Andachten

Kurz innehalten. Sich für einen Moment besinnen, woher wir eigentlich kommen, was wichtig ist im Leben. Dabei helfen uns kurze Andachten. Die Pastorinnen und Pastoren des Kirchenkreises Rotenburg verfassen jede Woche zwei Zeitungsandachten für die Rotenburger Rundschau und die Rotenburger Kreiszeitung. Wir veröffentlichen sie hier und schaffen damit ein Archiv, auf das Sie zurückgreifen können, wann immer Sie möchten. Denn: Ihre Zeitung werfen Sie irgendwann in den Papierkorb. Die Andachten behalten jedoch ihre Gültigkeit jenseits der Tagesaktualität.

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Sa. 06.10.18
Wos is?
Dr. Matthias Wilke
Wos is?

„Alois Hingerl, Dienstmann Nr. 172 am Münchner Hauptbahnhof, erledigte einen Auftrag mit solcher Hast, daß er vom Schlag getroffen zu Boden sank und starb. Zwei Engerln schleppten ihn mit vieler Mühe in den Himmel, wo er vom Heiligen Petrus empfangen wurde.“ So beginnt die Geschichte von Ludwig Thoma „Ein Münchner im Himmel“. „Petrus ... überreichte ihm eine Harfe und machte ihn mit der himmlischen Hausordnung bekannt: "Von morgens 8 Uhr bis mittags 12 Uhr: frohlocken; von mittags 12 Uhr bis abends 8 Uhr: Hosianna singen."“ Alois aber verstand nicht recht und fragt nur: „Wos is?“

Morgen zwischen 8 Uhr und 12 Uhr werden wir frohlocken – in unseren Kirchen, mit Orgel und Posaunen – Alois aber wird fragen: „Wos is?“

Alois Hingerl erledigte seine Arbeit sein Leben lang mit solcher Hast, dass er … und dann findet er sich im Himmel wieder und soll nun dauern nur dankbar sein. Zu viel verlangt – von Alois. War er doch tagein tagaus mit ganz viel anderem beschäftigt, fühlte sich eher als Nummer denn als Engel. Er rannte von da nach dort, war stets zu Diensten und schulterte, was es zu tun galt. In der wenigen freien Zeit aber, die er hatte, da wollte er dann einfach nur mal sitzen, beim Maß oder Stamperl und ohne Bewegung. Da war er zum bewusst dankbaren „Luhja singen“ einfach zu müde.

Morgen zwischen 8 Uhr und 12 Uhr sitzen hunderte von Menschen in unseren Kirchen und hören und singen. Bestimmt sitzen viele von uns darunter, die eigentlich nur müde sind. Viel gelaufen, viel gekümmert und jetzt – „Wos is?“

Feiertag ist! Ernte-Dank! „Ich danke dem HERRN von ganzem Herzen“ (Psalm 111). Denn er gibt mir Kraft. Ich esse, trinke, liebe, lebe – und bin bei Dir. Danke!

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Dr. Matthias Wilke

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Di. 02.10.18
Zurück zur Quelle des Lebens
Lars Rüter
Zurück zur Quelle des Lebens

An seinem Grab war ein Blumenmeer. Wunderschöne Kränze, Ausdruck der Verehrung und Anerkennung. Ehrendes Andenken bewahren, so stand es später in der Zeitung. Und ein paar Tage später: Ein trauriger Anblick, die ganze schöne Pracht war dahin. Das kann man nur noch entsorgen.

Verwelkende Menschen lassen sich zuweilen liften. Als würde das den Prozess des Verwelkens aufhalten können. Wie schnell das ehrende Andenken verwelkt, ist nicht so klar zu erkennen, aber es verwelkt. Das ist der Lauf der Zeit. Wenn die Kränze auf dem Grab entsorgt sind, wird man es bepflanzen. Was bleibt? Erinnerung? Vergessen? Nichts?

In diesen Wochen, in denen die Natur verwelkt und stirbt und uns an unserer Vergänglichkeit erinnert, werden wir uns unserer Sehnsucht bewusst, dem Kreislauf der Natur zu entrinnen. Wir wollen nicht nur Material für neues, entstehendes Leben sein. Wir sehnen uns nach Geborgenheit in der Verlorenheit.

Wie gut, von dem Gott zu wissen, der am Anfang der Welt sprach: „Lasset uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei…“ Und der am Ende spricht: „Kommt wieder, Menschenkinder!“ Zurück zur Quelle des Lebens.

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Lars Rüter

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So. 23.09.18
Grundgesetz und Nächstenliebe
Grundgesetz und Nächstenliebe

Die Vorkommnisse in Chemnitz verunsichern nicht nur die Bürgerinnen und Bürger, sondern auch die Politikerinnen und Politiker in unserem Land. Ich habe das Gefühl, dass auf allen Seiten eine große Ratlosigkeit herrscht. Keiner überblickt so recht, wie man auf den Mord an einem 25-jährigen Deutschen, mutmaßlich von Migranten begangen, reagieren soll. Rechtsgesinnte machen Stimmung gegen Migranten, der Verfassungsschutz äußert sich über die „Bildzeitung“ mit noch zu beweisenden Vermutungen. Kanzlerin Merkel wird vorgeworfen: „Wir schaffen das nicht“. Parolen und Worthülsen kursieren überall im Land und im Netz.

In einem Telefongespräch mit meinem fast 93-jährigen Vater sprach er davon, dass er sich durch die jetzigen Ereignisse an die Zeit kurz vor der Machtübernahme Hitlers erinnert fühle. Damals, sieben Jahre alt, in Berlin aufwachsend, könne er sich gut daran erinnern, wie die SA (Sturmabteilung der NSDAP) als reine Schlägertruppe für provozierte Zusammenstöße mit linksgerichteten Parteien und anderen sorgte. Vielfach arteten die in brutale Straßenkämpfe aus. Weiter erinnere er sich, dass fast jeden Nachmittag ein nebenan wohnender Postbote, der bei der SA war, völlig zerbeult und blutend nach Hause kam.

Noch hat keine erneute „Machtergreifung“ stattgefunden. Aber nationalsozialistisches Vokabular kursiert, teilweise unbestraft, immer wieder in unserer Gesellschaft.

Dabei haben wir staatlicherseits oder von religiöser Seite, ob gläubig oder nicht gläubig, zwei ganz eindeutige Grundsätze in unserem Land, nach denen wir handeln sollen. Das Liebesgebot des Neuen Testamentes „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ (Mk 12,32 ff). Und die Artikel eins bis drei unserer Verfassung: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt. Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich. Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.

Das sollte als Kompass für gesellschaftliches Handeln in den Mittelpunkt rücken.

So. 16.09.18
Lastenträger
Jens Ubben
Lastenträger

Von „Sherpas“ war oft die Rede, letztes Jahr beim G-20-Gipfel in Hamburg. Von den erfahrenen Chefunterhändlern also, die bis kurz vor dem Ziel Kompromisse berieten. Die schon Monate vorher über Vereinbarungen verhandelt hatten und nun die letzte Kurve vor dem Gipfel ihren Vorgesetzten überließen. Die Lastenträger der großen Politik.

In der Welt der Bergsteiger kennt man den Begriff schon lange, erfuhr ich: Sherpas sind Lastenträger, die die Wege zu den ganz großen Gipfeln kennen. Die sich als Gepäckträger engagieren lassen. Die unterwegs die Knochenarbeit machen und ihren Auftraggebern dann die Ziellinie überlassen. Sherpas machen sich kaputt, damit andere ihr Ziel erreichen. Aber das gehört dazu. Schließlich verdienen sie damit ihr Geld. Leistung für Gegenleistung.

Die Sherpas kamen mir wieder in den Sinn, als ich letzte Woche über einen Abschnitt aus dem Neuen Testament nachdachte: „Einer trage des anderen Last!“ ermutigt der Apostel Paulus! Hat er einen Tauschhandel vor Augen? Soll das Miteinander optimiert werden? Jeder trägt einen Teil bei, und alle profitieren, indem sie gleichwertigen Einsatz erbringen?

„Einer trage des anderen Last“: Im Neuen Testament höre ich eine andere Motivation. Der schönste Beweggrund ist nicht, dass ich eine Gegenleistung erwarte, sondern dass ich mich innerlich leicht, entlastet erlebe und deshalb aktiv werden möchte! Dahinter steht die Überzeugung: Jesus Christus selbst hat sich zu meinem Lastenträger gemacht. Ohne dass ich ihn gebucht oder bezahlt hätte. Er will mir den Rücken freihalten von dem, was ich so mit mir rumschleppe. Von der Last, Ansprüchen nicht zu genügen. Von der Last, mich selbst rechtfertigen zu müssen, für alles Mögliche, vor allen Möglichen, vor mir selbst. Grundlegende Lasten hat mir jemand vom Rücken genommen!

„Einer trage des anderen Last“: Lieber nicht, weil ich auf die Gegenleistung spekuliere. Besser auch nicht, weil ich meine, das tun zu sollen. Am besten doch, weil ich selber Entlastung erfahren habe!

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Jens Ubben

Arbeitsbereich in der Kirchengemeinde: 
Gemeindebrief
Pastor/-innen
Jens
Ubben
Pastor
Große Straße 16
27383
Scheeßel
Tel.: 
(04263) 4920
So. 09.09.18
Sondermüll
Sondermüll

Deutschland soll ja Weltmeister im Mülltrennen sein. Nirgends wird so genau darauf geachtet, dass der Müll genau in die Tonne kommt, die für ihn vorgesehen ist. Das ist gut für die Umwelt, kann aber auch manchmal etwas nervig sein, wenn man mal nicht so genau weiß, welcher nun der richtige Ort für diesen oder jenen Müll ist. Trotzdem lohnt es sich, darauf zu achten. Müll muss ja schließlich richtig entsorgt werden.

Aber wir sind damit auch noch nicht am Ende. Zu viel Verpackungsmüll oder Mikroplastik sind immer noch eine hohe Belastung für die Umwelt. Wir können in unserem Umgang mit dem Müll immer noch besser werden. Und dann gibt es ja auch immer noch die Sachen, die wir gar nicht so richtig loswerden wollen. Eigentlich sollte ich mich davon trennen,aber so richtig komme ich nicht dazu. Aber dann kann es doch diesen kurzen richtigen Moment geben. Die alte Tasse mit dem Riss sehe ich im Schrank stehen und ohne groß darüber nachzudenken, landet sie endlich im Müll. Dann ist es gut, dass ich mich überwinde und das Alte wegwerfe.

Schwieriger ist es da aber mit anderen Dingen. Mit Sachen, die ich mir schon lange angewöhnt habe oder schon lange mit mir rumtrage. Vor allem Sorgen können so etwas sein. Das, was ich länger schon im Kopf oder im Herzen hin und her bewege, und was dann schon mal zu schlechter Laune führt oder mich sogar schlechter schlafen lässt. Da ist es gut, wenn ich auch da den richtigen Ort kenne,wo ich so etwas wegwerfen kann.

Der Wochenspruch für die kommende Woche hat da eine gute Empfehlung. Zu Jesus Christus kann ich mit meinen Sorgen kommen und sie da auch einfach mal wegwerfen. „All eure Sorge werft auf ihn, denn er sorgt für euch“ (1. Petrus 5,7).

So. 02.09.18
#ZSMMN?
Anja Bohling
#ZSMMN?

#ZSMMN – so lautete das Motto der deutschen Fußball-Nationalmannschaft bei der diesjährigen WM. Das aktuelle Fazit des Trainers: Es sei nicht gelungen, einen „Teamspirit“ zu schaffen. Zu dem Motto gab es ein passendes Lied von den Fantastischen Vier zusammen mit Clueso. In dem Video dazu setzt der Manager den Fanta 4 einen jungen Künstler vor die Nase, um die Verkaufszahlen zu steigern. Die Fanta 4 sind verärgert und zeigen das Clueso deutlich. Bei den Aufnahmen zum Video machen sie gute Miene zum bösen Spiel – hinter den Kulissen kracht es gewaltig. Nichts ist mit „Denn nur zusammen ist man nicht allein, komm lass uns alles miteinander teil‘n“, wie es im Lied heißt. Wie sieht es bei uns selbst aus? In unseren Bezügen zu anderen Menschen? In diesen Tagen finden Menschen neu zusammen: Erstklässler in der Schule, Schul- bzw. Klassenwechsel, Auszubildende in der Firma, Start ins Studium. Überall gibt es Gruppen, die bunt zusammen gewürfelt sind: Es kommen unterschiedliche Ansichten und Erfahrungen, soziale und geografische Herkunft, junge und ältere Personen zusammen. Konflikte sind dabei normal, die Frage ist nach dem Umgang damit. Im besten Fall werden Konflikte für alle Beteiligten gelöst. Das ist Voraussetzung für ein echtes Miteinander, ein echtes Zusammensein! In dem Video von „Zusammen“ sieht man am Ende auf dem T-Shirt von Clueso das Wort „NEUANFANG“. Voraussetzung dafür ist, dass wir einander so annehmen wie wir sind und anderen eine Chance geben. Leicht gesagt… In der Bibel werden wir dazu im Römerbrief ermutigt: „Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Lob.“ (Römer 15,7) Lassen Sie sich davon ermutigen, jeden Tag einen Neuanfang mit Ihren Mitmenschen zu starten. Ich bin mir sicher: Das ist der Anfang für ein gutes #ZSMMN!

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Anja Bohling

Arbeitsbereich in der Kirchenregion: 
Diakon/-innen
Anja
Bohling
Diakonin
Kirchstraße 9
27367
Sottrum
Tel.: 
(04264) 836241
Sa. 01.09.18
Gott hat alles schön gemacht zu seiner Zeit…
Monatsspruch
Gott hat alles schön gemacht zu seiner Zeit, auch...

Gott hat alles schön gemacht zu seiner Zeit, auch hat er die Ewigkeit in ihr Herz gelegt; nur dass der Mensch nicht ergründen kann das Werk, das Gott tut, weder Anfang noch Ende.  Pred 3,11 (L)

 

 

Bisherige Predigten oder Andachten finden Sie unter: https://www.kirche-rotenburg.de/leben-glauben/geistliche-impulse/andachten

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Mi. 29.08.18
AN(GE)DACHT
Klaus Priesmeier
AN(GE)DACHT

Ernte-Dank-Momente

Der Spruch fiel mir nicht nur in die Augen, ich behielt ihn in meinen Gedanken: „Das Tischgebet ist das Erntedankfest des Alltags.“ Die Frage ist nur: wer eigentlich feiert dieses alltägliche Erntedankfest? Wer sieht, was er isst, als Gabe Gottes und der Menschen an – und nicht nur als etwas, das er sich als Kunde kauft? Und meint, deswegen habe er doch ein Recht darauf. Aber das ist ja wohl nicht alles, was hier wichtig ist!

Ich weiß auch noch, wie ich zusammenzuckte. Ich biss gerade genussvoll in eine Wurst – und hörte jemanden rufen: „Igitt, totes Fleisch!“ Da wurde es mir spontan wieder bewusst: um zu leben verzehre ich – Leben! Leben, das für mich sein Leben lässt. Seien es nun Pflanzen oder Tiere. Leben lebt vom Leben. Ist das nicht Anlass genug, mal einzuhalten? Nicht nur zuzugreifen, sondern einen Moment inne zu halten, sich dieser Zusammenhänge wieder bewusst zu werden. Und: zu danken. Zu danken, dass ich leben soll und leben darf. Dass ich genährt werde. Und da steckt mehr drin als meine Kaufkraft. Der Mensch ist noch mehr und anderes als Kunde. Ich bin lebendig und meine Lebendigkeit wird mir erhalten. Dafür wieder sensibel zu werden ist ein wichtiges und richtiges Ziel. Zu meiner Lebendigkeit brauche ich nicht nur Essen und Trinken. Das wusste auch Martin Luther. In seinem Kleinen Katechismus stellt er zur Vater-unser-Bitte  „Unser tägliches Brot gib uns heute“ die Frage: „Was heißt denn tägliches Brot?“ Und er antwortet: „Alles, was Not ist für Leib und Leben, wie Essen, Trinken, Kleider, Schuh, Haus, Hof, Acker, Vieh, Geld, Gut, fromme Eheleute, fromme Kinder, fromme Gehilfen, fromme und treue Oberherren, gute Regierung, gut Wetter, Friede, Gesundheit, Zucht, Ehre, gute Freunde, getreue Nachbarn und desgleichen.“

Mit „fromm“ meinte man damals nicht eine zur Schau getragene Religiosität. Es bedeutet so viel wie gut, rechtschaffen, ehrlich, verlässlich. Und das gegenüber Gott und den Menschen. Das sollte man wohl voneinander erwarten können. Aber jeder weiß, wie wenig selbstverständlich das dennoch ist. Und es ist immer ein
Grund zu Dank und Anerkennung. Wann haben Sie denn zum letzten Mal Ihrem Partner, Ihrer Partnerin „Danke“ gesagt, Ihr Kind gelobt, Ihren Nachbarn gesagt: „Schön, dass Ihr unsere Nachbarn seid!“ usw.!? Es gibt Situationen, da wird es mir eindrücklich und ich spüre: ich sollte mal „Danke“ sagen. Nur: tue ich es? Tue ich es, und sei es nur in einer Art Stoßgebet: Danke, Gott! Tue ich es, sage Danke auch einem anderen Menschen oder gebe ein Trinkgeld, wenn ich es kann? Das tut ja nicht nur dem anderen gut. Es stellt zugleich mich selber in eine Welt, in der man bemerkt, was geschieht, in der man es wahrnimmt und annimmt. Und darin auch sich untereinander.

Die wirklich wichtigen Dinge im Leben, die sind fast alle im Grunde ganz einfach. Dazu gehört: mir meine Angewiesenheit auf die anderen einzugestehen und frei werden, danke zu sagen. Es macht das Leben schöner. Denn es verbindet. Und der Dank kann uns miteinander auch mit Gott verbinden. Wer es tut, der merkt: mein Leben wird „rund“. Es passt. Und das macht schon wieder dankbar. Also, es lohnt sich, aufzumerken für die dankbaren Momente. Und sie auszuleben: Danke!

„Ein echtes Danke … ist immer ein Gebet!“ (Joachim Wanke)

„Nicht die Glücklichen sind dankbar. Es sind die Dankbaren, die glücklich sind.“ (Francis Bacon)

Kürzlich fiel mir ein Verkehrsschild in die Hände: Einbahnstraße. Es geht immer nur in eine Richtung – voran. Der Rat meines plattdeutschen Navis im Auto wirkt da ziemlich hilflos: „drei ümme – wenn ´t geiht“. Geiht nich! So gehen wir auch auf dem Lebensweg immer voran, und die Zeit meiner Vertretung in Visselhövede und Wittorf geht auch schon wieder zu Ende. Und der Ruhestand beginnt – mit dem Herbst, wie sinnig! Es war ein Privileg, Ihre schöne Kirche und die wunderbare Kapelle in Wittorf kennen lernen zu dürfen. Begegnungen mit Menschen in unterschiedlichen Situationen kommen dazu. Für das alles sage ich ein herzliches „Danke!“ Ich hoffe, die Stelle kann bald wieder regulär besetzt werden. Ihnen allen wünsche ich Gottes Geleit. In der St. Johannis-Kirche steht ganz oben auf dem Altaraufsatz der Name Gottes, in vier hebräischen Buchstaben. Eingedeutscht: jhwh. Dieser Name Gottes bedeutet etwa: ich bin der „ich bin da“; ich bin der, der mitgeht; ich bin der, als der ich mich erweise. Ein Wege-Gott. Nicht einer, der still steht, sondern einer, der mitgeht. Der vorangeht, zur Seite geht,
hinterher geht. Das Geleit dieses Gottes wünsche ich Ihnen und sage: Gott befohlen!

Ihr Klaus Priesmeier

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Klaus Priesmeier

Klaus
Priesmeier
So. 26.08.18
Paradies mit Baustelle
Alexa Wilke
Paradies mit Baustelle

Die Ferien sind vorbei, die Tage werden kürzer und die Autoschlangen am Morgen länger. Im Auto neben mir hängt ein Traumfänger am Spiegel. Unwillkürlich muss ich grinsen. Ich kenne diesen indianischen Schmuck aus Schlaf- und Kinderzimmern. Er soll schlechte Träume auffangen und gute bescheren. Ich schaue die Fahrerin von der Seite an. Sie sieht nicht so aus, als würde sie gleich einschlafen. Zum Glück. Nicht dass sie irgendwann mit besonders schönen Träumen schlafend weiterfährt.

Ich bin abgebogen und komme nun zügiger voran. Im Auto träumen. Wie viele von denen, die gerade auf dem Weg zur Arbeit sind oder zur Schule, träumen sich wohl in diesem Moment zurück in den Urlaub und in die schönen Sommertage ohne Verpflichtung? Das Leben kann so leicht sein. Ich höre mich seufzen.

Im Verlauf des Tages treffe ich meinen Kollegen, der den ersten Tag wieder im Dienst ist. Ich freu mich richtig, ihn zu sehen: „Schön, dass Du wieder da bist!“ Es steht einiges an, was gemeinsam geplant werden soll. Und jetzt geht es endlich los.

Auf der Heimfahrt denke ich an den Traumfänger im Nachbarauto. Und an die Urlaubsträume am Morgen. Immer so viel Freiheit haben wie in den Ferien, das wär‘s. Oder? Ich zögere: Wär blöd gewesen, wenn der Kollege einfach weggeblieben wäre.

Mein Kollege wird gebraucht hier, und auch ich habe meine Aufgaben. Sei es im Beruf, unter Nachbarn, in der Familie. Ja, mein Ferien-Ich fehlt mir. Aber mein Alltags-Ich hat seine ganz eigene Würde. „Bebauen und bewahren“ nennt die Bibel die täglichen Mühen (1. Mose 2,15). Etwas schützen, etwas wachsen lassen, Verantwortung tragen. Das gehört eben auch zu mir. Und für das Ferien-Ich reserviere ich den Sonntag.

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Alexa Wilke

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Dr. Alexa
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Pastorin der Stadtkirchengemeinde, Fundraisingbeauftragte im Kirchenkreis Rotenburg
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27356
Rotenburg //Postadresse: Westerwalseder Str. 7, 27386 Kirchwalsede
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(04261) 3061644
So. 12.08.18
War es das jetzt?
Martin Söffing
War es das jetzt?

Soll es das gewesen sein? So oder so ähnlich klingen Fragen wenn etwas zu Ende geht, wenn es ums Abschied nehmen geht. Schon höre ich die Frage als nach gefühlt wochenlanger Hitze der Himmel wieder bedeckt ist und die Temperaturen sinken – war es das jetzt mit dem Sommer?

Ernster klingt die Frage wenn Menschen zurückschauen. Auf eine Zeit, die zu Ende geht, wenn klar wird dass das Leben fortan nicht mehr so sein wird wie früher. Wenn plötzlich alles anders ist. Ein Lebensabschnitt, der zu Ende geht. Wenn eine Krankheit alles verändert, wenn die Hoffnung auf Heilung schwindet. Dann schauen wir zurück, ziehen Bilanz. Oft wird dann, in der Rückschau erst deutlich, was wichtig war, was und wen ich geschätzt, geliebt habe, worauf ich nicht verzichten mag.

Dieses Bilanzieren ist wichtig, es kann zeigen, wofür ich dankbar bin, was bisher geglückt ist, womit ich zufrieden bin. Und zugleich ist da angesichts einer größeren Veränderung auch die Aufgabe, mich neu zu arrangieren. Zu versuchen, mich auf die Situation einzulassen. Wenn das gelingt, lässt sich neu entdecken, was anders zwar als bisher, was aber dennoch gut und reizvoll ist. Diese Bereitschaft zur Veränderung ist nicht immer leicht. Und zugleich wissen wir, dass es mit dem Hüttenbauen nicht klappt, dass unser Leben ein Unterwegssein, Veränderung bedeutet.

Man sagt am Ende wird alles gut
Und wenn es nicht gut ist, kann es auch nicht das Ende sein, so heißt es in einem Song von Casper.

Ist es wirklich so einfach? Vermutlich nicht. Mir gefällt die Widerständigkeit, mit der es dort weiter heißt:

Am Ende wird alles gut
Und ist es nicht gut, ist es verdammt nochmal nicht das Ende
Nein

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Martin Söffing

Martin
Söffing
Pastor Klinikseelsorge AGAPLESION DIAKONIEKLINIKUM
Elise-Averdieck-Straße 17
27356
Rotenburg
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(04261) 77 - 2003
Fax: 
(04261) 77 - 2029
Mobil: 
(0172) 8450895
Mo. 06.08.18
Sommer für die Seele
Hilke Bauermeister
Sommer für die Seele

Bis zum 8. August haben die Schülerinnen und Schüler in Niedersachsen noch frei. Ferienzeit ist Urlaubszeit. Fahren Sie weg im Urlaub oder bleiben Sie zu Hause?

Was bedeutet eigentlich das Wort Urlaub? Im Wörterbuch steht, „Urlaub“ kommt von „Erlaubnis“. „Urlaub“ ist die „Erlaubnis, von der Berufsarbeit fernzubleiben“. Urlaub ist die Erlaubnis zum Ausspannen. Wer Urlaub hat, der darf für eine Weile aus dem Alltag aussteigen. Egal, ob man wegfährt oder zu Hause bleibt: Man kann sich all’ jenem widmen, was im täglichen Trott meistens unterbleibt: gemütlich frühstücken, ein gutes Buch lesen, lange Spaziergänge machen und nachdenken über sich und Gott und die Welt. – Sommer für die Seele hieße für mich, sich auch Zeit und Raum dafür zu gönnen, dem eigenen Dasein nachzuspüren: Die freie Zeit dafür nutzen, den Spuren nachzugehen, die Gott in unserem Leben hinterlassen hat. Da mag es Schönes und auch Schweres geben. Traurige Tage sind einem womöglich stärker im Gedächtnis als die schönen. Wir neigen schnell zum Vergessen. Das Schwere lässt vergessen, was es schon alles an Schönem und Gelungenem gab im Leben. In der Bibel heißt es: „Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.“ (Psalm 103,2) Manchmal muss man einen Augenblick innehalten, um sich an die schönen Stunden zu erinnern. Manchmal muss man einen Moment überlegen, bis es einem einfällt, wie viel Glück und Wohlergehen es für uns schon gab – trotz so mancher schweren Stunde. Dass Ihnen vieles einfällt, was Sie froh stimmt, und wofür Sie Gott danken mögen, wünsche ich Ihnen für Ihre Augenblicke des Innehaltens.

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Hilke Bauermeister

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Hilke
Bauermeister
Pastorin
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So. 01.07.18
Startup Kultur – eine Religion des 21.…
KDA (Kirchlicher Die…
Startup Kultur – eine Religion des 21. Jahrhunderts

Zu Beginn dieser Wortmeldung möchte ich Sie
auf eine Traumreise mitnehmen. Eine Reise, in der
farbenfrohe Helden, Einhörner und Engel gegen
einen grauen, mysteriösen Gegner kämpfen. Stellen
Sie sich den Gegner als einen sehr unbeweglichen,
vernebelten, alten Felsen vor, der sich von
Ungerechtigkeit, Leid und Inflexibilität ernährt. In
einer Höhle am Fuße des Felsens arbeitet ein Volk
an einem ausgeklügelten Plan, den uralten Felsen
zu vernichten. Das Volk besteht aus unzählig vielen
kleinen Figuren, in unterschiedlichsten Formen und
Farben. Sie wuseln und wirbeln. Und zwischen ihnen
galoppieren und fliegen die leuchtenden Helden,
Einhörner und Engel, die die Figuren delegieren.

Mythologie
Die Geschichte steht sinnbildlich für die Mythologie
heutiger Start-ups. Mal mehr, mal weniger ausgeprägt
geht es im Kern darum, die Welt zu verändern,
zu verbessern. Um die Start-up Welt von der herkömmlichen
zu trennen spielt das „Wording“ eine
besonders wichtige Rolle. Wer ein Unternehmen
unterstützt ist ein „Business-Angel“, große Konkurrenten
werden als „800 Pound Gorilla“ bezeichnet
und Start-ups kurz vor dem Börsengang werden
„Unicorns“ genannt.
Um die Mythen des Kulturareals praktisch zu untermauern,
finden Sie in jedem gut geführten Start-up
einen Kickertisch, eine Schale mit frischem Obst
und kostenlose Getränke. Und in Stellenausschreibungen
wird mit flachen Hierarchien, Teamevents
und dem Standort Berlin-Mitte geworben. Es wird
eine scheinbar völlig neue Welt kreiert, in der alles
bunt, frisch und locker ist.

Wirklichkeit
Nun nehmen wir die „Helicopter view“ ein und
stellen der Mythologie die tatsächlichen Arbeitsbedingungen
gegenüber. Ein Grundproblem sind
oftmals prekäre Beschäftigungsverhältnisse. Sie
sind befristet, versprechen eine schlechte Bezahlung
und begünstigen unbezahlte Überstunden.
Das meist knappe Budget der jungen Unternehmen
entschuldigt offensichtlich das Ersetzen fester
Mitarbeiter*innen durch unbezahlte Pflichtpraktikant*
innen. Ein ständiger Wechsel sowie die Befristung
der Mitarbeiter*innen vermitteln ein Gefühl
der Austauschbarkeit. Als Ausgleich dazu gibt es
aber mit Unterschrift des Arbeitsvertrages gleich
eine Reihe neuer Freunde dazu. Im Rahmen der
Start-up Mythologie findet eine bewusste Vermischung
von Privatem und Beruflichem statt.

Religion
Das alles wird für den Eintritt in eine junge, glitzernde,
coole Welt in Kauf genommen. Aber wie
funktioniert das? Menschen möchten im Leben
an etwas glauben, suchen nach Wegweisern und
möchten sich mit etwas schmücken. Früher bot dies
für viele Menschen die Kirche, die leistet es heute,
selbstkritisch betrachtet, für meine Generation kaum
noch. Warum eigentlich nicht?

 

 
WORTMELDUNG Juli 2018
Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt - Haus kirchlicher Dienste der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers
Laura Odile Rinderspacher, Referentin für den Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt
 

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KDA (Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt)

Haus kirchlicher Dienste der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers
Archivstraße 3
30169
Hannover
Tel.: 
(0511) 1241-449
So. 17.06.18
Grün
Hilke Bauermeister
Grün

Grün ist die Farbe der Natur und der Pflanzen. Im Internet kann man auch die Hinweise finden, Grün sei die Farbe der Frische und Natürlichkeit, und Grün sei die Farbe der Hoffnung und der Zuversicht. In alter Zeit war Grün auch das Sinnbild beginnender Liebe. In unserer Sprache gibt es noch Hinweise auf diese Bedeutung von früher: „Jemandem die grüne Seite zeigen,“ bedeutet, dass man sich freundlich und entgegenkommend verhält. Aber wenn man „jemandem nicht grün ist,“ dann heißt das, dass man den anderen nicht mag.

Ob es in den Ländern der Bibel auch viel Grün gibt? An der östlichen Mittelmeerküste? So viel grüne Natur wie bei uns? In Nordeuropa gibt es viele Wälder, viel Grün auch in Gärten und Parkanlagen. In der Bibel steht jedenfalls eine Geschichte über hervorsprießendes Pflanzengrün: „Jesus sprach: Womit wollen wir das Reich Gottes vergleichen, und durch welches Gleichnis wollen wir es abbilden? Es ist wie ein Senfkorn: wenn das gesät wird aufs Land, so ist’s das kleinste unter allen Samenkörnern auf Erden; und wenn es gesät ist, so geht es auf und wird größer als alle Kräuter und treibt große Zweige, so dass die Vögel unter dem Himmel unter seinem Schatten wohnen können.“ (Markus 4, 30-32)

Jesus spricht vom Hervorsprießen einer Senfstaude. Das Senfkorn ist überaus klein – man braucht mehr als 700 Samenkörner, bevor man nur 1 g beisammen hat – und aus diesen kleinen Körnchen wachsen Stauden von bis zu 3 m Länge hervor. So, sagt Jesus, so ist es auch mit dem Reich Gottes: Es ist da, klein und unscheinbar, und mit der Zeit wird es größer, bis es einmal groß und erhaben sein wird. Kleine Ursache, große Wirkung. – Bei Gott sind alle Dinge möglich.

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Hilke Bauermeister

Arbeitsbereich in der Kirchengemeinde: 
Pastor/-innen
Hilke
Bauermeister
Pastorin
Berliner Ring 19
27356
Rotenburg
Tel.: 
(04261) 961 33 90
Fr. 08.06.18
App in die Zukunft – Den digitalen Wandel…
KDA (Kirchlicher Die…
App in die Zukunft – Den digitalen Wandel gestalten

Unsere Welt wird (immer) digitaler

Digitalisierung ist längst kein Thema mehr und auch
kein Trend. Sie ist allgegenwärtiger Teil unserer
Lebenswelt und dringt in immer weitere Bereiche
unseres Alltags vor, im öffentlichen Raum, im Beruf
und in die Privatsphäre. Mitarbeiter*innen des Kirchlichen
Dienstes in der Arbeitswelt haben dazu nun
ein Heft veröffentlicht: App in die Zukunft – Den
digitalen Wandel gestalten.

 
Den Wandel gestalten
Der Titel ist Programm. Wir sind der Meinung: Weder
Euphorie noch Apokalyptik helfen im Umgang
mit den Veränderungen, die sich durch die digitalen
Instrumente eröffnen. In meinem Beitrag zu dem
Heft habe ich geschrieben: Wandel braucht Zeit,
Solidarität und Hoffnung. Damit nehme ich einen
Dreiklang auf, der vor dreißig Jahren dem Strukturwandel
an Rhein und Ruhr Impulse gegeben hat.

 
Wandel braucht Zeit
Wahrscheinlich werden viele der heutigen Arbeitsplätze
verschwinden und neue entstehen. Vielleicht
werden auch diejenigen Recht behalten, die erwarten,
dass sich das letztendlich aufs Ganze gesehen
ausgleicht. Und ich höre immer wieder in Unternehmen
und Verbänden: So schnell wird das alles
nicht kommen und umgesetzt werden. Liegt dies
eventuell auch daran, dass wir im beginnenden dramatischen
Fachkräftemangel überhaupt nicht all die
Menschen haben, die benötigt werden, um die neue
Arbeitswelt zu besetzen? Wandel braucht Zeit –
allein um in Ruhe all die hiermit verbundenen
Fragen zu stellen und sich nicht mit vorschnellen
Antworten zu begnügen.

Wandel braucht Solidarität
Wandel braucht Solidarität, denn innerhalb mancher
Branchen wird es zu erheblichen Verwerfungen
kommen, wenn Märkte wegbrechen oder Tätigkeiten
durch Robotik oder Künstliche Intelligenz
übernommen werden. Natürlich benötigen Unternehmen
Gewinne für Investitionen in die Zukunft,
in technische Anlagen wie in die Weiterbildung ihrer
Mitarbeitenden. Aber es bedarf auch Investitionen
in den Menschen, die zu den Verlierer*innen der
Entwicklung zählen. Ressourcen müssen umverteilt
werden, wenn wir die Herausforderungen gemeinsam
bewältigen wollen.

 
Wandel braucht Hoffnung
Hoffnung gibt Zukunft. Selbstbestimmung in der
Arbeit ist ein Schlagwort, das aktuell Hoffnungen
weckt auf eine andere Arbeitskultur und partizipative
Führungskonzepte. Das ist gut und richtig, reicht
aber nicht aus. Es braucht Diskussion und Verständigung
auch über die Ziele von Arbeit und Wirtschaft
jenseits einer konsumorientierten Gesellschaft, die
wir uns eigentlich schon heute nicht mehr leisten
können und in den nächsten Jahren immer weniger.
Die biblischen Texte sind voller Hoffnung und sie
malen Bilder vom Reich Gottes, dass in der Zukunft
liegt, aber immer auch schon unter uns anbricht.
Es lohnt, diese sperrigen Bilder und Texte mitzubedenken,
weil wir uns so mit der Tradition verbinden
und zugleich über die „Hölle der Gegenwärtigkeit“
hinausgeführt werden.

 
Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt
Haus kirchlicher Dienste der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers
WORTMELDUNG Juni 2018
Dr. Matthias Jung
Landessozialpfarrer und Leiter des Fachbereichs Kirche.Wirtschaft.Arbeitswelt
jung@kirchliche-dienste.de

 

Die Broschüre steht kostenlos zum Download bereit im HKD-Materialshop: www.hkd-material.de

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KDA (Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt)

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Di. 01.05.18
Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht…
Monatsspruch
Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht dessen, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht. Hebr 11,1 (L)

Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht dessen, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht. Hebr 11,1

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Fr. 04.05.18
Sehnsucht
Haike Gleede
Sehnsucht

„Da wohnt ein Sehnen tief in uns, o Gott, dich zu sehn, dir nah zu sein...“

Dieses moderne Kirchenlied ist beliebt und wird in vielen Gottesdiensten gesungen. Der Text rührt etwas in mir an, eine verborgene Sehnsucht, die in mir schlummert. Wonach?

Vor wenigen Wochen haben wir Ostern gefeiert – das Befreiungsfest der Christen. Am ersten Ostermorgen machten sich die Frauen auf zum Grab Jesu. Sie suchten nach Antworten auf ihre Trauer.

Mit kostbaren Ölen wollten sie seinen Leichnam salben, ihm so noch einmal hautnah sein. Aber sein Grab war leer. Die Stimme des Engels zwang sie ihren Blick zu heben, sich aufzurichten, neu auszurichten. Er sprach: „Fürchtet euch nicht!“.  Sie flohen vor Angst zitternd von dem Grab.

Aber diese Sehnsucht blieb und rührte sich in ihren Herzen mehr denn je.

So wagten sie zu glauben, was sie gehört hatten. „Der Herr ist auferstanden!“

Was rührt Ostern in mir an? Mit dem Frühling erwacht die Sehnsucht nach Wärme, nach Aufatmen, nach neuem Leben. Aber das Leben richtete sich nicht nach den Jahreszeiten.

In den letzten Monaten rollte eine Sterbewelle durchs Land , und nicht enden wollende Grippewelle sitzt noch vielen in den Knochen.

Sehnsucht nach Heilung und  nach Trost ist vielerorts spürbar.

Wie können wir  unter solchen Bedingungen die Osterbotschaft wahrnehmen.

Wie können wir unseren Blick erheben, wenn wir erschöpft und niedergeschlagen sind? Wie dem „Fürchte dich nicht!“ vertrauen?

Es wohnt da diese Sehnsucht in mir – dass da einer ist, der die Angst und die Trauer sieht. Eine Sehnsucht nach etwas, das größer ist als alle menschlichen Grenzen. Was verlieren wir, wenn wir der Botschaft trauen? Nichts! Aber wir gewinnen alles! Darum gehe ich das Wagnis ein, glaube an den Auferstandenen und stimme ein in den Ruf, der nicht nur Ostern gilt:

„Der Herr ist auferstanden!“

 

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Haike Gleede

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So. 15.04.18
Neulich am Lottotresen
Dietmar Meyer
Neulich am Lottotresen

Als ich neulich am Lottotresen darauf warte, dass ich drankomme, steht Jesus hinter mir in der Schlange. Man soll‘s nicht glauben, aber er sieht tatsächlich genauso aus wie man ihn sich vorstellt. Überrascht bin ich trotzdem. „Was machst du denn hier, Jesus?“ frage ich. „Hätte nicht gedacht, dich ausgerechnet hier am Lottotresen zu treffen.“ Passt mir jetzt gar nicht so gut, denke ich. Habe ja den Lottoschein in der Hand und komme jeden Augenblick dran. Und muss noch überlegen, ob ich die 7 oder wie immer die 11 ankreuzen soll. Und nun das. Das letzte Kreuz muss ich noch setzen. „Ich nehme die 12!“ sage ich leise zu mir selbst. „12 Jünger, 12 Stämme Israel, 12 als Zahl für Vollkommenheit“. Vielleicht ist das ja ein Zeichen. Vor mir tut sich nichts. Dauert noch, bis ich dran bin. „Du spielst Lotto, Jesus?“ Ich wundere mich. Er hat das Geld doch gar nicht nötig. Ob er mir seine Zahlen nennt? Er müsste ja wissen, welche fallen werden. Ich drehe mich ganz zu ihm: „Ehrlich gesagt hätte ich nicht gedacht, dass dich der Jackpott reizt“ Ich erinnere ihn an seine eigenen Worte. „Hast Du nicht gesagt, es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr geht, als dass ein Reicher in den Himmel kommt?“ Jetzt bin ich gespannt, was er dazu sagt. Gar nichts. Er steht da. „Oder: Schafft Euch nicht Schätze auf der Erde, wo Motten und Rost sie fressen. Schafft Euch lieber Schätze im Himmel. Hm? Deine Worte!“ Jaja denke ich, sagen kann man also viel. Am Ende geht es doch ums Geld. Sogar bei Christus. Wie komme ich nur an seine Zahlen? „Das wär was: Den Jackpott knacken, oder Jesus? “ Christus kommt einen Schritt näher, und weist mit einer leichten Kopfbewegung nach vorne. Ah, die Schlange vor mir bewegt sich. Gleich bin ich dran. Dass Christus Lotto spielt, nee, ich werd verrückt! „Du weißt aber schon, dass die meisten Gewinner mit dem Geld unglücklich werden?!“ sage ich ihm über die Schulter. Dazu gibt es Studien. Außerdem stellt doch jeder, der auf den Gewinn hofft, sein bisheriges Leben in Frage. Überhaupt, du hast doch alles, was man braucht. Die ganze Welt gehört Dir doch. Sogar der Himmel.
Ich denke plötzlich an die Website, auf der kann man sehen, an welcher Stelle man weltweit mit seinem Einkommen rangiert (http://www.globalrichlist.com/). Mein Platz kann auf der Skala schon gar nicht mehr abgebildet werden, soweit oben rangiere ich. Sogar mit meinem BAFöG-Satz hätte ich damals schon unabbildbar vorne gestanden. „Wo würdest Du da erst stehen, Jesus?!“ Der braucht das doch wirklich nicht. Immer dasselbe, denke ich, je mehr man hat, umso mehr will man. Und wer nicht zufrieden ist, meint, er hätte nicht genug. „Was willst du denn mit dem Geld, Jesus? Noch mehr kaufen?! Noch mehr verbrauchen?! Glücklich werden?!“ Ich werde richtig ärgerlich. Hab ich mich so in Jesus getäuscht? Die anderen gucken schon. Ist mir egal. „Ich an Deiner Stelle würde das Geld lieber sinnvoller einsetzen“ brülle ich ihn an. „Und zufrieden sein!“ Dann ist er verschwunden. Und ich bin gleich an der Reihe.

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Dietmar Meyer

Dietmar
Meyer
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27367
Sottrum
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So. 01.04.18
Normal ist das nicht
Dr. Matthias Wilke
Normal ist das nicht

„Ich hoffe bloß, dass bald Ostern ist!“ Meine Freundin ist genervt. „Gestern“, sagt sie, „Konferenz. Ich stell wie immer Schoki auf den Tisch. Da haut mich einer an, ob ich denn nicht wüsste, dass Fastenzeit ist. Ich so: ‚Zwing ich dich etwa, davon zu essen?‘“ Sie schnaubt: „Und dann haben sich alle gegenseitig erzählt, wie toll sie gerade fasten. Nicht zum Aushalten!“ Sie greift zu den Gummibärchen: „Es ist ja nicht nur die Fastenzeit. Es fängt im Januar an: Gute Vorsätze. Und in der Kantine mümmeln alle nur noch Salat. Im Februar jammern sie, dass sie nicht durchgehalten haben und warum sie schon seit zwei Wochen nicht mehr beim Sport waren. Und dann denkst du, du hast es hinter dir – und die Fastenzeit beginnt. Können die nicht einfach normal sein?“

Zuhause checke ich meine Mails. Wieder eine Nachricht mit Hinweisen für die Fastenzeit. Und ich komme ins Träumen. So wäre ich gerne. Ich will mich mutig für andere einsetzen, Strom sparen und auf Fleisch verzichten, will mehr an die Armen denken, die Frustschokolade drangeben oder am besten ganz auf Zucker pfeifen. Nicht normal sein, sondern gut. Wenigstens für sieben Wochen.

Neben dem Computer liegt ein Kreuz. Die Menschen um Jesus hatten ganz normal Sehnsucht nach einem, der ihnen hilft. Waren schrecklich normal mit ihrer feigen Sorge ums eigene Leben. Und ausgerechnet diese Menschen haben das erste Ostern erlebt. Dazu passt der Spruch für die nächste Woche (Römer 5,8): „Gott erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren.“ Und ich steh da mit meinem Frust und meiner Sehnsucht nach gutem Leben. „Danke, Gott, dass du es in all dem Murks Ostern werden lässt!“

 

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Dr. Matthias Wilke

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So. 01.04.18
Jesus Christus spricht: Friede sei mit euch!
Monatsspruch
Jesus Christus spricht: Friede sei mit euch!

Jesus Christus spricht: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Joh.10,21 

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Fr. 30.03.18
Durch alles geht ein Riss…
Amely Lißner
Durch alles geht ein Riss…

In einem Lied von Leonard Cohen heißt es: “There’s a crack in everything, and that’s how the light gets in.” Übersetzt heißt das: Durch alles geht ein Riss, und nur so fällt das Licht hinein. Dieser Text kommt mir in den Sinn, wenn ich über Ostern nachdenke. Immer wieder durchziehen Risse unser Leben. Oft entstehen sie durch Enttäuschungen oder durch Kummer. Wenn etwas kaputt gegangen ist in meinem Leben, oder wenn ich vor meinen eigenen Scherben stehe. Dann zerreißt etwas in mir. Es entsteht ein Riss in meinem Leben. Und das tut weh.

Dennoch gehören diese Risse zu unserem Leben dazu. Sie machen uns menschlich. In den Rissen unseres Lebens will Gott uns begegnen. Dort, wo wir eigentlich niemanden hineinlassen. Er will uns berühren, wo der Schmerz liegt. Durch unsere Zerrissenheit kommt sein Licht in unser Leben. In seinem Licht kann Verwandlung entstehen, so können wir wachsen und reifen.

Jesus stirbt an einem Kreuz. Der Vorhang im Tempel zerreißt. Ein Vorzeichen für den Riss, der die Welt verändern wird. Denn am Ostermorgen erhält der Tod einen Riss. Die Mauern der Endgültigkeit zerbrechen. Durch diesen Riss scheint nun das Licht der Auferstehung in die Kammer des Todes.

Wir feiern Ostern, weil Christus von den Toten auferstanden ist. Seine Auferstehung gilt auch uns. Sie gilt uns nicht nur am Ende unseres Lebens, sondern schon jetzt. Es gibt sie immer wieder, diese kleinen oder großen Augenblicke, in denen Gottes Welt schon in unsere Welt hineinbricht. Es sind Momente, in denen unsere kleine Welt aufreißt und ein Riss entsteht hin zur Ewigkeit Gottes – im Gebet, durch sein Wort, das uns im Herzen trifft, in der Stille, auf unseren ganz banalen Wegen durch den Alltag, wenn wir es nur zulassen.

Durch alles geht ein Riss – auch durch unsere kleine Welt hin zur Ewigkeit – und nur so fällt das Licht hinein.

 

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Amely Lißner

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