Andachten

Kurz innehalten. Sich für einen Moment besinnen, woher wir eigentlich kommen, was wichtig ist im Leben. Dabei helfen uns kurze Andachten. Die Pastorinnen und Pastoren des Kirchenkreises Rotenburg verfassen jede Woche zwei Zeitungsandachten für die Rotenburger Rundschau und die Rotenburger Kreiszeitung. Wir veröffentlichen sie hier und schaffen damit ein Archiv, auf das Sie zurückgreifen können, wann immer Sie möchten. Denn: Ihre Zeitung werfen Sie irgendwann in den Papierkorb. Die Andachten behalten jedoch ihre Gültigkeit jenseits der Tagesaktualität.

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Name
So. 17.12.17
Advent, Advent, es brennt – lichterloh
Peter Handrich
Advent, Advent, es brennt – lichterloh

Im Advent machen wir es uns gern gemütlich. Wir zünden Kerzen an, essen am liebsten von irgendwem selbst gebackene Kekse und lassen es ruhig angehen. Falls alle Weihnachtsgeschenke gekauft sind. Falls klar ist, wer zu Weihnachten kommen wird und was es zu essen geben soll. Oder wo wir wir Weihnachten hinfahren sollen.

Tatsächlich ist es fast überall auf der Welt in diesem Advent äußerst ungemütlich. Syrien steckt noch immer im Bürgerkrieg. Im Jemen ist keine Besserung in Sicht. Nach Saudi-Arabien haben wir das Gerät geliefert, mit dem das auch lange noch so sein kann. Und der amerikanische Präsident ist dafür, dass Jerusalem die Hauptstadt Israels sein darf – und auf keinen Fall die Hauptstadt Palästinas. Er zündet keine Kerzen an, er legt gleich Feuer.

Am Donnerstag war ich mit einigen Bewohnerinnen und Bewohnern der Rotenburger Werke essen. Viele von ihnen fürchten sich davor, dass es wieder einen großen Krieg gibt. Es sind unsichere Zeiten, und am Adventskranz scheinen nicht nur die Kerzen zu brennen, sondern der ganze Kranz scheint lichterloh zu brennen.

Jesus ist in die Welt als Friedefürst und Weltveränderer geboren worden. Als Kind Gottes und Heiler der Welt. Aber diese Welt hat wenig Frieden, und Heil ist nicht in Sicht.

Deshalb sind wir dran. Lasst uns einfach nicht mitmachen beim Anzünden von Feuern. Lasst uns bei den Kerzen bleiben, die Hoffnung in der Dunkelheit ausstrahlen. Lasst uns das tun, was wir können, um dem Frieden zu dienen: An Stammtischen und im Freundeskreis mäßigend reden. Nicht die AfD gut finden. Für Ärzte ohne Grenzen spenden. Menschen aus anderen Ländern gegenüber freundlich sein.

Alles, was geht.

Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen.

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Peter Handrich

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Pastor/-innen
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Handrich
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So. 10.12.17
Weihnachten ist mehr als das, was in den…
Hilke Bauermeister
Weihnachten ist mehr als das, was in den Häusern passiert

Morgen ist der 2. Advent. Die Weihnachtstage kommen immer näher. Wie geht es Ihnen, wenn Sie an Weihnachten denken? Haben Sie noch die Weihnachtsfeste Ihrer Kindheit vor Augen? Den schön geschmückten Tannenbaum? Das Festessen mit der Familie? Oder haben Sie ganz andere Erinnerungen? Weniger schöne? – Neulich hörte ich einen Werbespruch: „Gut essen – weniger streiten.“ Der erinnerte mich daran, dass es an Weihnachten auch mal hoch her gehen kann. Nicht jede Familienfeier verläuft harmonisch. Wer schon mal so einen richtig großen Zank zu Weihnachten erlebt hat, der sieht den Feiertagen vielleicht eher mit gemischten Gefühlen entgegen. Schon im Advent mischt sich in die Vorfreude ein wenig Kummer. Schaffen wir’s dies‘ Jahr, mal nicht zu streiten? Hoffentlich bleibt’s ruhig unterm Weihnachtsbaum.

Im Evangelischen Gesangbuch gibt es ein Lied, das mir so vorkommt, als sei es geschrieben für alle, die im Advent Kummer quält. Es stammt aus dem Jahr 1938. Jochen Klepper schrieb es in der Zeit des Nationalsozialismus, als er mit seiner Familie Verfolgung litt: „Die Nacht ist vorgedrungen, der Tag ist nicht mehr fern. So sei nun Lob gesungen dem hellen Morgenstern! Auch wer zur Nacht geweinet, der stimme froh mit ein. Der Morgenstern bescheinet auch deine Angst und Pein.“ (Ev. Gesangbuch, Nr. 16). Sei es auch, dass man mit kummervollen Augen den Feiertagen entgegensieht: Weihnachten ist mehr als das, was in den Häusern passiert. Weihnachten ist das Versprechen, dass es mit uns allen einmal ein gutes Ende nehmen wird. Gott hält’s in Händen, wird alles wenden. Auch wer zur Nacht geweinet, der stimme froh mit ein. Der Morgenstern bescheinet auch deine Angst und Pein.

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Hilke Bauermeister

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Mo. 04.12.17
Zu Fuß auf diesem Planeten
Jens Ubben
Zu Fuß auf diesem Planeten

Mit dem Auto bin ich oft unterwegs. Das ist nötig in unserem ländlichen Raum, wo Distanzen oft schnell zu überwinden sind. Mit dem Fahrrad bin ich viel zu selten unterwegs, obwohl das inzwischen richtig komfortabel sein kann. Zu Fuß bin ich inzwischen immer bewusster unterwegs. Irgendwann habe ich entdeckt, welchen Wert das hat. Da ist mehr drin als der kurze Wink durch die Windschutzscheibe. Mehr als der schnelle Gedanke beim schnellen Vorbeirauschen an bestimmten Orten, mit denen ich etwas verbinde.

Der Gang zu Fuß hat seinen Wert! Wer zu Fuß geht, ist dichter dran am Geschehen. Der bekommt mehr mit, was um ihn herum geschieht. Der spürt mehr, der nimmt sich Zeit, sich umzusehen. Auch mal stehenzubleiben. Der ist einfach näher dran.

An Weihnachten feiern wir: Der ewige Gott setzt seine Füße auf diesen Planeten! In dem Kind in der Krippe kommt Gott mit den Füßen eines Neugeborenen auf diese Welt. Er lernt laufen! Und das dauert, bis die kleinen Füße entdecken, wozu sie in der Lage sind. Da wird zuerst gestrampelt und Stück für Stück die Welt entdeckt.

Gott geht zu Fuß! Langsam ist er unterwegs, um uns auch zu treffen. Keiner soll sagen, Gott ist zu weit entfernt oder viel zu schnell wieder weg. Er möchte Menschen wirklich begegnen. Deshalb ganz bodenständig zu Fuß. Und daher kennt er unsere Lebensherausforderungen: Er weiß, wie das ist, Boden unter die Füße kriegen zu müssen. Sich auch mal die Knie aufzuschrammen. Schmerzende Füße zu haben. Unsicher auf den eigenen Beinen zu stehen.

Gott will einen Fuß in die Tür dieser Welt bekommen und in unsere Herzen. Daher der Weg zur Krippe. Von dort dann zu Fuß bis ans Kreuz. Er geht mit und geht voran. Schließlich zurück zu seinem himmlischen Vater.

Und seitdem geht er uns Menschen nach. Will uns nicht zu nahe treten, aber ganz nah dran sein. Nicht auf uns herumtrampeln – das tun wir schon reichlich selber. Vielmehr uns ermutigen: Wenn Gott so zu uns kommt, sollten wir die Advents- und Weihnachtszeit nicht auch zu Fuß neu entdecken?

 

 

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Jens Ubben

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Gemeindebrief
Pastor/-innen
Jens
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Mo. 27.11.17
Jessicas Weihnachten
Dr. Matthias Wilke
Jessicas Weihnachten

Jessicas Weihnachten
oder
„Durch die herzliche Barmherzigkeit unseres Gottes wird uns besuchen das aufgehende Licht aus der Höhe, damit es erscheine denen, die sitzen in Finsternis und  Schatten des Todes, und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens.“ (Lukas 1, 78f.).

Es war kurz vor den Weihnachtsferien in einem Studentenwohnheim in Hamburg. Alle waren schon beim Packen. Fön und Dreckwäsche wurden zusammengesucht und dann, ach ja, noch schnell zum nächsten Kaufhaus, um auch für Papa die zu Weihnachten gewünschte Schokolade nicht zu vergessen. Alle schienen trotz des Gewimmels eigentlich ganz guter Stimmung – alle, bis auf Jessica. Sie hatte die letzte Prüfung versemmelt und musste nun morgen, am wirklich allerletzten Tag vor den Ferien, noch einmal zur Nachprüfung. Blöd gelaufen. Zudem hatte sie immensen Bammel. – Stunden später: Wie erleichtert sah Jessica wenige Stunden später aus. Zwar hatte sie immer noch am kommenden Tag die Prüfung vor sich. Aber in all dem Gepacke hatte ihr Zimmernachbar doch gemerkt, dass mit Jessica etwas nicht so rund lief, wie es sollte, und hatte einfach mal so gefragt: „Soll ich dich morgen begleiten? Ich fahr dann einen Zug später!“. Mehr Worte brauchte es nicht, um Jessicas Stimmung sichtbar aufzuhellen.

Am Tag vor Heiligabend ist dann auch Jessica zuhause bei ihren Eltern und der großen Schwester. Ihre Schwester hat schon eine kleine Tochter, Frieda. Sie ist drei Jahre alt und schon richtig groß und mutig – wenn nicht gerade das Licht ausgeht. So aber ist es nun mal jeden Abend beim Einschlafen vorgesehen – und das ist auch am Abend vor Heiligabend nicht anders. Jessica ist bei ihrer kleinen Nichte geblieben und bringt sie zu Bett. Die große Schwester sollte und wollte auch mal „frei“ haben und ihr macht es Spaß. Waschen, Zähneputzen, Schlafanzug an, alles hat prima geklappt. Das Licht hat sie bei der Kleinen auch ausgeschaltet und
noch ist es nebenan vielversprechend ruhig. Jessica sitzt nun im Nebenraum und drückte im Dunkeln still auf ihrem Tablet herum – mit ihren Gedanken mit einem Drittel bei ihrem Hamburger Zimmernachbarn, mit dem anderen bei ihrer Nichte und mit dem dritten Drittel bei dem Text vor ihren Augen. Sie hat sich ein Buch eines alten Leib- und Seelenarztes, Siegmund Freud, heruntergeladen. Und während Frieda nebenan (hoffentlich) am Einschlafen ist, liest Jessica folgenden Bericht: „Ein Kind, das sich in der Dunkelheit ängstigte, hörte ich ins Nebenzimmer rufen: ‘Tante, sprich doch zu mir, ich fürchte mich.’ ‘Aber was hast du davon? Du siehst mich ja nicht’; darauf das Kind: ‘Wenn jemand spricht, wird es heller’.“ Jessica spitzte gedankenverloren ihre Ohren: wenn jemand spricht, wird es heller?

Und dann endlich der Heiligabend. Ganze Familie mit allen Großen und Kleinen auf zum Krippenspiel. Die Orgel spielt, irgendwo schreien Kinder und alle singen: „Stille Nacht!“ Jessica wandert mit ihren Gedanken hin und her. Neben ihr rutscht ihre Nichte von einer Pobacke auf die andere, hinter ihr diskutiert eine Familie leise, wer sich nachher um Opa Otto kümmert, wenn der wieder mit seinen politischen Themen anfängt. Doch da, auf einmal – ein Strahler leuchtet auf, und ein kleiner Engel  steht da und sagt, vom Licht geblendet: „Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allen widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren!“ „Wenn jemand spricht, wird es heller!“, denkt Jessica und hat auf einmal eine Ahnung, dass damit nicht der Scheinwerfer gemeint ist.

Pastor Matthias Wilke
(aus Gemeindebrief BKV 04/2017)

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Dr. Matthias Wilke

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So. 26.11.17
Jamaika – oder die Kunst des Kompromisses
Jutta Wendland-Park
Jamaika – oder die Kunst des Kompromisses

Bisher dachte ich bei dem Begriff „Jamaika“ immer an weiße Strände, Sonne und Meer, Reggae und pure Lebensfreude. Seit der Sondierungsgespräche von CSU/CDU, der FDP und den Grünen hat sich dies verändert und Kompromissfähigkeit kommt mir zuerst in den Sinn. Laut Wikipedia ist der Kompromiss „die Lösung eines Konfliktes durch gegenseitige freiwillige Übereinkunft, unter beiderseitigem Verzicht auf Teile der jeweils gestellten Forderungen. Er lebt von der Achtung der gegnerischen Positionen und gehört zum Wesen der Demokratie“. Klingt einfach und ist scheinbar doch so schwer. In den letzten Wochen haben wir es in der Auseinandersetzung der politischen Parteien um eine Regierungsbildung erlebt.

Ob in der Politik und Wirtschaft, in der Partnerschaft oder im Beruf, ohne Kompromissbereitschaft geht es nicht voran. Zugegebenermaßen hat der Kompromiss nicht nur einen guten Ruf. Manchmal wird ihm vorgeworfen, dass er etwas für Unentschlossene, Schwächlinge oder Unklare sei. Fest steht jedoch, dass der Kompromiss alle Lebensbereiche prägt.

Selbst Gott lässt sich in der Bibel auf Kompromisse ein. Ich denke daran, wie Abraham mit ihm erbittert über die Zahl der Menschen in Sodom und Gomorra verhandelt, die Gott vernichten will, weil die Schrecklichkeit ihrer Sünden zum Himmel schreit. In den Verhandlungen gelingt es Abraham schließlich mehrfach, diese Zahl zu verringern.

Es sind viele Themen mit unterschiedlichen Interessen, die auf der politischen Agenda stehen. Vor allem aber geht es um die Suche nach dem Besten für unser Land und für die Menschen, die hier leben und leben möchten. Traurig, wenn ein Miteinander nicht gelingt.

 

 

 

 

 

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Jutta Wendland-Park

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Diakonische Einrichtungen
Jutta
Wendland-Park
Pastorin, Vorstandsvorsitzende der Rotenburger Werke
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Fax: 
(0426) 920200
Fr. 24.11.17
Hesekiel 37,27
Monatsspruch
Hesekiel 37,27

Und Gott spricht: Ich will unter ihnen wohnen und will ihr Gott sein und sie sollen mein Volk sein.

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So. 19.11.17
Mein unbekannter Opa
Thomas Steinke
Mein unbekannter Opa

Meinen Opa habe ich nicht mehr kennengelernt. Er starb einige Jahre vor meiner Geburt. Was ich mit ihm verbinde, hat mein Vater mir erzählt. Unfassbar, was mein Opa in seinem Leben durchgemacht hat. Aufgewachsen im heutigen Polen musste er als junger Soldat im Ersten Weltkrieg beim russischen Heer kämpfen. Er geriet in deutsche Gefangenschaft, lernte dort seine Frau kennen und die beiden heirateten. Doch nach der Geburt des zweiten Kindes starb seine Frau. Er zog zurück zu seinen Eltern, unweit der russischen Grenze. Dort machte er Bekanntschaft mit einer jungen Witwe, die drei Kinder hatte. Nach der Heirat mit ihr hatten sie also fünf Kinder und in den folgenden Jahren wurden ihnen noch sechs gemeinsame Kinder geboren. Sie hatten sich einen kleinen Hof aufgebaut, den der älteste Sohn übernahm. Nun zog mein Opa mit seiner Frau und den sechs kleinen Kindern an verschiedene Orte. Er pachtete jeweils Land und Hof, aber durch unglückliche Umstände musste die Familie oft schon nach kurzer Zeit weiterziehen. Immer wieder musste mein Opa von vorne anfangen. Im Zweiten Weltkrieg verlor er zwei seiner Söhne und musste mit seiner Familie in den Westen fliehen.
Ein Erlebnis noch vor der Flucht hatte sich meinem Vater besonders ins Gedächtnis eingebrannt: Mein Opa hatte mit den Kindern gemeinsam auf dem gepachteten Land das Getreide geschnitten und die Garben zum Trocknen aufgestellt. Als sie später die Ernte einbringen wollten, kam der Besitzer und verjagte die Familie vom Feld. Mit leerem Leiterwagen mussten sie wieder nach Hause fahren. Das war ein herber Verlust in diesen entbehrungsreichen Zeiten. Die Kinder wunderten sich, dass mein Opa nicht in Zorn entbrannte, sondern das erlittene Unrecht so hinnahm. Er wusste sein ganzes Leben in Gottes Hand und vertraute darauf, dass sein himmlischer Vater ihn und seine Familie nicht im Stich lassen wird.
Leider habe ich meinen Opa nie persönlich gekannt. Und doch ist er für mich ein wichtiger Zeuge der Versöhnung, der den Worten von Jesus Christus folgte: "Liebt eure Feinde; tut wohl denen, die euch hassen; segnet, die euch verfluchen; bittet für die, die euch beleidigen." (Lukas 6,27+28)
Dass es nach all dem Unrecht, das von unserem Volk ausgegangen ist, zur Versöhnung und nun schon zum über 70 Jahre andauernden Frieden mit unseren Nachbarländern gekommen ist, erfüllt mich mit großer Dankbarkeit. Und es spornt mich an, genauso wie mein Opa alles in meinem persönlichen Umfeld dafür zu tun, dass der Geist der Versöhnung sich ausbreitet.

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Thomas Steinke

Arbeitsbereiche im Kirchenkreis: 
Mission, Ökumene und Partnerschaft
Thomas
Steinke
Pastor für Gemeindeinnovation in den Kirchenkreisen Rotenburg und Bremervörde-Zeven
Querweg 2a
29640
Schneverdingen
Tel.: 
(05193) 9662586
Sa. 11.11.17
Zeichen der Hoffnung
Dr. Matthias Wilke
Zeichen der Hoffnung

Vor fast genau 51 Jahren starb der oberbayrische Pfarrer Korbinian Aigner. Schon in jungen Jahren beginnt er, sich für die Apfelkunde zu interessieren, die Pomologie. Und ebenso früh entscheidet er sich, Pfarrer zu werden. Zuerst gründet er einen Apfelverein. Dann wird er katholischer Priester. Diese doppelte Leidenschaft als Pomologe und Theologe bleibt – oft ist er mehr das eine, als das andere, auch noch, nachdem er 1931 seine erste eigene Pfarrstelle antritt. Von den Nationalsozialisten lässt er sich nicht einschüchtern. Er wird strafversetzt, aber auch das hindert ihn nicht daran, weiter mutig Stellung gegen die Nazis zu beziehen. Er wird von Gemeindegliedern angeschwärzt und kommt ins Konzentrationslager. Aus dieser Zeit ist nicht viel bekannt. Aber so viel doch: Heimlich sät der Landpfarrer auf dem Gelände des KZ Dachau Apfelkerne aus und zieht neue Sorten. Die Pflänzchen lässt er aus dem Lager schmuggeln, damit sie draußen wachsen können. Eine Sorte wird auch heute noch angebaut. Sicher hat Korbinian Aigner Luthers Wort vom Apfelbäumchen gekannt... Mir ist die Erinnerung an den leidenschaftlichen Apfelkenner und Dorfpfarrer, der beharrlich auf Frieden wartet, sehr wichtig geworden. In einer Zeit, die nicht friedlich ist. Wie oft schon werden Menschen heute zaghaft Ausschau gehalten haben nach einem Zeichen, das Hoffnung gibt – wie eben jemand, der Samen aussäht und schaut, ob er aufgeht? Wie oft war das Warten für viele Menschen unserer Zeit schon vergebens? Was hat sie dennoch gehalten und getragen? Das wird nur jeder und jede für sich beantworten können. Mich trägt jedenfalls die Hoffnung, dass unsere Zeit unter Gottes Zuspruch steht.

 

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Dr. Matthias Wilke

Arbeitsbereiche im Kirchenkreis: 
Superintendentur
Matthias
Wilke
stellv. Superintendent
Goethestraße 20
27356
Rotenburg
Tel.: 
(04261) 630 39 10
Fax: 
(04261) 630 39 19
Sa. 04.11.17
Ex abundantia – oder häh?
Dr. Matthias Wilke
Ex abundantia – oder häh?

„Das nennt Fred das Überflussparadox“. „Häh, versteh ich nicht“. „Na, ganz einfach. Nimm Bremen Brinkum. Dass es da eine Autobahn gibt, ist eigentlich spitze. Denn wie lange brauchten die andern früher, wenn sie von Rotenburg nach Bremen zur Arbeit wollten. Und heute: geht das eigentlich richtig klasse.“ „Eigentlich, ja…“. „Genau. Das Problem heute nämlich…“ „Die Baustelle!“ „Ja, die auch, aber das eigentliche Problem in unserer Gesellschaft ist…“ „Dass die Leute sich nicht einfach mal rechts einordnen können. Diese blödsinnige Regelung, ständig in der Mitte zu fahren…“ „Ja, ja, aber was ich meine, ist das Paradox unserer Überflussgesellschaft, zu dem Fred Hirsch schrieb…“ „Ne, ne, ich sage dir. Letztens zum Beispiel. Mittlere Spur. Der vor mir: Strich 60! Ich dachte ich krieg die Motten. Rechts war alles frei, der hätte einfach nur: Blinker setzen und rechts rüber. Aber nein! Und ich: Rechts vorbei soll man ja nicht, links aber war auch alles voll und dann hängst du in der Mitte und kommst nicht vorbei – boah ne…“. Und was ist nun mit unserem Überfluss und Überdruss? Wir werden es wohl „googeln“ müssen. Denn dadurch, dass dem einen das Herz so voll war vom täglichen Stau, dass es ständig aus seinem Mund sprudelte, konnte der andere sich gar nicht Gehör verschaffen für das, was er in seinem Kämmerlein von Fred Hirsch gelesen hatte. Und dabei: gehört hätte ich es schon gerne, warum Überfluss nicht einfach nur schön ist. So aber bleibt es bei der Losung für den heutigen Samstag: „Wovon das Herz voll ist, davon fließt der Mund über“ (Lukas 6, 45). Und ich werde nachdenklich und überlege: Wovon würde ich reden, wenn ich wüsste, dass mir einer wirklich zuhört?

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Dr. Matthias Wilke

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Mi. 01.11.17
Gott spricht: Ich will unter ihnen
Monatsspruch
Gott spricht: Ich will unter ihnen

Gott spricht: Ich will unter ihnen wohnen und will ihr Gott sein und sie sollen mein Volk sein. Ez 37,27

 

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Mo. 16.10.17
„Kernige Kanzelreden zu Sprüchen von Martin…
Landesbischof Ralf M…
„Kernige Kanzelreden zu Sprüchen von Martin Luther: Dem Volk aufs Maul geschaut“

„Kernige Kanzelreden zu Sprüchen von Martin Luther: Dem Volk aufs Maul geschaut“
- Es gilt das gesprochene Wort -

 
"Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge und niemand untertan. Ein
Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan."
Gnade sei mit Euch und Friede von Gott unserm Vater und unserm Herrn Jesus Christus.

Amen.

 
Liebe Gemeinde,
ich bin so frei! Es ist eine höfliche Floskel, wenn wir sagen: Ich bin so frei! Wenn uns jemand ein
Getränk oder ein Gebäck anbietet, greifen wir zu und sagen: Ich bin so frei. Ich erlaube mir,
dieses Angebot anzunehmen. Ohne Hemmungen, ohne Scheu.
Ich bin so frei. Das kann man auch als eine Aussage über das Lebensgefühl vieler Menschen
unserer Zeit verstehen. Ich bin so frei – ich kann reden ohne Zensur und ohne Verbote. Das ist in
vielen Ländern anders, wir erleben es gerade im Blick auf die Türkei. Wir sind so frei. Viele
Lebensstile sind möglich und erlaubt. Meinungen werden offen und ungestraft ausgetauscht und
- wenn es gut läuft - gegeneinander abgewogen. Vieles geht.
Ich bin so frei. Das gilt auch und in besonderer Weise für das weite Feld der Religion. Vorbei die
Zeit, als die Landesherren festlegen konnten, welche Religion ihre Untertanen haben mussten.
Vorbei auch die Zeit, als es zum Anstand gehörte, einer christlichen Kirche anzugehören. Heute
ist es nicht mehr ungewöhnlich, wenn jemand keiner Kirche an-gehört oder einer anderen
Religion. Religionsfreiheit meint eben auch die Freiheit, ohne Religion zu leben.
Leben wir also in einer durch und durch freien Gesellschaft? Führt eine freiheitlich-demokratische
Grundordnung unseres Landes dazu, dass Menschen frei sind, frei von allen Einschränkungen,
Vorschriften und Regeln?
Es ist nicht so weit her mit der Freiheit, wie es auf den ersten Blick scheint. Natürlich können wir
nicht alles tun und lassen, was wir wollen. Gott sei es gedankt. Wir haben Gesetze,
Verkehrsregeln, pflegen den guten Umgang, in dem sich manches nicht gehört. Wir sind so frei –
oder auch nicht. Freiheit ist etwas sehr Wertvolles – aber sie hat auch ihre Grenzen. Und diese
Grenzen liegen nicht nur in Gesetzen und Regeln, sondern bestimmen sich schon aus der
Endlichkeit des menschlichen Lebens und seiner Verstrickung in der Welt.
Das Thema der Freiheit ist ein brennendes Thema des Menschen durch alle Jahrhunderte
gewesen. Und vor einem halben Jahrtausend war Freiheit Martin Luthers große theologische
Entdeckung. Bis zu seinem Thesenanschlag 1517 hieß er noch Martin Luder. Danach nannte er
sich Luther. Klingt besser als Luder, das ja in der deutschen Sprache nichts Gutes bedeutet. Vor
allem aber klang „Luther“ an das griechische Wort „Eleutheria“ an, auf Deutsch: Freiheit. Sein
neuer Name war für ihn Programm. Freiheit war sein größtes Thema. „Ein Christenmensch ist ein
freier Herr über alle Dinge und niemand untertan. Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht
aller Dinge und jedermann untertan.“ Mit dieser komplett widersprüchlichen These beginnt
Martin Luther 1920 seine berühmte Schrift: „Von der Freiheit eines Christenmenschen“. Luther
meinte damit allerdings nicht Freiheit im heutigen politischen Sinne und erst recht nicht eine von
allem losgelöste Freiheit nach dem Motto „Freie Fahrt für freie Bürger“. Er wusste sein Gewissen
gebunden an das Wort Gottes - „durch die Worte Gottes gefangen“, wie er sagte. Aber er
drückte damit seine feste Überzeugung aus, dass weltliche Macht ihre Grenzen an eben diesem
Gewissen findet, durch das er selbst sich unmittelbar vor Gott gestellt sah.
Freier Herr und dienstbarer Knecht. Das evangelische Freiheitsverständnis hat immer dieses
Zugleich einer Freiheit von etwas und einer Freiheit für etwas zusammengedacht. Und eines allein
hilft auch nicht. Wir können frei sein von politischer Unterdrückung und doch gefangen blieben.
Wir können frei werden von der Versklavung durch falsche Selbstbilder und dennoch mit dieser
Freiheit nichts anzufangen wissen. Manchmal frage ich mich rätselnd beim Blick auf eine
Generation wie meine Kinder, die in der größtmöglichen Freiheit, auch von Konventionen,
aufgewachsen sind, wie sie unfrei sind und sich sehnen nach einer Bindung dieser Freiheit. Ein
mit sich selbst alleingelassener Mensch bleibt in sich gefangen, weil er nicht anders kann, als sein
Ich zum Mittelpunkt der Welt zu machen. Martin Luther sprach einmal auch als Bild für die
Gefangenschaft von dem „in sich verkrümmten Menschen“, in curvatus se. Manchmal kommen
mir die Menschen, die nach vorn gebeugt, also verkrümmt, über dem Handybildschirm sitzen
oder gehen, als „in sich verkrümmt“ vor. Wir sind gefangen und glauben doch, wir wären
unendlich frei. Welche Illusion. Wir haben jüngst in einer kleinen Gruppe mit Kollegen uns selbst
diese Frage gestellt: Von was möchtest du eigentlich frei sein? Und für was möchtest du
eigentlich frei werden. Ganz erstaunliche persönliche Sätze hörten wir voneinander. Frei von der
Angst vor dem Tod, frei von der Sorge, meinem Dienst nicht zu genügen. Frei für die tolle
Urlaubsreise, die ich schon immer machen wollte, frei, endlich einmal dem Freund die Wahrheit
zu sagen.
Ein Mensch, der diese Freiheit nicht hat, lebt im Hausarrest in sich selbst. Diese Freiheit nach
evangelischem Verständnis ist die Freiheit davor, sich selbst zu verabsolutieren. Und in dieser
Freiheit ist auch die Freiheit von allen anderen Herren und Geistern eingeschlossen, die in dieser
Welt die Herrschaft beanspruchen über die Seele eines Christenmenschen. Woran hängst du dein
Herz? Weder Mächtige noch Konsum, weder leichte Erfolge noch große Erbschaften, weder
ideologische Mächte noch finstere Kreaturen dürfen oder sollen Macht haben können über das
Gewissen eines freien Christenmenschen. (Oh, wie lange wäre die Liste, von den Dingen von
denen ich wirklich befreit werden möchte)
Zugleich aber ist diese Freiheit von allen "Herrschern, Mächten und Gewalten" eine bindende
Freiheit. Sie ist Freiheit zur Verantwortung. Für Martin Luther war es die Freiheit für den Dienst
am Nächsten, die den Christenmenschen auszeichnet. Freiheit für die Zuwendung zu
demjenigen, der mich braucht, der meine Hilfe, meine Solidarität, aber auch mein Gebet braucht.
Dem Nächsten und seiner Not gegenüber bin ich in aller Freiheit ein "dienstbarer Knecht". Diese
Freiheit hat sich ganz konkret im Alltag ausgewirkt, sie ist eingeflossen in ein Berufsverständnis,
das den weltlichen Beruf nicht zu einer abgewerteten Lebensform gegenüber einem frommen
mönchischen Leben versteht, sondern das den Beruf als den Ort ansieht, an dem der
Christenmensch seinen Dienst am Nächsten erfüllt. An Gott gebundene Freiheit - das ist das
Manifest der Reformation. Dieser Ruf ist nie wieder verstummt, er ist die treibende Kraft von
Reformen und Revolutionen und auch der friedlichen Veränderungen bis in unsere heutige Zeit.
Doch es scheint mir in unserem protestantischen Herz in Vergessenheit zu geraten, dass wir nicht
nur Kinder des Lichts sind. Wir sind, wie es Luther sagt, Sünder und Gerechte zugleich. Wir
gehen mit unseren Laternen der Hilfsbereitschaft und der Tröstung durch diese Welt genauso wie
mit unserem ungerechten Handeln, unserem Machtbewusstsein und unserer Gnadenlosigkeit.
Wir sind Sünder und gerecht zugleich. Wir wollen doch nur Recht haben. Wir leben nicht aus der
Rechtfertigung.
Und so frage ich mich: Kann es sein, dass wir die reformatorische Freiheit genutzt haben, um
möglichst ohne Bindungen als Kinder des Lichts zu leben, die von der Dunkelheit nichts mehr
wissen wollen? Kann es sein, dass wir den christlichen Glauben damit seiner Ernsthaftigkeit und
seiner Kraft beraubt haben, weil wir ihm selbst zu wenig zutrauen? Unser fast triebhaftes
Bedürfnis nach Freiheit gründet ja darin, dass wir uns vollständig dem Joch der Unterwerfung
entziehen wollen. Und was vor einigen Jahrhunderten noch eine Phantasie war, das scheint
durch die Technik und den Wohlfahrtsstaat heute möglich zu werden. Und sich sage: Ach herrje,
manche der Befreiungen gehen mir inzwischen zu weit. Es ist ja Mode geworden, alle möglichen
Zustände als Konstrukt, als soziale Konstrukte zu bezeichnen. Die Gesellschaft hat also befördert,
ja konstruiert, was heute gilt. Unter dem Wort des Konstrukts ist die Kindheit entstanden, das
Frauenbild, das Geschlecht, die Familie, ja die Wirklichkeit. Warum, frage ich mich, ist mein Leben
nicht zuerst eine Wirklichkeit im Angesicht dessen, der mein Leben erschuf?
Was kann unser Glaube in der Spannung zwischen Licht und Finsternis heute verwandeln?
„Reformation heißt, die Welt zu hinterfragen“ ist der Slogan für die Feierlichkeiten in
Wittenberg. Den Satz fand ich so gut, den habe ich auf mein Auto geklebt. Ist es heute noch
möglich, so zu glauben, dass der christliche Glaube die Welt verändern kann? Dass Menschen
gesund werden, dass Kriege ein Ende finden, dass die Verwundungen, die uns das Leben täglich
zufügt, geheilt werden? In einer Kirche ist diese Frage für mich rhetorisch. Natürlich ist es
möglich! Aber ... es geschieht so selten.
Wer geht denn von uns hin und glaubt? Glaubt daran, dass dieses Leben besser wird? Wer
glaubt, gegen allen Anschein, im privaten wie im öffentlichen, dass diese Welt sich verändert?
Wer geht hin und glaubt, dass man selbst seinem Feinde verzeihen kann und so die Spirale von
Gewalt durchbricht?
Wer geht hin und glaubt, dass auch ein Leben mit weniger ein glückliches sein kann? Mit
weniger Ansehen und weniger Reichtum. Mit weniger Eitelkeit und weniger Macht. Wer geht hin
und hinterfragt seine eigene Welt - in aller Freiheit?
Für den Erfolg der Reformation war es entscheidend, dass die Menschen nicht in Finsternissen
verharrten und ihren Glauben verloren haben, sondern diesem Glauben in Christus Jesus eine
unglaubliche Kraft zutrauten. Die Menschen damals verloren mit den Reformen nicht ihr
Glaubensfundament. Im Gegenteil, sie erhielten einen neuen Weg, ihren Glauben leben zu
können. Ohne kirchliche Bevormundung. Die Beziehung zu Gott wurde wieder freigelegt. Man
kam näher an Gott heran. Das Fundament des Glaubens wurde neu gegründet.
Und dieses Fundament gab die Freiheit auch ganz andere Wege zu gehen als bisher: neue soziale
Verantwortung in der Armenfürsorge, ein Bildungsanspruch für alle und eine Neuorganisation
der Kirche aus theologischen Gründen. In dieser Freiheit des Glaubens stehen wir bis heute.
Und was eine solche Freiheit bewegen kann, ist selten so eindrücklich bewiesen worden wie in
der Zeit der Reformation selbst. Wenn wir anschauen, wie in den wenigen Jahren der
Reformation Niedersachsen beeinflusst hat, kann man nur staunen. Heute Morgen war ich in
Hullersen, einem kleinen Ort bei Einbeck. Hullersen gilt als einer der Orte, in denen die
Reformation in Niedersachsen als erstes Fuß fasste. Nur fünf Jahre nach dem Thesenanschlag
Martin Luthers in Wittenberg hielt Pfarrer Ebbrecht, ein ehemaliger Augustinermöch, in Hullersen
schon evangelische Gottesdienste. Ob Schulwesen oder Klöster, ob Armenfürsorge oder
Priesterschaft, in wenigen Jahren wurden mit Hilfe der Kirchenordnung von Johannes
Bugenhagen Reformen durchgesetzt, die das Zusammenleben der Menschen völlig neu ordneten
und zugleich das Verhältnis zum Rat der Stadt veränderten. Manchmal wünsche ich mir beim
Blick auf das Reformtempo in Staat und Kirche ein bisschen von dieser Dynamik zurück.
„Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge und niemand untertan. Ein
Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan.“ Das heißt auch:
Ein protestantisches Herz kann sich die Freiheit nehmen, nicht absolut zu sein. Damit sind wir von
der Last der Einzigartigkeit befreit. Das ist zugleich der Lebensraum für andere; für andere
Meinungen, andere Wahrheiten, andere Lebensentwürfe, andere Hoffnungen. Ich bin einer unter
vielen. Das drückt nicht meinen Mangel und meine Geringfügigkeit aus. Sondern protestantische
Freiheit, die nicht beliebig ist. Ein freies protestantisches Herz hält fest an der mutigen
Überzeugung, dass sich mit dem Glauben an Jesus Christus nicht nur das eigene Leben
verändert, sondern diese Welt ein anderes Antlitz erhält. Protestantische Freiheit bindet sich.
Bindet sich an Gottes Gnade, an Jesus Christus, an den Glauben, an die Bibel. Das war und ist
der Motor der Reformation, auch über das Jubiläumsjahr 2017 hinaus.
Amen

 

Predigt in der St. Peter und Paul Kirche Bisperode
25. Juni 2017, 17.00 Uhr

Quelle: https://landesbischof.wir-e.de/predigten

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Landesbischof Ralf Meister

Ralf
Meister
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So. 01.10.17
Es wird Freude sein vor den Engeln Gottes…
Monatsspruch
Es wird Freude sein vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut. Lk 15,10

Es wird Freude sein vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut. Lk 15,10 

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So. 13.08.17
Bauanleitung gesucht
Alexa Wilke
Bauanleitung gesucht

Eine Strandmuschel, zum Beispiel, ist ja auch nicht immer so hilfreich, wie man es sich wünschen würde. Beim Stangenmodell bringt man sich und das Augenlicht der Mitreisenden schon beim Aufstellen in Gefahr. Wohingegen das sich selbst aufbauende Modell „pop-up“ sich beim abendlichen Rückzug vom Strand gern geheimnisvoll gibt und nur mit einigem Widerstand wieder „down“ gefloppt werden kann.

Der Grund liegt auf der Hand. Strand und Sand sind für Traumschlösser und Kleckerburgen. Bei Ankunft von Flut, Wind oder dem nächsten spielenden Kind fallen sie in sich zusammen. So entsteht immer wieder Platz für Neues: Staudämme oder Seerobben aus Sand etwa. Das ist die besondere Freiheit am Meer. Nichts bleibt hier draußen lange wie es ist.

Und doch: Die viele Freiheit und der aufgewirbelte Sand werden manchem auf Dauer zu mühsam. Hier und da erwacht die Sehnsucht nach Behausung. Wohin dann? Doch die Strandmuschel? Der Freigeist wütet: „Du wirst doch nicht ernsthaft versuchen, sogar Meer und Strand zur windstillen Komfortzone zu machen! Der Sand zwischen deinen Zähnen – das ist der Preis der Weite!“ Und der Architekt sagt: „Bau nicht auf Sand!“ (Matthäus 7,24-27).

„Aber wohin denn dann am Abend?“, frage ich zerknirscht. Bauen, ohne Wind und Weite zu verraten. Heimisch werden, ohne die Freiheit zu verlieren. Das wär’s. „Bau auf das, was ich Dir sage“, mischt sich der ins Gespräch, den keiner am Strand erwartet hätte. Er selbst, Jesus von Nazareth, war ständig unterwegs und hatte keinen sicheren Platz. Nicht mal in der Nacht. Er lebte die Freiheit und herrscht über Wind und Wellen. Sein Vater im Himmel hält ihn und er hält auch mich am Strand des Lebens, mit und ohne Strandmuschel.

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Alexa Wilke

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Dr. Alexa
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Di. 01.08.17
Unendliche Güte! Ohne Einschränkung
KDA (Kirchlicher Die…
Unendliche Güte! Ohne Einschränkung

Gott, deine Güte reicht, so weit der Himmel ist,
und deine Wahrheit, so weit die Wolken gehen.

(Psalm 36,6)

Unendliche Güte!
Ohne Einschränkung

Urlaub: Zeit, um neue Kräfte zu tanken und mich zu
erholen. Einige Tage wird es wohl wieder dauern, bis
ich die Entlastung spüre, mein Herz und die Sinne
wieder freier werden.

Am letzten Tag vor meinem Urlaub hatte ich noch
einen Beratungstermin mit einem Mann, der zum
ersten Mal in seinem Leben einen Antrag auf ALG II,
auf Grundsicherung, ausfüllen musste. Der Antrag ist
sehr umfangreich, Grunddaten von sich, der Ehefrau
und den Kindern, Bescheinigung vom Arbeitgeber
der Ehefrau, Arbeitslosengeldbescheid, Mietvertrag,
Bescheinigung vom Vermieter, letzte Nebenkostenabrechnung,
Abrechnung Energieversorger, Kindergeldbescheid,
Versicherungsunterlagen, Vermögensnachweis,
Kontoauszüge der letzten Monate.

Verschuldet arbeitslos
Der Mann wirkte sehr nüchtern, klar und gefasst.
Wie die meisten Männer, die meine Beratung in
Anspruch nehmen. Haltung bewahren. Dann fing er
plötzlich an zu weinen. Ihm war das sehr peinlich. Wir
haben noch lange gesprochen. Er erzählte von seiner
Arbeitslosigkeit, die er durch ein Fehlverhalten selbst
verschuldete, die nun schon zwölf Monate andauerte,
den leisen Vorwürfen der Ehefrau, den Fragen der
Familie, den Absagen. Niemand sollte erfahren,
dass die Familie jetzt Sozialhilfe beantragen musste.
Er sagte: „Ich habe früher selbst schlecht über
„Hartz-IV-Empfänger“ geredet, wie konnte ich nur
so arrogant sein? Ich bekomme auch keine zweite
Chance. Ich fühle mich so wertlos.“
Kein Selbstvertrauen mehr – das betrifft viele Langzeitarbeitslose.
Arbeitsplatzverlust macht Menschen
auf lange Zeit misstrauischer, die Erfahrung des
Jobverlusts hinterlässt Narben. Mit Auswirkungen
nicht nur für die betroffene Person, sondern für die
gesamte Gesellschaft. Denn Vertrauen kann wichtige
Vorteile bringen: Gesundheit und Zufriedenheit,
sozialen Zusammenhalt, eine effiziente, demokratische
Regierung und wirtschaftliche Entwicklung.

Vertrauen bewahren
Und da finde ich die biblische Erzählung von Josef
wunderbar. Bei Josef lief sehr vieles komplett schief.
Aber letztlich hat sich doch für ihn das Schlimme
zum Guten gewendet. Die Güte Gottes hat ihn auch
im fernen Ägypten nicht verlassen, und er ist wieder
glücklich geworden. Das wünsche ich auch diesem
Mann. Vertrauen als Grundlage, zu seiner Familie und
zu Gott, die Erfahrung, dass er sich auf seine Ehefrau
verlassen kann, trotz seines Fehlers. Vertrauen wieder
zu sich selbst. Ja, das Selbstvertrauen ist auch eine
Form des Vertrauens.
Die Güte Gottes macht das Leben natürlich nicht zum
Spaziergang, aber es besteht die Aussicht, sagen zu
können: „Ja, Gott hat es gut hinbekommen”. Ich
wünsche Ihnen eine erholsame Zeit.

 

WORTMELDUNG August 2017
Wir freuen uns über Ihre Rückmeldung zu dieser Wortmeldung an kda@kirchliche-dienste.de.
V.i.S.d.P.: Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt
Haus kirchlicher Dienste
der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers
Archivstraße 3, 30169 Hannover
Fon: 0511 1241-449
Brigitte Siebe
Ev. -luth. Kirchenkreis Celle, Diakonie, Beratungsstelle für Arbeitslose
brigitte.siebe@evlka.de

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Haus kirchlicher Dienste der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers
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Sa. 01.07.17
Monatsspruch Juli
Monatsspruch
Monatsspruch Juli

Ich bete darum, dass eure Liebe immer noch reicher werde an Erkenntnis und aller Erfahrung.

Phil 1,9

BILDER
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Mo. 03.07.17
Immer reicher an Erkenntnis und Erfahrung
Dr. Matthias Wilke
Immer reicher an Erkenntnis und Erfahrung

500 Antworten von Pädagogen wurden in einer Studie der Universität Oldenburg gesichtet mit dem Ergebnis, dass die Trennung von Name und Person keine leichte Sache ist. Das ist meistens kein Problem. Zum Beispiel beim Vornamen Astrid, der sich von den altnordischen Begriffen „ass/oss“ (Göttergeschlecht) und „frior“(Schönheit) ableitet. Somit kann man zum Vornamen Astrid die Bedeutung „göttlich Schöne“ assoziieren. Das ist gut so. Dass allerdings ein Vorname mit einer Voreinstellung gehört werden kann, könnte da, wo Kinder und Jugendliche neu in Gruppen oder Schulklassen zusammenkommen, auch schwierig sein. Es ist gut, wenn wir einander ohne Bedingungen vorurteilsfrei begegnen. Denn alle tragen die gleiche Würde in sich und müssen die gleichen Chancen haben.

Trotz aller Bemühungen jedoch von Eltern, Freunden und Lehrern im wertschätzenden und vorurteilsfreien Umgang mit Namen ist ungefähr jeder zehnte Deutsche mit seinem Vornamen unzufrieden. Manche leiden geradezu unter ihrem Namen. Das ist kein einfaches Thema. Manche versuchen, ihren Namen zu ändern. Schwerwiegende, sehr ernst zu nehmende Gründe werden vorgetragen und sind auch Voraussetzung für eine eventuelle Änderung. Andere finden im Laufe des Lebens ein positives Verhältnis zu ihrem Namen und prägen ihm ihr eigenes Bild auf: Durch die Art, wie sie ihren Namen repräsentieren, bestimmen sie die Bedeutung ihres Namens mit, und es wird ihr Name.

„Ich bete darum, dass eure Liebe immer noch reicher werde an Erkenntnis und aller Erfahrung“, heißt es im Monatsspruch für den Monat Juli (Philipper 1,9). Ein gutes Motto. Auch für den Umgang mit Namen.

 

 

 

 

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Dr. Matthias Wilke

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So. 25.06.17
Spaltet Religion die Welt?
Werner Burfeind
Spaltet Religion die Welt?

Zeichen für den Frieden

Im Namen Gottes

 

Nun ist es passiert. In der Nacht zu Montag dieser Woche wurden Muslime Ziel eines Attentats. Ein 47 jähriger Mann aus Wales steuerte einen Lieferwagen in eine Menschenmenge nahe einer Londoner Moschee. Offenbar aus Vergeltung.

Spaltet Religion also unsere Gesellschaft?

Es scheint so kommen zu können. Dieser Angriff gegen ein Gruppe gläubiger Muslime spricht dafür. Aber es ist kein muslimisches Phänomen. Es ist nicht allzu lange her, da spaltete die Frage nach der Konfession ganz Nordirland. Evangelische Christen kämpften gegen katholische Christen.

Geht es bei allem um Religion? Ich wage es zu bezweifeln. Es geht um Macht. Es braucht einen Sündenbock, um den eigenen Zielen näher zu kommen. Dabei wird nicht nach dem Anteil des Einzelnen am eigenen Leid gefragt. Es reicht die Zugehörigkeit zu einer Gruppe.

Die Menschen aus der Londoner Moschee sind unschuldig an den Anschlägen zuvor auf der London Bridge oder der Westminster Bridge. Sie beten lediglich zu dem Gott, in dessen Namen die Attentäter dort gemordet haben.

Ich denke, wir müssen aufpassen, dass wir uns nicht im Netz der Terroristen verfangen, die unsere Zivilgesellschaft spalten wollen. Wir müssen unterscheiden zwischen Islam und islamistischem Terror.

Im Namen Gottes lässt sich nicht töten. In der Bibel lesen wir die Aussage Jesu: „Glücklich sind, die Frieden stiften. Sie werden Gottes Kinder heißen“ (Bergpredigt). Auch im Begriff Islam steckt das Wort „Salam“, arabisch für Frieden. Im Namen Gottes können wir also nur für den Frieden eintreten. Für das Miteinander der Menschen.

Gut finde ich, dass wir in der letzten Woche eine Demonstration von Muslimen in Köln gegen den Terror gesehen haben. Bemerkenswert ebenso die Meldung, der Imam der Londoner Moschee habe sich schützend vor den 47-jährigen Waliser gestellt, als er nach seiner Tat attakiert wurde.

Von dieser friedenstiftenden Kraft der Religionen brauchen wir im Moment mehr.

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Werner Burfeind

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Di. 06.06.17
Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen
Thomas Steinke
Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen

Der Monatsspruch für Juni aus Apostelgeschichte 5, Vers 29 hat es in sich. Und fordert heraus: Wird hier etwa dazu aufgerufen, gegen staatliche Ordnung zu rebellieren? Um es gleich vorweg zu sagen: Ich bin von Herzen dankbar dafür, dass wir in einem demokratischen Rechtsstaat leben, der uns in unseren persönlichen Freiheiten und Rechten schützt. Und doch kann es auch hier in Einzelfällen zu Konflikten kommen, wie die Debatte um das Kirchenasyl belegt. Damit stellt sich die Kirche nicht über staatliches Recht, sondern in besonderen Härtefällen gewährt sie aus Barmherzigkeit Menschen in Not einen Schutzraum, bis ihre Situation nochmals geprüft ist - übrigens nie ohne dass die zuständigen Behörden informiert sind.

Noch dichter dran sind für uns alle wohl die "täglichen Konfliktfelder": Gehe ich mit Spickzettel zur nächsten Klassenarbeit, blinzele ich mal aufs Blatt des Sitznachbarn herüber - oder bleibe ich ehrlich?
Mache ich mit, wenn andere über jemanden herziehen - oder habe ich den Mut, gegen den Strom zu schwimmen und ihn in Schutz zu nehmen? Dreht sich alles um mich und meinen eigenen Vorteil - oder liegt mir der andere wirklich am Herzen? Suche ich das schnelle Abenteuer - oder bleibe ich treu in meiner Beziehung? Manchmal sind wir nicht verlegen, Entschuldigungen zu finden, oder wir hören auf die Stimmen derer, die sagen: "Jetzt stell dich mal nicht so an, man kann's auch übertreiben, das machen doch alle!" Hinterher merken wir oft, dass es besser gewesen wäre, sich anders zu entscheiden. Segen liegt darauf, wenn wir tun, was Gott uns in seinem Wort sagt.

Der ursprüngliche Zusammenhang des Monatsspruchs ist übrigens, dass Petrus und den anderen Aposteln verboten worden war, öffentlich von ihrem Glauben an Jesus Christus zu reden. Darüber konnten und wollten sie aber nicht schweigen, sie hatten den Auftrag ja von Gott selbst bekommen. "Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen." Gott sei Dank genießen wir in unserem Land die Religionsfreiheit - ein hohes Gut! Da sollte es uns doch nicht schwer fallen, etwas von der Freude und der Hoffnung weiterzugeben, die Jesus in unser Leben gebracht hat - oder?

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Thomas Steinke

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Thomas
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So. 04.06.17
„Segelst Du schon?“
Thomas Steinke
„Segelst Du schon?“

- „Oder ruderst Du noch?“ So könnte die Karikatur überschrieben werden, die mir vor Augen ist: Verbissen legen sich zwei Ruderer ins Zeug, während ganz entspannt und gelassen ein Paar Arm in Arm in einem Segelboot an ihnen vorbeifährt.

Für mich ist dies auch ein pfingstliches Bild. Gott hat seinen Geist versprochen, der weht, wo er will. Wie der Wind kommt er von außen. Wir können ihn nicht selbst machen, aber wir können uns dafür öffnen. Wir können die Paddel aus der Hand legen und die Segel setzen. Indem wir z.B. einen Gottesdienst besuchen. Jesus Christus hat die Nähe in seinem Geist in besonderer Weise zugesagt, wo wir in seinem Namen zusammen kommen. So laden z.B. sieben Gemeinden aus Rotenburg, die in der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen verbunden sind, am Pfingstmontag um 11 Uhr zu einem gemeinsamen ökumenischen Gottesdienst auf dem Pferdemarkt ein. Auch in anderen Regionen unseres Kirchenkreises werden an diesem Pfingstfest besondere Gottesdienste gefeiert. Ebenfalls am Pfingstmontag findet etwa im Schulwald Lauenbrück neben der Kirche um 10 Uhr ein regionales Tauffest an der Wümme statt.

Immer geht es darum, dass wir uns an dem orientieren, was Christus in unsere Welt gebracht hat. Nicht verkrampft, nicht verbissen, nicht engstirnig sind wir unterwegs. Sondern von seinem Geist wollen wir uns bewegen lassen. Dieser Geist ist nicht ein Geist der Furcht oder der Abschottung. Nein, es ist der Geist Christi: Der Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit! (2. Timotheus 1,7)

Möge dieser Geist kräftig in unser Leben hineinwehen - bei uns persönlich und in unseren Kirchen und Gemeinden. Setzen wir die Segel, dann werden wir seine Kraft spüren! Gesegnete Pfingsten!

Thomas Steinke,
Pastor in Fintel

 

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Do. 01.06.17
Wissen was wertvoll ist
KDA (Kirchlicher Die…
Wissen was wertvoll ist

„Ich finde Vieles schwer in Deutschland. Früher war
ich erfolgreicher Architekt. Heute funktioniert gar
nichts. Ich schäme mich vor meinen Kindern.“

„Deutsche und Geflüchtete können gemeinsam
Probleme lösen. Wir können viel mehr als schlechtes
Deutsch.“

„Ich fühle mich völlig alleingelassen in diesem Land.
Was kann ich dafür, dass mein Betrieb Pleite ging?“

Soweit drei Rückmeldungen von Menschen, die seit 2 –
3 bzw. seit 53 Jahren in Deutschland leben. „Deutsche
wie Geflüchtete brauchen Respekt und sie brauchen
Arbeit, dann gelingt Integration“ darüber sind sich
JobPaten und Geflüchtete im „Ponteprojekt“ einig.
Die brennende Frage, die sich daraus ableitet: wo
und wie erfahren Einheimische wie Zugewanderte
notwendigen Respekt in ihrem Alltag? Inwieweit
erfahren sie ihr Leben als gestaltbar und damit zukunftsfähig?

 
Für Einheimische wie Geflüchtete
Aus Forschung wie Praxis wissen wir: eine zuversichtliche,
gesundheitsfördernde Sicht auf das Leben
wird bei Menschen gestärkt, 1. wenn das, was passiert,
einschätzbar und vorhersehbar ist, 2. wenn der
Mensch das Vertrauen hat, dass fremde Situationen
und Aufgaben mit Hilfe der zur Verfügung stehenden
Mittel zu lösen sind und 3. wenn die Anforderungen
des neuen Lebens als sinnvoll angenommen werden
können und sich das Engagement lohnt (vgl. A. Antonovsky).
Dies gilt für Frauen wie Männer, für Christen
wie Muslime und auch deren Kritiker gleichermaßen.
Bei zu entwickelnden Konzepten für gelingendes,
zukunftsweisendes Zusammenleben gilt es einerseits
die personalen Ressourcen der Menschen – wie Selbstwert-
und Zugehörigkeitsgefühl – so früh wie möglich
bzw. wieder neu zu stärken. Und andererseits gilt es
für verlässliche (gesetzliche) Rahmenbedingungen
zu sorgen. Sozialer Frieden hängt entscheidend vom
grundsätzlichen Gefühl der Zuversicht ab, dass das
Leben in Deutschland handhabbar ist – dass es eine
Perspektive gibt.

Zivilisatorische Errungenschaften
Wenn wir unsere zivilisatorischen Errungenschaften:
Glaubens-, Gewissens- und Meinungsfreiheit ebenso
wie Gleichberechtigung hoch halten und nach innen
wie nach außen verteidigen wollen, müssen wir dafür
sorgen, dass sie ohne Ansehen der Person Anwendung
finden. Allerdings sind Rechte und Freiheiten
nicht nur zu genießen, sondern erforderlich ist auch –
und sei es zähneknirschend – die innere Zustimmung,
zu diesen Grundwerten. Rechte sind nicht
ohne Pflichten zu haben, wenn eine Gesellschaft
funktionieren soll. Dafür gilt es reden, zuhören und
streiten zu lernen – respektvoll und geduldig, aber
auch entschieden.
„Prüfet alles und behaltet das Gute“ fordert der Apostel
Paulus die Gemeinde in Thessalonich auf „und bei
allem sorgt für ein friedvolles Zusammenleben.“ Gewinnen
wir Menschen für solch ein Vorgehen. Arbeiten
wir an wertvollem gelingendem Leben – für alle.

 

Autorin:
Waltraud Kämper, Referentin
Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt - www.kirchliche-dienste.de

Die Autorin freut sich über eine Rückmeldung zu dieser Wortmeldung an kda@kirchliche-dienste.de

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