der Seite kann es gelingen, immer wieder aufzustehen und einen neuen Anfang zu wagen. Mit ihm an der Seite werden wir zu Protestleuten gegen den Tod, wie es ein Theologe formulierte.

 

Deshalb...

Nimm dir das Leben und lass es nicht mehr los

greif’s dir mit beiden Händen

mach’s wieder stark und groß.

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Jutta Wendland-Park

Arbeitsbereiche im Kirchenkreis: 
Diakonische Einrichtungen
Jutta
Wendland-Park
Pastorin, Geschäftsführerin der Rotenburger Werke gGmbH
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Fax: 
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Fr. 29.03.13
Das Kreuz mit dem Kreuz
Jutta Wendland-Park
Das Kreuz mit dem Kreuz

Es ist ein Kreuz mit den Kreuzen. Mit den Kreuzen, die Menschen zu tragen haben. Seit Tausenden von Jahren, hier und überall auf dieser Erde.

Mitte Dezember letzten Jahres wird eine junge indische Studentin in Neu Dehli von mehreren Männern brutal in einem Bus vergewaltigt und danach blutend am Straßenrand liegen gelassen. Sie stirbt anderthalb Wochen später an den schweren Verletzungen im Krankenhaus.

Am 10. März diesen Jahres wird ein junger Mann an einer Bushaltestelle am Bahnhof in Kirchweyhe schwer verletzt, als er einen Streit zu schlichten versucht. Auch er stirbt wenige Tage später im Krankenhaus an seinen Kopfverletzungen.

Von manchen dieser Kreuze lesen wir in der Zeitung, erfahren wir aus dem Fernsehen oder wir erleben sie am eigenen Leib. Die meisten Kreuze, die Menschen zu tragen haben, kennen wir nicht. Sie erzählen von Menschen, die den Kampf mit einer tödlichen Krankheit verlieren, von denen, die Opfer von Unfällen, von Gewalt und Terror werden, die verzweifelt, einsam und verbittert sind.

Manchmal sehen wir ein Kreuz am Straßenrand, geschmückt mit Blumen.

Jeder hat sein Kreuz zu tragen, heißt es im Volksmund.

Und doch scheint die Last manchmal sehr ungerecht verteilt zu sein. An diesem Haus geht kein Kreuz vorbei, heißt es dann.

Es ist ein Kreuz mit den Kreuzen. Und mit diesem einen Kreuz, das uns besonders am Karfreitag vor Augen steht. Gott lässt seinen Sohn sterben, sterben am Kreuz. Sein Sohn geht diesen Weg für uns. Nur schwer nachvollziehbar. Vielen bleibt das Wort vom Kreuz eine Torheit.

Es ist ein Kreuz mit diesem Kreuz. Und das ist gut so.

Es öffnet uns die Augen für alles Leid dieser Welt.

Es erinnert an den, der mit seinem Tod am Kreuz ein Zeichen gesetzt hat für die Versöhnung Gottes mit uns und für Menschlichkeit unter uns. Es ermutigt uns, dafür einzutreten, dass Menschen von Kreuzen befreit werden, wo es möglich ist.

Und es ermutigt uns, Kreuze mit zu tragen, wo sie nicht genommen werden können.

So wird das Kreuz zum Zeichen der Hoffnung.

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Jutta Wendland-Park

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Fr. 18.01.13
Andach von Karin Ladwig, Prädikantin im…
Karin Ladwig
Andach von Karin Ladwig, Prädikantin im Kirchenkreis

Ein Glück: freie Wahl

"Es ist ein Glück wählen zu dürfen. Das ist der Besitz: eine Stimme. sie fällt ins Gewicht und beweist, dass ich lebe." Dieses Zitat von Günter Grass kam mir in den Sinn, bei einer Diskussion mit Freunden über die Landtagswahl in Niedersachsen. Es war das Wort "dürfen", was mich sofort angesprochen hat. Es schließt das Wort "müssen" aus, den Zwang. Es ist eine freiwillige Wahl. Doch die Möglichkeit, eine Stimme zu haben, die zählt, die Gewicht hat, verschafft das Gefühl wirksam zu sein. Vielleicht ist es das, was Grass meint, wenn er von einem Lebensbeweis spricht. Ganz wörtlich genommen erscheint mir der Schlusssatz des Zitates überzogen. Es gibt sicher noch andere bedeutsame Beweise, "dass ich lebe". Doch mit meiner lebendigen Stimme teilzunehmen an einer freien Wahl kann das Gefühl der Zugehörigkeit zu einem demokratischen Staat bestärken. Es bedeutet auch, mit seiner Stimme einzutreten für die christlichen Werte, die unmittelbar verbunden sind mit den freiheitlichen demokratischen Grundsätzen, die im Grundgesetzt verankert sind. Wählen heißt, politisch handeln, Anteil nehmen an der Verantwortung für das Leben in der Gemeinschaft. Für Hannah Arendt, jüdische deutsch-amerikanische Philosophin und politische Theoretikerin war Politik angewandte Nächstenliebe, Liebe zur Welt. Das ist eine wunderbare Utopie. Die eigene lebendige Stimme dafür abzugeben, dass wir uns dieser Utopie annähern erscheint mir absolut lohnenswert. Und: Gott sei Dank, wir haben die freie Wahl.

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Karin Ladwig

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Karin
Ladwig
Prädikantin im Kirchenkreis
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Di. 01.01.13
Andacht von Matthias Richter, Pastor im…
Matthias Richter
Andacht von Matthias Richter, Pastor im Fundraisingbüro Rotenburg

Mein Autohaus schreibt: „Denken Sie an Ihre Winterreifen!“ Es ist gut, dass ich daran erinnert werde, weil ich solche Termine gerne vor mir herschiebe. Ich weiß natürlich, dass die Reifenart und die Profiltiefe wichtig sind, vielleicht sogar Leben retten. Meines und das der anderen. Und trotzdem bin ich in der Gefahr, in dieser Sache doch etwas leichtsinnig zu sein.

Sieben Millimeter Profil hat ein Reifen ungefähr, wenn er ganz neu ist. Mindestens zwei muss er noch haben, wenn die Polizei kontrolliert. Weniger ist halt gefährlich.

Auf wieviel Profil kann ein Mensch verzichten, ehe es gefährlich wird?

Ich erlebe manchmal die Angst vor dem eigenen Gesicht. Viele geben sich Mühe, gerade nicht aufzufallen und nicht anzuecken. Dann lieber mit der eigenen Überzeugung hinter dem Berg halten. Sonst macht man sich angreifbar. Es stimmt: Wer Gesicht zeigt, setzt sich aus. Viele wollen dann lieber mit Austauschgesichtern und Austauschmeinungen im Trend bleiben. Das nenne ich die Angst vor dem eigenen Gesicht. Und die wächst.

Ich finde das schade. Früher war es meiner Mutter manchmal zu viel, wenn wir uns am Tisch über Politik und Religion die Köpfe heißgeredet haben. „Hört auf, Euch zu streiten“, war ihr Beitrag zur Debatte. Dabei ging es nie um Streiterei oder um zwanghaftes Recht-Haben. Wir haben gerungen um Positionen und Werte. Ich habe manchmal den anderen einen Anstoß geben können und immer selbst daraus gelernt. Ich meine: Wenn Menschen ihr Profil zeigen, kommt eine Partnerschaft, eine Familie, eine Kirche eine Gesellschaft nach vorne. Klar, ein solches Miteinander kann anstrengend sein. Man muss Differenzen aushalten, ohne gleich das Tischtuch zu zerschneiden. Aber anders geht es nicht. Wer sich raushält, verweigert den anderen seine Meinung. Und die Chance, dass man sich gemeinsam weiterentwickelt. Ich finde es keinen schönen Gedanken, dass meine Reifen mehr Gripp haben könnten als ich selbst.

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Matthias Richter

Matthias
Richter
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