Andachten

Kurz innehalten. Sich für einen Moment besinnen, woher wir eigentlich kommen, was wichtig ist im Leben. Dabei helfen uns kurze Andachten. Die Pastorinnen und Pastoren des Kirchenkreises Rotenburg verfassen jede Woche zwei Zeitungsandachten für die Rotenburger Rundschau und die Rotenburger Kreiszeitung. Wir veröffentlichen sie hier und schaffen damit ein Archiv, auf das Sie zurückgreifen können, wann immer Sie möchten. Denn: Ihre Zeitung werfen Sie irgendwann in den Papierkorb. Die Andachten behalten jedoch ihre Gültigkeit jenseits der Tagesaktualität.

Seiten

Datum
Titel
Name
Sa. 01.12.18
Andacht zu Charles Dickens
Hilke Bauermeister
Andacht zu Charles Dickens

Kennen Sie die Geschichte von Ebenezer
Scrooge? Der britische Autor
Charles Dickens hat sie erfunden. 1843 ist
die Erzählung unter dem Titel „Ein Weihnachtslied“
erschienen. Scrooge ist Geschäftsmann,
ein alter Geizhals, griesgrämig
und missmutig.

Am Morgen des 24. Dezember lädt ihn
sein Neffe zum Weihnachtsessen ein.
Doch der Onkel lehnt
ab – wie alle Jahre. Von
Weihnachten will er
nichts wissen.

Als Scrooge abends
allein ist, passiert etwas
Merkwürdiges.
Ihm erscheinen drei
Geister, der Geist der
vergangenen Weihnacht
zuerst, dann die
Geister der gegenwärtigen
und der künftigen
Weihnacht.

Der erste Geist zeigt
Scrooge den Tag, als
sich seine Verlobte von
ihm trennt, weil sie das
Gefühl hat, Scrooge interessiere
sich viel zu sehr fürs Geld.

Es folgt der Geist der gegenwärtigen
Weihnacht. Er lässt Scrooge die fröhliche
Feier im Hause seines Neffen sehen. Ihm
wird es weh ums Herz, weil er nicht dabei
ist.

Schließlich kommt der dritte Geist,
der Geist der künftigen Weihnacht, der
unheimlichste von allen. Der zeigt dem
gestrengen Geschäftsmann, was ihn erwartet,
wenn sich nichts ändert in seinem
Leben.

Und dann geschieht etwas mit Scrooge.
Er verwandelt sich. Am Morgen des
25. Dezember ist er ein neuer Mensch. Er
besucht seinen Neffen und fortan spendet
er stets großzügig für wohltätige Zwecke.

Aus dem herzlosen alten Geizhals
wird über Nacht ein gütiger, hilfsbereiter
Mensch. Davon erzählt Charles Dickens in
seiner weihnachtlichen Geistergeschichte.
Obwohl gar nicht erwähnt wird, aus
welchem Anlass wir Weihnachten feiern,
so zeigt die Erzählung
doch, was an diesem
Fest so berührt. Gott
kommt in die Welt,
und da merken die
Menschen, was es
heißt, ein Mensch zu
sein.

Der Neffe von Ebenezer
Scrooge sagt:
„Weihnachten ist doch
die einzige Zeit im
Jahr, in der Frauen und
Männer gleichermaßen
ihre sonst so verschlossenen
Herzen
öffnen und aufhören,
ihre Mitmenschen danach
zu beurteilen,
ob sie höher oder niedriger gestellt sind
als sie selbst. In dieser schönsten Zeit des
Jahres sehen die Menschen einander an
als das, was sie eigentlich sind: Geschöpfe,
die gemeinsam durchs Leben gehen.“
Weihnachten lässt die Herzen erweichen,
weil wir angesichts des Gotteskindes
merken, dass wir alle Gottes Kinder
sind. „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede
auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen.“
(Lk 2,14)

 
Eine frohe Advents- und Weihnachtszeit
wünscht Ihnen
Hilke Bauermeister

KONTAKT

Hilke Bauermeister

Arbeitsbereich in der Kirchengemeinde: 
Pastor/-innen
Hilke
Bauermeister
Pastorin
Berliner Ring 19
27356
Rotenburg
Tel.: 
(04261) 961 33 90
Sa. 01.12.18
Advent, Advent … Worauf warten?
KDA (Kirchlicher Die…
Advent, Advent … Worauf warten?

Ist doch klar, auf Weihnachten und auf Ferien! Auf
Geschenke und gute Gefühle. Mindestens für unsere
Kinder trifft das hoffentlich ungebrochen zu.
Und wir Erwachsenen? Das kommt darauf an. Vielleicht
überstrahlt ein in naher Zukunft liegendes
Ereignis alles andere: Wir feiern in wenigen Wochen
unsere Hochzeit. Wir treten die lang ersehnte
Arbeitsstelle an. Wir begleiten unseren Vater beim
Sterben.

 
Für die meisten von uns wird es solche Eindeutigkeit
dessen, auf das sie warten, nicht geben. Sie warten
vielleicht auf nichts. Das Leben geht seinen Gang,
hat seine Hochs und Tiefs und ist insgesamt ein schönes
Leben. Das ist ja schon eine ganz Menge. Und
bei dankbarem Gemüt stellt sich Zufriedenheit ein.
Mit dieser Haltung bewegt man allerdings nichts.
Wenn es gut geht, bleibt der status quo erhalten.
Wenn nicht, gebe ich mich schicksalsergeben dem
was kommt hin.

 

Und mit weniger dankbarem Gemüt? Warte ich vielleicht
auch auf nichts, finde mich mit der Situation
ab, wie sie ist, bin aber eher unzufrieden. Und ich
habe Erklärungen dafür, warum so vieles so schlecht
läuft und weiß, was passieren müsste, damit alles
schnell besser wird: Die Politiker ..., die Chefs …, die
Kirche …, die Flüchtlinge … Und wenn das Gemecker
zu Ende ist, mir keiner mehr zuhört, setze ich mich
mit Bier und Chips aufs Sofa …

 

Ob wir darauf warten oder nicht, es kommen Ereignisse
auf uns zu. Das sind private, persönliche und
auch solche, die viele Menschen auf einmal betreffen
werden oder sogar den ganzen Planeten. Wir
haben grundsätzlich zwei Möglichkeiten, uns darauf
einzustellen: „Immer kommen lassen, wird schon
schiefgehen, kann man sowieso nicht ändern.“ Oder
wir krempeln die Ärmel auf, überzeugt davon, dass
es auch an uns liegt, was da auf uns zukommt und
wie, ob es uns umhaut oder ob wir es mitgestalten.
Unsere Familie, unser Ort, unser Land, unser Planet
lebt von Leuten, die anpacken, die kleinen Booten
und großen Tankern mit falschem Kurs Stück für
Stück neue Richtungen geben. Die Stubenhocker
wissen natürlich, dass das alles nicht reicht, dass die
anderen Schuld haben … Aufstehen, mitmachen, mit
Gleichgesinnten Kompromisse finden: Alles anstrengend!
Wer sich trotzdem darauf einlässt, erlebt nicht
selten ein Wunder: Die befürchtete Anstrengung
verkehrt sich in einen Kraftquell, Freundschaften
entstehen, neue Perspektiven stellen sich ein, Hoffnung
wächst, das Leben macht Sinn. Tausende von
Bürgerinitiativen, Vereinen, Kirchengemeinden
können das bezeugen.

 
Advent, das will uns ermutigen: Hoffnung ist begründet,
trotz der Katastrophen, die wir vielleicht
auf uns zukommen sehen. Selbst wenn sie unausweichlich
wären, sind sie nicht endgültig. Wir können
etwas zum Besseren verändern und Gott wird
es tun.

 

 
WORTMELDUNG Dezember 2018
Autor: Reinhard Benhöfer, Referent für Umwelt- und Klimaschutz

Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt
Haus kirchlicher Dienste der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers
Advent, Advent … Worauf warten?
 

KONTAKT

KDA (Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt)

Haus kirchlicher Dienste der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers
Archivstraße 3
30169
Hannover
Tel.: 
(0511) 1241-449
So. 25.11.18
Wie weit ist mein Horizont?
Thomas Steinke
Wie weit ist mein Horizont?

Kopfkino: Ich stehe am Meer, frische Luft, gelblich-roter Himmel, der Horizont eine klare Linie, hinter der die Sonne als feuriger Ball verschwindet. Ich liebe es, diese Weite. Sie stellt mein kleines Leben und meine kleine Welt in einen großen Zusammenhang.

Auf einmal tauche ich wieder auf, mitten in meinem Alltag. In meiner privaten Welt, in der es um meine Familie, um mich, um unsere Freundinnen und Freunde geht. In der sich alles um unser persönliches Wohlergehen dreht. Zumindest in dem Sinn, dass die Dinge funktionieren und wir größere Katastrophen möglichst von uns fernhalten. Mein Horizont: Bis zum Gartenzaun?

Und manchmal auch nur bis zum Abend? Weil jeder Tag seine eigenen Herausforderungen hat und mich voll und ganz fordert. Abarbeiten von Listen, was alles zu erledigen ist. Leben von der Hand in den Mund.

Auch gesellschaftlich? Wie weit ist unser Horizont da eigentlich? Setzen wir uns nur für unsere eigene Berufs- oder Interessensgruppe ein, für unsere eigene Altersgruppe? Was ist mit den anderen? Mit den nachfolgenden Generationen oder mit den alten Menschen? Und mit denen hinter unserer Landesgrenze oder die von dort zu uns gekommen sind?

Und unser kirchlicher Horizont, reicht der nur bis zum eigenen Kirchturm? Und die Nachbargemeinden, die anderen Konfessionen oder die Menschen anderer Religionen und Weltanschauungen interessieren uns nicht wirklich?

In diesen Tagen zwischen Volkstrauertag und Ewigkeitssonntag tritt sie uns entgegen, die Frage nach unserem Horizont. „Herr, lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, damit wir klug werden“, heißt es in Psalm 90, Vers 12. Im Horizont meines begrenzten Lebens rücken sich die Dinge heilsam zurecht. Überlege ich, was mir wirklich wichtig ist. Wofür und wem ich verantwortlich bin. Wozu ich eigentlich lebe, worauf ich am Ende einmal zurückblicken möchte: Dass Menschen Vorrang haben vor Dingen, dass Beziehungen wichtiger sind als alles Materielle. Dass der Horizont meiner Verantwortung weiter ist als meine engen Grenzen. Dass ich nicht zuerst als Vertreter der Institution Kirche in Erinnerung bleiben möchte. Sondern als Freund von Jesus Christus, durch den andere etwas von seiner Liebe erfahren haben.

Und doch ist die Grenze meines eigenen Todes nicht der letzte Horizont für mich: Hinterm Horizont geht's weiter. Darum nochmals Kopfkino – nein, viel mehr: Versprechen des auferstandenen Jesus Christus an alle, die ihm vertrauen: „Wenn die Sonne Deines Lebens sinkt, dann werde ich da sein. Hinterm Horizont warte ich auf Dich, in der neuen Welt Gottes, in der Ewigkeit.“
Was für ein grenzenloser Horizont! Ich liebe diese Weite!

KONTAKT

Thomas Steinke

Arbeitsbereiche im Kirchenkreis: 
Mission, Ökumene und Partnerschaft
Thomas
Steinke
Pastor für Gemeindeinnovation in den Kirchenkreisen Rotenburg und Bremervörde-Zeven
Querweg 2a
29640
Schneverdingen
Tel.: 
(05193) 9662586
So. 18.11.18
"Suche Frieden und jage ihm nach"
Rolf Hirte
"Suche Frieden und jage ihm nach"

Es ist Volkstrauertag, ein Feiertag, an dem in vielen Ortschaften unseres Landes an die gefallenen Soldaten der Weltkriege und der Kriege unserer Tage gedacht wird. Ebenso wird in den Gedenkfeiern an das Leid der verschleppten, verletzten und getöteten Zivilisten und an alle Opfer von Gewaltherrschaft erinnert.

Die Opfer von Krieg und Gewalt mahnen uns, immer wieder für den Erhalt des Friedens und die Ermöglichung friedlichen Miteinanders zu arbeiten. Gerade heute scheint mir das besonders wichtig zu sein. In den Jahren des „Kalten Krieges“, war für viele Krieg zu führen einfach undenkbar, weil ein nuklearer Krieg millionenfachen Tod und das Ende der uns bekannten Zivilisation bedeutet hätte.

Heute scheint es mir für immer mehr Menschen wieder denkbar zu werden, mit kriegerischen Mitteln die eigenen politischen Ziele durchzusetzen. Aber Frieden lässt sich auf die Dauer nicht mit Gewalt sichern. „Suche Frieden und jage ihm nach“. So heißt es in der Bibel in Psalm 34. Frieden kann schnell entschwinden, darum muß man ihm nachjagen. Das ist anstrengend. Aber es lohnt sich. Vertrauen aufbauen und stärken, lernen wie man Konflikte lösen kann ohne Gewalt.

Und das passiert ja auch schon: bei Schüleraustausch und Städtepartnerschaften, guten Handelsbeziehungen und Kulturaustausch mit anderen Nationen. Ich wünsche uns allen einen langen Atem und viel Phantasie für viele Projekte, die Menschen aus aller Herren Länder zusammenbringen, um gemeinsam Probleme zu lösen und um gemeinsam zu feiern.

Und so mag aus dem Gedenken am Volkstrauertag dann in der Zukunft etwas Frohes erwachsen.

KONTAKT

Rolf Hirte

Arbeitsbereiche im Kirchenkreis: 
Diakonische Einrichtungen
Rolf
Hirte
Klilnikseelsorger am AGAPLESION DIAKONIEKLINIKUM ROTENBURG
Elise-Averdieck-Straße 17
26365
Rotenburg (Wümme)
Tel.: 
(04261) 77-36 63
So. 11.11.18
Wie von Zauberhand
Ole Peyk
Wie von Zauberhand

Immer am Abend des 11. Novembers lag da wie von Zauberhand dieses kleine Tütchen, zugebunden mit einen goldenen Bändchen, auf meinem Kopfkissen. In jedem Jahr war das so, in dem ich als Kind und Jugendlicher noch zu Hause bei meinen Eltern lebte. Gefüllt mit ein wenig Schokolade, den ersten Marzipankartoffeln, Lebkuchenherzen und Pfefferkuchen. Für mich begann mit diesem kleinen Tütchen immer die dunkle, gemütliche und besinnliche Jahreszeit. Morgen ist wieder der 11. November und ich werde mich an diese Tradition meiner Familie und an den dazugehörigen Grund erinnern. Morgen ist St. Martin.

Mit diesem Tag werden viele unterschiedliche Bräuche verbunden. Die Martinsgans oder der Laternenumzug mit Liedern durch die Stadt oder das Dorf. Sie alle erinnern an den heiligen Martin von Tours und seine Geschichte. Die Geschichte, die in einer bitterkalten Nacht spielt, in der der damalige Soldat seinen Mantel mit einem Bettler teilte. Dieses Ereignis veränderte das Leben von Martin grundlegend. Er ließ sich taufen, kündigte als Soldat und wurde Mönch. Diese Geschichte verbinde ich mit einem Vers aus der Bibel. „Weigere dich nicht, dem Bedürftigen Gutes zu tun, wenn deine Hand es vermag.“ - (Sprüche, 3,27). Martin hatte damals als Soldat weder Geld noch Nahrung bei sich, um das ihn der Bettler anflehte. Lediglich seine Waffen und Soldatenkleidung. So gab Martin das, was er in diesem Moment konnte. Das, was seine Hand vermochte. Ein Teil des Mantels erhielt der Bettler, mit dem anderen wärmte er sich selbst. Jeder kann etwas geben. Die eine Hand etwas mehr als die andere. Aber alles ist ausreichend. Es ist die Tat an sich, die das Handeln wertvoll macht.

Es ist nur ein kleines Tütchen mit goldenem Bändchen gewesen. Verbunden mit der jährlich wie von Zauberhand wiederkehrenden Überraschung, mit dem St.-Martins-Tag und der Geschichte, hält es aber die Erinnerung wach, dass selbst Kleinigkeiten etwas bewirken und große Freude bereiten können. Amen.

KONTAKT

Ole Peyk

Arbeitsbereiche im Kirchenkreis: 
Jugendarbeit
Arbeitsbereich in der Kirchengemeinde: 
Diakon/-innen
Gemeindegruppen
Arbeitsbereich in der Kirchenregion: 
Diakon/-innen
Kirchengemeindeverband
Ole
Peyk
Kinder- und Jugendarbeit der Kirchenregion Rotenburg
Am Kirchhof 9
27356
Rotenburg (Wümme)
Tel.: 
(04261) 3741
Do. 01.11.18
Und ich sah die heilige Stadt, das neue…
Monatsspruch
Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus

Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen, bereitet wie eine geschmückte Braut für ihren Mann. 

Offb 21,2 (L)

Bisherige Predigten oder Andachten finden Sie unter: https://www.kirche-rotenburg.de/leben-glauben/geistliche-impulse/andachten

KONTAKT
So. 28.10.18
Endlich frei
Lotte Blattmann
Endlich frei

Endlich frei, das werden am nächsten Mittwoch viele sagen. Schulfrei, arbeitsfrei.

„Freiheit, schöner Götterfunke“ sangen Chöre aus aller Welt im Jahr 1989 voller Freude über den Mauerfall und dichteten so Beethovens „Ode an die Freude“ um. Freiheit ist eine Sehnsucht. Jeder, der einmal von einer Reise geträumt hat, weiß das. Freiheit gehört zum Reformationstag.

Wie bitte: Freiheit und Kirche? Ist die Kirche nicht voller Regeln? Ich sehe das nicht so. Heutige Gottesdienste sind meistens nicht langweilig oder unfrei. Und wenn das einmal so ist, dann ist das nicht im Sinne des 'Erfinders'. Denn über Jesus heißt es in der Bibel: „Zur Freiheit hat uns Christus befreit!“ (Gal 5,1). Martin Luther kritisierte deshalb jede Unfreiheit in der Kirche und predigte: „Du musst nichts leisten, um geachtet zu werden. Du bist geliebt, auch wenn du ganz und gar nicht perfekt bist. Egal, wie viel du besitzt oder wie intelligent du bist: Jeder zählt gleich viel für Gott.“ Das zu glauben befreit, über dem Leistungsdruck zu stehen.

Wussten Sie, dass Martin Luther eigentlich gar nicht Martin Luther hieß? Am 11. November 1483 wurde er auf den Namen Martin Luder getauft, Luder, wie seine Eltern. Bis zum Jahr 1517 nannte er sich so. Bis zum Thesenanschlag, dem Beginn der Reformation. Von diesem Zeitpunkt an nannte er sich Luther. Nicht, weil das besser klingt. Sondern weil im Namen „Luther“ das griechische Wort „eleutheria“ anklingt, auf Deutsch: Freiheit. Martin Luther: der Befreite, der von Freiheit redet.

Einmal mitten in der Woche verschnaufen und einatmen, das tut gut. Freiheitsluft. Sehen wir uns im Gottesdienst am Reformationstag? Endlich frei, das wäre schön!

KONTAKT

Lotte Blattmann

Lotte
Blattmann
Pastorin in Fintel
Sa. 06.10.18
Wos is?
Dr. Matthias Wilke
Wos is?

„Alois Hingerl, Dienstmann Nr. 172 am Münchner Hauptbahnhof, erledigte einen Auftrag mit solcher Hast, daß er vom Schlag getroffen zu Boden sank und starb. Zwei Engerln schleppten ihn mit vieler Mühe in den Himmel, wo er vom Heiligen Petrus empfangen wurde.“ So beginnt die Geschichte von Ludwig Thoma „Ein Münchner im Himmel“. „Petrus ... überreichte ihm eine Harfe und machte ihn mit der himmlischen Hausordnung bekannt: "Von morgens 8 Uhr bis mittags 12 Uhr: frohlocken; von mittags 12 Uhr bis abends 8 Uhr: Hosianna singen."“ Alois aber verstand nicht recht und fragt nur: „Wos is?“

Morgen zwischen 8 Uhr und 12 Uhr werden wir frohlocken – in unseren Kirchen, mit Orgel und Posaunen – Alois aber wird fragen: „Wos is?“

Alois Hingerl erledigte seine Arbeit sein Leben lang mit solcher Hast, dass er … und dann findet er sich im Himmel wieder und soll nun dauern nur dankbar sein. Zu viel verlangt – von Alois. War er doch tagein tagaus mit ganz viel anderem beschäftigt, fühlte sich eher als Nummer denn als Engel. Er rannte von da nach dort, war stets zu Diensten und schulterte, was es zu tun galt. In der wenigen freien Zeit aber, die er hatte, da wollte er dann einfach nur mal sitzen, beim Maß oder Stamperl und ohne Bewegung. Da war er zum bewusst dankbaren „Luhja singen“ einfach zu müde.

Morgen zwischen 8 Uhr und 12 Uhr sitzen hunderte von Menschen in unseren Kirchen und hören und singen. Bestimmt sitzen viele von uns darunter, die eigentlich nur müde sind. Viel gelaufen, viel gekümmert und jetzt – „Wos is?“

Feiertag ist! Ernte-Dank! „Ich danke dem HERRN von ganzem Herzen“ (Psalm 111). Denn er gibt mir Kraft. Ich esse, trinke, liebe, lebe – und bin bei Dir. Danke!

KONTAKT

Dr. Matthias Wilke

Arbeitsbereich in der Kirchengemeinde: 
Pastor/-innen
Arbeitsbereich in der Kirchenregion: 
Pastor/-innen
Matthias
Wilke
Pastor
Westerwalseder Straße 7
27386
Kirchwalsede
Tel.: 
(04269) 9320121
Fax: 
04269-2187
Di. 02.10.18
Zurück zur Quelle des Lebens
Lars Rüter
Zurück zur Quelle des Lebens

An seinem Grab war ein Blumenmeer. Wunderschöne Kränze, Ausdruck der Verehrung und Anerkennung. Ehrendes Andenken bewahren, so stand es später in der Zeitung. Und ein paar Tage später: Ein trauriger Anblick, die ganze schöne Pracht war dahin. Das kann man nur noch entsorgen.

Verwelkende Menschen lassen sich zuweilen liften. Als würde das den Prozess des Verwelkens aufhalten können. Wie schnell das ehrende Andenken verwelkt, ist nicht so klar zu erkennen, aber es verwelkt. Das ist der Lauf der Zeit. Wenn die Kränze auf dem Grab entsorgt sind, wird man es bepflanzen. Was bleibt? Erinnerung? Vergessen? Nichts?

In diesen Wochen, in denen die Natur verwelkt und stirbt und uns an unserer Vergänglichkeit erinnert, werden wir uns unserer Sehnsucht bewusst, dem Kreislauf der Natur zu entrinnen. Wir wollen nicht nur Material für neues, entstehendes Leben sein. Wir sehnen uns nach Geborgenheit in der Verlorenheit.

Wie gut, von dem Gott zu wissen, der am Anfang der Welt sprach: „Lasset uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei…“ Und der am Ende spricht: „Kommt wieder, Menschenkinder!“ Zurück zur Quelle des Lebens.

KONTAKT

Lars Rüter

Arbeitsbereiche im Kirchenkreis: 
Archivpflege
Arbeitsbereich in der Kirchengemeinde: 
Pastor/-innen
Lars
Rüter
Pastor
An der Kirche 3
27389
Lauenbrück
Tel.: 
(04267) 274
So. 23.09.18
Grundgesetz und Nächstenliebe
Roger Moch
Grundgesetz und Nächstenliebe

Die Vorkommnisse in Chemnitz verunsichern nicht nur die Bürgerinnen und Bürger, sondern auch die Politikerinnen und Politiker in unserem Land. Ich habe das Gefühl, dass auf allen Seiten eine große Ratlosigkeit herrscht. Keiner überblickt so recht, wie man auf den Mord an einem 25-jährigen Deutschen, mutmaßlich von Migranten begangen, reagieren soll. Rechtsgesinnte machen Stimmung gegen Migranten, der Verfassungsschutz äußert sich über die „Bildzeitung“ mit noch zu beweisenden Vermutungen. Kanzlerin Merkel wird vorgeworfen: „Wir schaffen das nicht“. Parolen und Worthülsen kursieren überall im Land und im Netz.

In einem Telefongespräch mit meinem fast 93-jährigen Vater sprach er davon, dass er sich durch die jetzigen Ereignisse an die Zeit kurz vor der Machtübernahme Hitlers erinnert fühle. Damals, sieben Jahre alt, in Berlin aufwachsend, könne er sich gut daran erinnern, wie die SA (Sturmabteilung der NSDAP) als reine Schlägertruppe für provozierte Zusammenstöße mit linksgerichteten Parteien und anderen sorgte. Vielfach arteten die in brutale Straßenkämpfe aus. Weiter erinnere er sich, dass fast jeden Nachmittag ein nebenan wohnender Postbote, der bei der SA war, völlig zerbeult und blutend nach Hause kam.

Noch hat keine erneute „Machtergreifung“ stattgefunden. Aber nationalsozialistisches Vokabular kursiert, teilweise unbestraft, immer wieder in unserer Gesellschaft.

Dabei haben wir staatlicherseits oder von religiöser Seite, ob gläubig oder nicht gläubig, zwei ganz eindeutige Grundsätze in unserem Land, nach denen wir handeln sollen. Das Liebesgebot des Neuen Testamentes „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ (Mk 12,32 ff). Und die Artikel eins bis drei unserer Verfassung: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt. Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich. Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.

Das sollte als Kompass für gesellschaftliches Handeln in den Mittelpunkt rücken.

KONTAKT

Roger Moch

Arbeitsbereiche im Kirchenkreis: 
Schulpastor/-innen
Weltanschauungsfragen
Roger
Moch
Schulpastor
Schmezer-Str. 8
27283
Verden
Tel.: 
(04231) 9378888
So. 16.09.18
Lastenträger
Jens Ubben
Lastenträger

Von „Sherpas“ war oft die Rede, letztes Jahr beim G-20-Gipfel in Hamburg. Von den erfahrenen Chefunterhändlern also, die bis kurz vor dem Ziel Kompromisse berieten. Die schon Monate vorher über Vereinbarungen verhandelt hatten und nun die letzte Kurve vor dem Gipfel ihren Vorgesetzten überließen. Die Lastenträger der großen Politik.

In der Welt der Bergsteiger kennt man den Begriff schon lange, erfuhr ich: Sherpas sind Lastenträger, die die Wege zu den ganz großen Gipfeln kennen. Die sich als Gepäckträger engagieren lassen. Die unterwegs die Knochenarbeit machen und ihren Auftraggebern dann die Ziellinie überlassen. Sherpas machen sich kaputt, damit andere ihr Ziel erreichen. Aber das gehört dazu. Schließlich verdienen sie damit ihr Geld. Leistung für Gegenleistung.

Die Sherpas kamen mir wieder in den Sinn, als ich letzte Woche über einen Abschnitt aus dem Neuen Testament nachdachte: „Einer trage des anderen Last!“ ermutigt der Apostel Paulus! Hat er einen Tauschhandel vor Augen? Soll das Miteinander optimiert werden? Jeder trägt einen Teil bei, und alle profitieren, indem sie gleichwertigen Einsatz erbringen?

„Einer trage des anderen Last“: Im Neuen Testament höre ich eine andere Motivation. Der schönste Beweggrund ist nicht, dass ich eine Gegenleistung erwarte, sondern dass ich mich innerlich leicht, entlastet erlebe und deshalb aktiv werden möchte! Dahinter steht die Überzeugung: Jesus Christus selbst hat sich zu meinem Lastenträger gemacht. Ohne dass ich ihn gebucht oder bezahlt hätte. Er will mir den Rücken freihalten von dem, was ich so mit mir rumschleppe. Von der Last, Ansprüchen nicht zu genügen. Von der Last, mich selbst rechtfertigen zu müssen, für alles Mögliche, vor allen Möglichen, vor mir selbst. Grundlegende Lasten hat mir jemand vom Rücken genommen!

„Einer trage des anderen Last“: Lieber nicht, weil ich auf die Gegenleistung spekuliere. Besser auch nicht, weil ich meine, das tun zu sollen. Am besten doch, weil ich selber Entlastung erfahren habe!

KONTAKT

Jens Ubben

Arbeitsbereich in der Kirchengemeinde: 
Gemeindebrief
Pastor/-innen
Jens
Ubben
Pastor
Große Straße 16
27383
Scheeßel
Tel.: 
(04263) 4920
So. 09.09.18
Sondermüll
Hartmut Nack
Sondermüll

Deutschland soll ja Weltmeister im Mülltrennen sein. Nirgends wird so genau darauf geachtet, dass der Müll genau in die Tonne kommt, die für ihn vorgesehen ist. Das ist gut für die Umwelt, kann aber auch manchmal etwas nervig sein, wenn man mal nicht so genau weiß, welcher nun der richtige Ort für diesen oder jenen Müll ist. Trotzdem lohnt es sich, darauf zu achten. Müll muss ja schließlich richtig entsorgt werden.

Aber wir sind damit auch noch nicht am Ende. Zu viel Verpackungsmüll oder Mikroplastik sind immer noch eine hohe Belastung für die Umwelt. Wir können in unserem Umgang mit dem Müll immer noch besser werden. Und dann gibt es ja auch immer noch die Sachen, die wir gar nicht so richtig loswerden wollen. Eigentlich sollte ich mich davon trennen,aber so richtig komme ich nicht dazu. Aber dann kann es doch diesen kurzen richtigen Moment geben. Die alte Tasse mit dem Riss sehe ich im Schrank stehen und ohne groß darüber nachzudenken, landet sie endlich im Müll. Dann ist es gut, dass ich mich überwinde und das Alte wegwerfe.

Schwieriger ist es da aber mit anderen Dingen. Mit Sachen, die ich mir schon lange angewöhnt habe oder schon lange mit mir rumtrage. Vor allem Sorgen können so etwas sein. Das, was ich länger schon im Kopf oder im Herzen hin und her bewege, und was dann schon mal zu schlechter Laune führt oder mich sogar schlechter schlafen lässt. Da ist es gut, wenn ich auch da den richtigen Ort kenne,wo ich so etwas wegwerfen kann.

Der Wochenspruch für die kommende Woche hat da eine gute Empfehlung. Zu Jesus Christus kann ich mit meinen Sorgen kommen und sie da auch einfach mal wegwerfen. „All eure Sorge werft auf ihn, denn er sorgt für euch“ (1. Petrus 5,7).

KONTAKT

Hartmut Nack

Arbeitsbereich in der Kirchengemeinde: 
Gemeindegruppen
Mitarbeit im Gottesdienst
Pastor/-innen
Hartmut
Nack
Vikar in Kirchwalsede
So. 02.09.18
#ZSMMN?
Anja Bohling
#ZSMMN?

#ZSMMN – so lautete das Motto der deutschen Fußball-Nationalmannschaft bei der diesjährigen WM. Das aktuelle Fazit des Trainers: Es sei nicht gelungen, einen „Teamspirit“ zu schaffen. Zu dem Motto gab es ein passendes Lied von den Fantastischen Vier zusammen mit Clueso. In dem Video dazu setzt der Manager den Fanta 4 einen jungen Künstler vor die Nase, um die Verkaufszahlen zu steigern. Die Fanta 4 sind verärgert und zeigen das Clueso deutlich. Bei den Aufnahmen zum Video machen sie gute Miene zum bösen Spiel – hinter den Kulissen kracht es gewaltig. Nichts ist mit „Denn nur zusammen ist man nicht allein, komm lass uns alles miteinander teil‘n“, wie es im Lied heißt. Wie sieht es bei uns selbst aus? In unseren Bezügen zu anderen Menschen? In diesen Tagen finden Menschen neu zusammen: Erstklässler in der Schule, Schul- bzw. Klassenwechsel, Auszubildende in der Firma, Start ins Studium. Überall gibt es Gruppen, die bunt zusammen gewürfelt sind: Es kommen unterschiedliche Ansichten und Erfahrungen, soziale und geografische Herkunft, junge und ältere Personen zusammen. Konflikte sind dabei normal, die Frage ist nach dem Umgang damit. Im besten Fall werden Konflikte für alle Beteiligten gelöst. Das ist Voraussetzung für ein echtes Miteinander, ein echtes Zusammensein! In dem Video von „Zusammen“ sieht man am Ende auf dem T-Shirt von Clueso das Wort „NEUANFANG“. Voraussetzung dafür ist, dass wir einander so annehmen wie wir sind und anderen eine Chance geben. Leicht gesagt… In der Bibel werden wir dazu im Römerbrief ermutigt: „Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Lob.“ (Römer 15,7) Lassen Sie sich davon ermutigen, jeden Tag einen Neuanfang mit Ihren Mitmenschen zu starten. Ich bin mir sicher: Das ist der Anfang für ein gutes #ZSMMN!

KONTAKT

Anja Bohling

Arbeitsbereich in der Kirchenregion: 
Diakon/-innen
Anja
Bohling
Diakonin
Kirchstraße 9
27367
Sottrum
Tel.: 
(04264) 836241
Sa. 01.09.18
Gott hat alles schön gemacht zu seiner Zeit…
Monatsspruch
Gott hat alles schön gemacht zu seiner Zeit, auch...

Gott hat alles schön gemacht zu seiner Zeit, auch hat er die Ewigkeit in ihr Herz gelegt; nur dass der Mensch nicht ergründen kann das Werk, das Gott tut, weder Anfang noch Ende.  Pred 3,11 (L)

 

 

Bisherige Predigten oder Andachten finden Sie unter: https://www.kirche-rotenburg.de/leben-glauben/geistliche-impulse/andachten

KONTAKT
Mi. 29.08.18
AN(GE)DACHT
Klaus Priesmeier
AN(GE)DACHT

Ernte-Dank-Momente

Der Spruch fiel mir nicht nur in die Augen, ich behielt ihn in meinen Gedanken: „Das Tischgebet ist das Erntedankfest des Alltags.“ Die Frage ist nur: wer eigentlich feiert dieses alltägliche Erntedankfest? Wer sieht, was er isst, als Gabe Gottes und der Menschen an – und nicht nur als etwas, das er sich als Kunde kauft? Und meint, deswegen habe er doch ein Recht darauf. Aber das ist ja wohl nicht alles, was hier wichtig ist!

Ich weiß auch noch, wie ich zusammenzuckte. Ich biss gerade genussvoll in eine Wurst – und hörte jemanden rufen: „Igitt, totes Fleisch!“ Da wurde es mir spontan wieder bewusst: um zu leben verzehre ich – Leben! Leben, das für mich sein Leben lässt. Seien es nun Pflanzen oder Tiere. Leben lebt vom Leben. Ist das nicht Anlass genug, mal einzuhalten? Nicht nur zuzugreifen, sondern einen Moment inne zu halten, sich dieser Zusammenhänge wieder bewusst zu werden. Und: zu danken. Zu danken, dass ich leben soll und leben darf. Dass ich genährt werde. Und da steckt mehr drin als meine Kaufkraft. Der Mensch ist noch mehr und anderes als Kunde. Ich bin lebendig und meine Lebendigkeit wird mir erhalten. Dafür wieder sensibel zu werden ist ein wichtiges und richtiges Ziel. Zu meiner Lebendigkeit brauche ich nicht nur Essen und Trinken. Das wusste auch Martin Luther. In seinem Kleinen Katechismus stellt er zur Vater-unser-Bitte  „Unser tägliches Brot gib uns heute“ die Frage: „Was heißt denn tägliches Brot?“ Und er antwortet: „Alles, was Not ist für Leib und Leben, wie Essen, Trinken, Kleider, Schuh, Haus, Hof, Acker, Vieh, Geld, Gut, fromme Eheleute, fromme Kinder, fromme Gehilfen, fromme und treue Oberherren, gute Regierung, gut Wetter, Friede, Gesundheit, Zucht, Ehre, gute Freunde, getreue Nachbarn und desgleichen.“

Mit „fromm“ meinte man damals nicht eine zur Schau getragene Religiosität. Es bedeutet so viel wie gut, rechtschaffen, ehrlich, verlässlich. Und das gegenüber Gott und den Menschen. Das sollte man wohl voneinander erwarten können. Aber jeder weiß, wie wenig selbstverständlich das dennoch ist. Und es ist immer ein
Grund zu Dank und Anerkennung. Wann haben Sie denn zum letzten Mal Ihrem Partner, Ihrer Partnerin „Danke“ gesagt, Ihr Kind gelobt, Ihren Nachbarn gesagt: „Schön, dass Ihr unsere Nachbarn seid!“ usw.!? Es gibt Situationen, da wird es mir eindrücklich und ich spüre: ich sollte mal „Danke“ sagen. Nur: tue ich es? Tue ich es, und sei es nur in einer Art Stoßgebet: Danke, Gott! Tue ich es, sage Danke auch einem anderen Menschen oder gebe ein Trinkgeld, wenn ich es kann? Das tut ja nicht nur dem anderen gut. Es stellt zugleich mich selber in eine Welt, in der man bemerkt, was geschieht, in der man es wahrnimmt und annimmt. Und darin auch sich untereinander.

Die wirklich wichtigen Dinge im Leben, die sind fast alle im Grunde ganz einfach. Dazu gehört: mir meine Angewiesenheit auf die anderen einzugestehen und frei werden, danke zu sagen. Es macht das Leben schöner. Denn es verbindet. Und der Dank kann uns miteinander auch mit Gott verbinden. Wer es tut, der merkt: mein Leben wird „rund“. Es passt. Und das macht schon wieder dankbar. Also, es lohnt sich, aufzumerken für die dankbaren Momente. Und sie auszuleben: Danke!

„Ein echtes Danke … ist immer ein Gebet!“ (Joachim Wanke)

„Nicht die Glücklichen sind dankbar. Es sind die Dankbaren, die glücklich sind.“ (Francis Bacon)

Kürzlich fiel mir ein Verkehrsschild in die Hände: Einbahnstraße. Es geht immer nur in eine Richtung – voran. Der Rat meines plattdeutschen Navis im Auto wirkt da ziemlich hilflos: „drei ümme – wenn ´t geiht“. Geiht nich! So gehen wir auch auf dem Lebensweg immer voran, und die Zeit meiner Vertretung in Visselhövede und Wittorf geht auch schon wieder zu Ende. Und der Ruhestand beginnt – mit dem Herbst, wie sinnig! Es war ein Privileg, Ihre schöne Kirche und die wunderbare Kapelle in Wittorf kennen lernen zu dürfen. Begegnungen mit Menschen in unterschiedlichen Situationen kommen dazu. Für das alles sage ich ein herzliches „Danke!“ Ich hoffe, die Stelle kann bald wieder regulär besetzt werden. Ihnen allen wünsche ich Gottes Geleit. In der St. Johannis-Kirche steht ganz oben auf dem Altaraufsatz der Name Gottes, in vier hebräischen Buchstaben. Eingedeutscht: jhwh. Dieser Name Gottes bedeutet etwa: ich bin der „ich bin da“; ich bin der, der mitgeht; ich bin der, als der ich mich erweise. Ein Wege-Gott. Nicht einer, der still steht, sondern einer, der mitgeht. Der vorangeht, zur Seite geht,
hinterher geht. Das Geleit dieses Gottes wünsche ich Ihnen und sage: Gott befohlen!

Ihr Klaus Priesmeier

KONTAKT

Klaus Priesmeier

Klaus
Priesmeier
So. 26.08.18
Paradies mit Baustelle
Alexa Wilke
Paradies mit Baustelle

Die Ferien sind vorbei, die Tage werden kürzer und die Autoschlangen am Morgen länger. Im Auto neben mir hängt ein Traumfänger am Spiegel. Unwillkürlich muss ich grinsen. Ich kenne diesen indianischen Schmuck aus Schlaf- und Kinderzimmern. Er soll schlechte Träume auffangen und gute bescheren. Ich schaue die Fahrerin von der Seite an. Sie sieht nicht so aus, als würde sie gleich einschlafen. Zum Glück. Nicht dass sie irgendwann mit besonders schönen Träumen schlafend weiterfährt.

Ich bin abgebogen und komme nun zügiger voran. Im Auto träumen. Wie viele von denen, die gerade auf dem Weg zur Arbeit sind oder zur Schule, träumen sich wohl in diesem Moment zurück in den Urlaub und in die schönen Sommertage ohne Verpflichtung? Das Leben kann so leicht sein. Ich höre mich seufzen.

Im Verlauf des Tages treffe ich meinen Kollegen, der den ersten Tag wieder im Dienst ist. Ich freu mich richtig, ihn zu sehen: „Schön, dass Du wieder da bist!“ Es steht einiges an, was gemeinsam geplant werden soll. Und jetzt geht es endlich los.

Auf der Heimfahrt denke ich an den Traumfänger im Nachbarauto. Und an die Urlaubsträume am Morgen. Immer so viel Freiheit haben wie in den Ferien, das wär‘s. Oder? Ich zögere: Wär blöd gewesen, wenn der Kollege einfach weggeblieben wäre.

Mein Kollege wird gebraucht hier, und auch ich habe meine Aufgaben. Sei es im Beruf, unter Nachbarn, in der Familie. Ja, mein Ferien-Ich fehlt mir. Aber mein Alltags-Ich hat seine ganz eigene Würde. „Bebauen und bewahren“ nennt die Bibel die täglichen Mühen (1. Mose 2,15). Etwas schützen, etwas wachsen lassen, Verantwortung tragen. Das gehört eben auch zu mir. Und für das Ferien-Ich reserviere ich den Sonntag.

KONTAKT

Alexa Wilke

Arbeitsbereiche im Kirchenkreis: 
Öffentlichkeitsarbeit
Arbeitsbereich in der Kirchengemeinde: 
Pastor/-innen
Arbeitsbereich in der Kirchenregion: 
Pastor/-innen
Dr. Alexa
Wilke
Pastorin der Stadtkirchengemeinde, Fundraisingbeauftragte im Kirchenkreis Rotenburg
Am Kirchhof 9
27356
Rotenburg //Postadresse: Westerwalseder Str. 7, 27386 Kirchwalsede
Tel.: 
(04261) 3061644
So. 12.08.18
War es das jetzt?
Martin Söffing
War es das jetzt?

Soll es das gewesen sein? So oder so ähnlich klingen Fragen wenn etwas zu Ende geht, wenn es ums Abschied nehmen geht. Schon höre ich die Frage als nach gefühlt wochenlanger Hitze der Himmel wieder bedeckt ist und die Temperaturen sinken – war es das jetzt mit dem Sommer?

Ernster klingt die Frage wenn Menschen zurückschauen. Auf eine Zeit, die zu Ende geht, wenn klar wird dass das Leben fortan nicht mehr so sein wird wie früher. Wenn plötzlich alles anders ist. Ein Lebensabschnitt, der zu Ende geht. Wenn eine Krankheit alles verändert, wenn die Hoffnung auf Heilung schwindet. Dann schauen wir zurück, ziehen Bilanz. Oft wird dann, in der Rückschau erst deutlich, was wichtig war, was und wen ich geschätzt, geliebt habe, worauf ich nicht verzichten mag.

Dieses Bilanzieren ist wichtig, es kann zeigen, wofür ich dankbar bin, was bisher geglückt ist, womit ich zufrieden bin. Und zugleich ist da angesichts einer größeren Veränderung auch die Aufgabe, mich neu zu arrangieren. Zu versuchen, mich auf die Situation einzulassen. Wenn das gelingt, lässt sich neu entdecken, was anders zwar als bisher, was aber dennoch gut und reizvoll ist. Diese Bereitschaft zur Veränderung ist nicht immer leicht. Und zugleich wissen wir, dass es mit dem Hüttenbauen nicht klappt, dass unser Leben ein Unterwegssein, Veränderung bedeutet.

Man sagt am Ende wird alles gut
Und wenn es nicht gut ist, kann es auch nicht das Ende sein, so heißt es in einem Song von Casper.

Ist es wirklich so einfach? Vermutlich nicht. Mir gefällt die Widerständigkeit, mit der es dort weiter heißt:

Am Ende wird alles gut
Und ist es nicht gut, ist es verdammt nochmal nicht das Ende
Nein

KONTAKT

Martin Söffing

Martin
Söffing
Pastor Klinikseelsorge AGAPLESION DIAKONIEKLINIKUM
Elise-Averdieck-Straße 17
27356
Rotenburg
Tel.: 
(04261) 77 - 2003
Fax: 
(04261) 77 - 2029
Mobil: 
(0172) 8450895
Mo. 06.08.18
Sommer für die Seele
Hilke Bauermeister
Sommer für die Seele

Bis zum 8. August haben die Schülerinnen und Schüler in Niedersachsen noch frei. Ferienzeit ist Urlaubszeit. Fahren Sie weg im Urlaub oder bleiben Sie zu Hause?

Was bedeutet eigentlich das Wort Urlaub? Im Wörterbuch steht, „Urlaub“ kommt von „Erlaubnis“. „Urlaub“ ist die „Erlaubnis, von der Berufsarbeit fernzubleiben“. Urlaub ist die Erlaubnis zum Ausspannen. Wer Urlaub hat, der darf für eine Weile aus dem Alltag aussteigen. Egal, ob man wegfährt oder zu Hause bleibt: Man kann sich all’ jenem widmen, was im täglichen Trott meistens unterbleibt: gemütlich frühstücken, ein gutes Buch lesen, lange Spaziergänge machen und nachdenken über sich und Gott und die Welt. – Sommer für die Seele hieße für mich, sich auch Zeit und Raum dafür zu gönnen, dem eigenen Dasein nachzuspüren: Die freie Zeit dafür nutzen, den Spuren nachzugehen, die Gott in unserem Leben hinterlassen hat. Da mag es Schönes und auch Schweres geben. Traurige Tage sind einem womöglich stärker im Gedächtnis als die schönen. Wir neigen schnell zum Vergessen. Das Schwere lässt vergessen, was es schon alles an Schönem und Gelungenem gab im Leben. In der Bibel heißt es: „Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.“ (Psalm 103,2) Manchmal muss man einen Augenblick innehalten, um sich an die schönen Stunden zu erinnern. Manchmal muss man einen Moment überlegen, bis es einem einfällt, wie viel Glück und Wohlergehen es für uns schon gab – trotz so mancher schweren Stunde. Dass Ihnen vieles einfällt, was Sie froh stimmt, und wofür Sie Gott danken mögen, wünsche ich Ihnen für Ihre Augenblicke des Innehaltens.

KONTAKT

Hilke Bauermeister

Arbeitsbereich in der Kirchengemeinde: 
Pastor/-innen
Hilke
Bauermeister
Pastorin
Berliner Ring 19
27356
Rotenburg
Tel.: 
(04261) 961 33 90
So. 01.07.18
Startup Kultur – eine Religion des 21.…
KDA (Kirchlicher Die…
Startup Kultur – eine Religion des 21. Jahrhunderts

Zu Beginn dieser Wortmeldung möchte ich Sie
auf eine Traumreise mitnehmen. Eine Reise, in der
farbenfrohe Helden, Einhörner und Engel gegen
einen grauen, mysteriösen Gegner kämpfen. Stellen
Sie sich den Gegner als einen sehr unbeweglichen,
vernebelten, alten Felsen vor, der sich von
Ungerechtigkeit, Leid und Inflexibilität ernährt. In
einer Höhle am Fuße des Felsens arbeitet ein Volk
an einem ausgeklügelten Plan, den uralten Felsen
zu vernichten. Das Volk besteht aus unzählig vielen
kleinen Figuren, in unterschiedlichsten Formen und
Farben. Sie wuseln und wirbeln. Und zwischen ihnen
galoppieren und fliegen die leuchtenden Helden,
Einhörner und Engel, die die Figuren delegieren.

Mythologie
Die Geschichte steht sinnbildlich für die Mythologie
heutiger Start-ups. Mal mehr, mal weniger ausgeprägt
geht es im Kern darum, die Welt zu verändern,
zu verbessern. Um die Start-up Welt von der herkömmlichen
zu trennen spielt das „Wording“ eine
besonders wichtige Rolle. Wer ein Unternehmen
unterstützt ist ein „Business-Angel“, große Konkurrenten
werden als „800 Pound Gorilla“ bezeichnet
und Start-ups kurz vor dem Börsengang werden
„Unicorns“ genannt.
Um die Mythen des Kulturareals praktisch zu untermauern,
finden Sie in jedem gut geführten Start-up
einen Kickertisch, eine Schale mit frischem Obst
und kostenlose Getränke. Und in Stellenausschreibungen
wird mit flachen Hierarchien, Teamevents
und dem Standort Berlin-Mitte geworben. Es wird
eine scheinbar völlig neue Welt kreiert, in der alles
bunt, frisch und locker ist.

Wirklichkeit
Nun nehmen wir die „Helicopter view“ ein und
stellen der Mythologie die tatsächlichen Arbeitsbedingungen
gegenüber. Ein Grundproblem sind
oftmals prekäre Beschäftigungsverhältnisse. Sie
sind befristet, versprechen eine schlechte Bezahlung
und begünstigen unbezahlte Überstunden.
Das meist knappe Budget der jungen Unternehmen
entschuldigt offensichtlich das Ersetzen fester
Mitarbeiter*innen durch unbezahlte Pflichtpraktikant*
innen. Ein ständiger Wechsel sowie die Befristung
der Mitarbeiter*innen vermitteln ein Gefühl
der Austauschbarkeit. Als Ausgleich dazu gibt es
aber mit Unterschrift des Arbeitsvertrages gleich
eine Reihe neuer Freunde dazu. Im Rahmen der
Start-up Mythologie findet eine bewusste Vermischung
von Privatem und Beruflichem statt.

Religion
Das alles wird für den Eintritt in eine junge, glitzernde,
coole Welt in Kauf genommen. Aber wie
funktioniert das? Menschen möchten im Leben
an etwas glauben, suchen nach Wegweisern und
möchten sich mit etwas schmücken. Früher bot dies
für viele Menschen die Kirche, die leistet es heute,
selbstkritisch betrachtet, für meine Generation kaum
noch. Warum eigentlich nicht?

 

 
WORTMELDUNG Juli 2018
Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt - Haus kirchlicher Dienste der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers
Laura Odile Rinderspacher, Referentin für den Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt
 

KONTAKT

KDA (Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt)

Haus kirchlicher Dienste der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers
Archivstraße 3
30169
Hannover
Tel.: 
(0511) 1241-449
So. 17.06.18
Grün
Hilke Bauermeister
Grün

Grün ist die Farbe der Natur und der Pflanzen. Im Internet kann man auch die Hinweise finden, Grün sei die Farbe der Frische und Natürlichkeit, und Grün sei die Farbe der Hoffnung und der Zuversicht. In alter Zeit war Grün auch das Sinnbild beginnender Liebe. In unserer Sprache gibt es noch Hinweise auf diese Bedeutung von früher: „Jemandem die grüne Seite zeigen,“ bedeutet, dass man sich freundlich und entgegenkommend verhält. Aber wenn man „jemandem nicht grün ist,“ dann heißt das, dass man den anderen nicht mag.

Ob es in den Ländern der Bibel auch viel Grün gibt? An der östlichen Mittelmeerküste? So viel grüne Natur wie bei uns? In Nordeuropa gibt es viele Wälder, viel Grün auch in Gärten und Parkanlagen. In der Bibel steht jedenfalls eine Geschichte über hervorsprießendes Pflanzengrün: „Jesus sprach: Womit wollen wir das Reich Gottes vergleichen, und durch welches Gleichnis wollen wir es abbilden? Es ist wie ein Senfkorn: wenn das gesät wird aufs Land, so ist’s das kleinste unter allen Samenkörnern auf Erden; und wenn es gesät ist, so geht es auf und wird größer als alle Kräuter und treibt große Zweige, so dass die Vögel unter dem Himmel unter seinem Schatten wohnen können.“ (Markus 4, 30-32)

Jesus spricht vom Hervorsprießen einer Senfstaude. Das Senfkorn ist überaus klein – man braucht mehr als 700 Samenkörner, bevor man nur 1 g beisammen hat – und aus diesen kleinen Körnchen wachsen Stauden von bis zu 3 m Länge hervor. So, sagt Jesus, so ist es auch mit dem Reich Gottes: Es ist da, klein und unscheinbar, und mit der Zeit wird es größer, bis es einmal groß und erhaben sein wird. Kleine Ursache, große Wirkung. – Bei Gott sind alle Dinge möglich.

KONTAKT

Hilke Bauermeister

Arbeitsbereich in der Kirchengemeinde: 
Pastor/-innen
Hilke
Bauermeister
Pastorin
Berliner Ring 19
27356
Rotenburg
Tel.: 
(04261) 961 33 90

Seiten