Andachten

Kurz innehalten. Sich für einen Moment besinnen, woher wir eigentlich kommen, was wichtig ist im Leben. Dabei helfen uns kurze Andachten. Die Pastorinnen und Pastoren des Kirchenkreises Rotenburg verfassen jede Woche zwei Zeitungsandachten für die Rotenburger Rundschau und die Rotenburger Kreiszeitung. Wir veröffentlichen sie hier und schaffen damit ein Archiv, auf das Sie zurückgreifen können, wann immer Sie möchten. Denn: Ihre Zeitung werfen Sie irgendwann in den Papierkorb. Die Andachten behalten jedoch ihre Gültigkeit jenseits der Tagesaktualität.

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Datum
Titel
Name
So. 04.02.18
Wochenspruch aus Psalm 95, zitiert im Brief…
Wochenspruch in zwei…
Wochenspruch aus Psalm 95, zitiert im Brief an die hebräische Gemeinde (Heb3,15)

Heute, wenn ihr seine Stimme hören werdet, so verstockt eure Herzen nicht. (Luther 2017)

Heute, wann immer ihr Gottes Stimme hört, verhärtet eure Herzen nicht. (Bibel in gerechter Sprache, 4.Auflage)

 

Mo. 01.01.18
Der siebte Tag ist ein Ruhetag,
Monatsspruch
Der siebte Tag ist ein Ruhetag,

Der siebte Tag ist ein Ruhetag, dem Herrn, deinem Gott, geweiht.An ihm darfst du keine Arbeit tun: du und dein Sohn und deine Tochter und dein Sklave und deine Sklavin und dein Rind und dein Esel und dein ganzes Vieh und dein Fremder in deinen Toren. Dtn 5,14 

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So. 07.01.18
Wochenspruch aus dem ersten Brief des…
Wochenspruch in zwei…
Wochenspruch aus dem ersten Brief des Johannes (1Joh 2,8b)

Die Finsternis vergeht und das wahre Licht scheint schon. (Luther 2017)

Denn die Dunkelheit vergeht und das wahre Licht scheint schon. (Bibel in gerechter Sprache, 4.Auflage)

Mo. 01.01.18
Neujahrspredigt von Landesbischof Dr.…
Stadtkirchengemeinde…
Neujahrspredigt von Landesbischof Dr. Heinrich Bedford-Strohm

Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.

 

Liebe Gemeinde,

wie kostbar Wasser ist, merken wir manchmal erst, wenn es uns fehlt. Ich selbst erinnere mich an eine Bergtour im Sommer, bei der ich den Wasserbedarf in der Sommerhitze völlig unterschätzt habe. Nach vier Stunden Aufstieg war mein Wasservorrat schon fast aufgebraucht. Und beim Abstieg wurde der Durst immer größer, jeden Schluck habe ich bewusst genommen. Und irgendwann genau eingeteilt, um es bis unten zu schaffen. Wenn ich nicht Begleiter gehabt hätte, die mit mir geteilt hätten, wäre ich wahrscheinlich nicht gesund angekommen.

Diese Erfahrung hat sich mir eingeprägt. Immer wieder, wenn ich Wasser trinke, denke ich daran und danke Gott dafür, dass er uns das Wasser schenkt. Und ich verstehe, welch ungeheure Zusage in dem Satz steckt, den wir als Jahreslosung mit in dieses neue Jahr nehmen dürfen: Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.

Denn schon unser körperliches Durstgefühl ist ja etwas ganz Grundlegendes. Erst recht das, was die Jahreslosung anspricht. Hier geht es um unseren Lebensdurst. Hier geht es um unsere ganze Existenz. Hier geht es um die Lebensquellen, die uns vor dem inneren Austrocknen bewahren.

Trinkwasser haben wir in unserem Land genug. Aber Quellen für die Seele fehlen uns. Woraus nähren wir uns? Das ist die vielleicht wichtigste Frage, wenn wir an diesem Tag in das neue Jahr 2018 gehen. Wir haben einige nachdenkliche Stimmen dazu gehört. Wir haben von dem Geschäftsmann gehört, der erst bei Sterben im Hospiz merkt, was er im Leben verpasst hat. Es ging immer nur um das Geschäft. Noch eine Filiale und noch mehr Arbeit. Ich habe - so stellt er dann traurig fest – „meine Kinder kaum gesehen und bin meiner Familie kaum begegnet.“

Wir haben von der Frau gehört, die sagt: ich will da nicht mehr mitmachen, beim Immer höher, immer schneller, immer weiter! Beim Immer-besser-werden-Müssen! Und wir haben von dem Clown gehört, der die Sehnsucht nach Leben überhaupt erst zu wecken versucht.

Aus welchen Quellen leben wir? Und welche Quelle kann unsere Sehnsucht wirklich stillen? Vielen Menschen geht es so, dass sie spüren: mit einem Leben, in dem der materielle und der berufliche Erfolg an erster Stelle stehen, verpassen wir das Eigentliche. Die Gesundheitsforscher sagen es schon lange: Ab einem bestimmten materiellen Niveau steigt die Lebenszufriedenheit nicht weiter an, wenn wir noch mehr haben. Die Zufriedenheit von Gesellschaften wird größer, wenn alle Menschen etwas vom Wohlstand haben. Auch die Reichen – so das erstaunliche Ergebnis der Forscher – sind dann zufriedener. Und die Glücksforscher sagen: Achten Sie auf Ihre sozialen Beziehungen! Kein schickes Auto und keine neue Couch kann die Liebe zwischen Menschen und die Gemeinschaft, die sie trägt, ersetzen!

Wir wissen das. Aber warum vergessen wir das so leicht? Weil die Erkenntnisse der Forscher und auch die entsprechenden Alltagserfahrungen vielleicht unseren Kopf, nicht aber die Seele erreichen. Deswegen ist der Satz der Jahreslosung so wichtig: Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst. Es ist ein Satz, der nicht nur an der Oberfläche zu uns spricht. Es ist ein Satz, der unsere Sehnsucht aufnimmt. Es ist ein Satz, der die Seele erreicht. Echte Lebensquellen basieren nicht auf guten Ratschlägen oder auf ausgeklügelten Strategien zum positiven Denken. Echte Lebensquellen kommen von dem, der uns alle geschaffen hat, der die ganze Welt geschaffen hat, der dich und mich mit seiner Liebe anstrahlt, so dass wir diese Liebe in uns aufnehmen und irgendwann selber ausstrahlen.

Alles, was wir tun müssen, ist, uns dafür zu öffnen, auf die kraftvollen Worte Gottes zu hören, sie in uns aufzunehmen, darüber nachzudenken, ihnen nachzuspüren, im stillen Gebet oder der Meditation, uns selbst leer zu machen und die göttliche Energie in uns aufzunehmen, gemeinsam mit anderen zu singen und uns von der Musik das Herz öffnen zu lassen für das, was Gott uns sagen will. Manche nennen das „Spiritualität“. Ich mag auch das alte Wort „Frömmigkeit“. Ich verbinde damit nicht Bigotterie, religiösen Zwang oder Heuchelei, sondern eine religiöse Praxis, die zu so etwas wie einer Schule der Freiheit werden kann, einem Weg zu den Quellen des Lebens, der Tür zu einem Leben mit Gott, das wahr macht, was die Jahreslosung uns verspricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.

Eine Neuentdeckung der Frömmigkeit öffnet uns den Blick auf die Fülle des Lebens. Das ist vielleicht das Wichtigste im Deutschland des Jahres 2018, einem reich gesegneten Land, in dem dennoch Knappheitsgefühle und Verlustangst überhand zu nehmen drohen.

Dass wir herausfinden aus dem Gefühl, zu kurz zu kommen. Und dass wir entdecken, aus welcher Fülle wir leben dürfen. Und die Fülle spüren, aus der wir leben dürfen.

An vielen Stellen spricht die Bibel von dieser Fülle: „Denn es hat Gott gefallen“, heißt es im Kolosserbrief (Kol 1,19), „alle Fülle in Jesus wohnen zu lassen.“ Johannes sagt: „Von seiner Fülle haben wir genommen Gnade um Gnade“ (Joh 1,16). Und Paulus spricht davon, wie die Erfahrung der Fülle uns offen macht für die Liebe zum Nächsten: „Gott aber kann machen, dass alle Gnade unter euch reichlich sei, damit ihr in allen Dingen allezeit volle Genüge habt und noch reich seid zu jedem guten Werk; wie geschrieben steht (…): »Er hat ausgestreut und den Armen gegeben; seine Gerechtigkeit bleibt in Ewigkeit.«“ (2. Kor 9,8f).

Manchmal sind es aber auch nicht Bibelworte, sondern Erfahrungen mit Menschen, die uns einen neuen Blick auf die Fülle und das Glück des Lebens gewähren..
Ich habe in den Tagen vor Weihnachten eine solche Erfahrung gemacht. Ich habe einen Menschen näher kennengelernt, der im Münchner Hauptbahnhof Straßenzeitungen verkauft. Sein Leben weist viele Brüche auf. Seinen ganzen Besitz hat er in ein paar Plastiktüten neben sich stehen. Die Nacht verbringt er jetzt im Winter an Orten im Bahnhof, wo es eine Wärmequelle gibt – oder in der Nachtlinie der Tram, die so lange fährt, dass ihn über Stunden niemand zwischendrin weckt. Er hat eine Monatskarte. Und als ich ihn frage: Können Sie so genügend schlafen?, antwortet er mir, fast überrascht über diese Frage: „Ja, klar! Ich komme zurecht!“ Er ist fest angestellt bei der Straßenzeitung und ist zufrieden. Er hat mir übrigens auch von Dresden erzählt, wo er geboren, aufgewachsen und zur Schule gegangen ist. Ich habe in dem ganzen Gespräch keine Klage gehört. Für mich war dieses Gespräch eine Schule der Demut.

Es gibt wahrhaft keinen Grund, Armut zu romantisieren, schon gar nicht, wenn man selbst dankbar für alle materielle Sorgenfreiheit ist. Aber nach der Begegnung mit diesem Mann am Münchner Hauptbahnhof habe ich immer wieder einmal darüber nachgedacht, wofür ich dankbar bin und was ich wirklich brauche, um zufrieden zu sein.

Der Satz von Dietrich Bonhoeffer, den wir vorhin gehört haben, hilft mir: „Es gibt erfülltes Leben trotz vieler unerfüllter Wünsche“. Der Satz stammt aus einem Brief an seinen Freund Eberhard Bethge vom 19. März 1944 aus dem Gefängnis. Immer wieder beeindruckt mich Bonhoeffers tiefe Frömmigkeit und sein mutiges Zeugnis im Widerstand gegen die Nationalsozialisten. Und ich glaube, dass es uns auch in unseren manchmal viel weniger dramatisch scheinenden Alltagsfragen helfen kann. In unseren Sehnsüchten und Wünschen immer wieder von neuem den Kontakt mit Gott zu suchen, all das, was uns bewegt, in Gottes Hand zu legen, zu spüren, dass Gott mit uns geht in den guten und in den schweren Zeiten, Frieden zu finden mit Gott und mit uns selbst, das ist erfülltes Leben.

Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst – sagt Gott. Und weist uns damit den Weg zu einem Leben mit den anderen, in dem niemand mehr zu kurz kommt, in dem wir, weil wir Zugang zum lebendigen Wasser finden, selbst zur Wasserquelle werden. „Wenn du in deiner Mitte niemand unterjochst“, sagt der Prophet Jesaja (Jes 58, 9-11), „und nicht mit Fingern zeigst und nicht übel redest, sondern den Hungrigen dein Herz finden lässt und den Elenden sättigst, dann wird dein Licht in der Finsternis aufgehen, und dein Dunkel wird sein wie der Mittag. Und der Herr wird dich immerdar führen und dich sättigen in der Dürre und dein Gebein stärken. Und du wirst sein wie ein bewässerter Garten und wie eine Wasserquelle, der es nie an Wasser fehlt.“

Das, liebe Gemeinde, ist die Vision, mit der wir in das Jahr 2018 gehen dürfen. Es wird Deutschland gut tun. Es wird der Welt gut tun. Es wird uns allen gut tun.
Und der Friede Gottes, der höher ist als alle unsere Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. AMEN

 

Neujahrspredigt von Landesbischof Dr. Heinrich Bedford-Strohm

1. Januar 2018 "Lebendiges Wasser"

Ev.-Luth. Frauenkirche Dresden

Quelle: https://rundfunk.evangelisch.de/kirche-im-tv/zdf-gottesdienst/lebendiges...

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Mo. 31.12.18
Bleibt alles anders
Martin Söffing
Bleibt alles anders

Nach dem x-ten Jahresrückblick im Fernsehen habe ich es begriffen: Die größten Aufreger, die emotionalsten Momente… so war es, das alte Jahr. 2017 ist schon wieder Geschichte.

Dieses Zurückschauen kann Wehmut auslösen; manches Mal finde ich schade, dass Dinge vorbei sind, vergangen. Bei anderen Bildern und Erlebnissen ist da schlicht Erleichterung darüber, etwas überstanden zu haben.

Nun steht das neue Jahr vor der Tür, die Klinke ist schon heruntergedrückt. Keine Ahnung, was 2018 für uns bereithält. Gerade weiß ich gar nicht recht, ob ich nun gespannt sein soll oder die Dinge einfach auf mich zukommen lassen will. Auf meiner Playlist wähle ich „Bleibt alles anders“ von Herbert Grönemeyer. Er handelt von Aufbruch, klingt nach Anfang:

Stell die Uhr auf Null
Wasch den Glauben im Regen
Die Sintflut ist verebbt
Die Sünden vergeben.

Was wäre das neue Jahr wenn es bloß wie ein Schicksal über mich käme? Das Neue will gestaltet, geformt werden.

Es gibt viel zu verlieren, du kannst nur gewinnen
Genug ist zuwenig - oder es wird so wie es war
Stillstand ist der Tod, geh voran, bleibt alles anders
Der erste Stein fehlt in der Mauer
Der Durchbruch ist nah…

Gesangbuchlieder sind ehrlich gesagt keine in meiner Playlist, aber zum Jahreswechsel passt dieses hier richtig gut:

Vertraut den neuen Wegen, / auf die uns Gott gesandt! / Er selbst kommt uns entgegen. / Die Zukunft ist sein Land. / Wer aufbricht, der kann hoffen / in Zeit und Ewigkeit. / Die Tore stehen offen. / Das Land ist hell und weit.

Seien Sie neugierig auf das Neue, das 2018 für Sie bereithält. Ich wünsche Ihnen, dass Sie spüren, nicht allein auf Ihrem Weg zu sein.

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Martin Söffing

Martin
Söffing
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So. 24.12.17
Wochenspruch aus dem Johannesevangelium (Joh…
Wochenspruch in zwei…
Wochenspruch aus dem Johannesevangelium (Joh 1,14)

Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit (Luther 2017)

Und die Weiheit wurde Materie und wohnte unter uns, und wir sahen ihren Glanz (Bibel in gerechter Sprache, 4.Auflage)

So. 24.12.17
Do they know, it‘s Christmas?
Susanne Briese
Do they know, it‘s Christmas?

Hunderttausende von Kindern sind mit ihren Familien auf der Flucht. Seit dem Sommer hat sich die Lage der Rohingya in Myanmar dramatisch verschlechtert. Dörfer wurden verwüstet und in Brand gesteckt, die Gewalt eskalierte. Völlig entkräftet von tagelangen Fußmärschen und traumatisiert durch die schrecklichen Erlebnisse haben die Familien ihr Land verlassen. Und dort, wo sie jetzt sind, sind die Lager überfüllt, es fehlt an Nahrung, Wasser und sanitären Einrichtungen.

Mir rücken diese Ereignisse nahe. Wir bereiten uns auf Weihnachten vor, das Fest des Friedens und der Freude, und wissen andererseits, dass Menschen leiden und hungern. „Do they know, it`s Christmas?“ 1984 hat diese Frage schon einmal sehr bewegt angesichts der Hungerkatastrophe in Äthiopien. Bedeutende Musiker wollten helfen. Als „Band Aid“ traten sie zugunsten der Hungerhilfe auf mit dem Titel „Do they know it's Christmas?“ Er hatte einen enormen Erfolg. Millionenbeträge konnten an die Äthiopien-Hilfe überwiesen werden. Und der Text des Liedes drückt aus, was ich jetzt zu Weihnachten empfinde:

“It's Christmas time, and there's no need to be afraid…,” heißt es darin. “Es ist Weihnachten. Man muss jetzt keine Angst haben.“ Aber in den Flüchtlingslagern haben Menschen Angst um das Leben ihrer Kinder, um ihr eigenes Leben auch. „Das einzige Wasser, das da fließt, sind bittere Tränen“, heißt es im Liedtext, und – „feed the world“ – kümmere dich darum, dass die Menschen dort nicht verhungern müssen – „and let them know, it´s christmas time“ und lass sie spüren, dass Weihnachten ist.

Lass sie wissen, dass Weihnachten ist. Weihnachten fängt an, wo Hoffnung aufkeimt. Wo man einander hilft. Ich bin dankbar, dass wir nicht ohnmächtig zusehen müssen. Hilfsorganisationen wie die Diakoniekatastrophenhilfe stellen Hilfen bereit. Auch aus Spenden, die wir zusammentragen. Jesus sagt: „Wahrlich, was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.“

 

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Mi. 20.12.17
Lightfall – Fallendes Licht
Ralf Meister
Lightfall – Fallendes Licht

Lightfall –
Fallendes Licht

Es muss dunkel sein, damit man sie sehen kann. Die Lampen in der Johanneskirche
in Freiburg sind gelöscht. Nur im Altarraum brennen Kerzen. Plötzlich
erscheinen Buchstaben an den Wänden. In unterschiedlichen Geschwindigkeiten
sinken sie von der Decke herab, gleiten an den Mauern des Chorraumes
nach unten. Es braucht eine Weile. Doch dann werden aus Buchstaben Worte:
„Mut“ – „Hoffen“ – „Träumen“ – „Wunder“. Große Worte. Deutungsoffen, damit
jeder und jede anderes damit verbinden kann. Eine Installation des Schweizer
Lichtkünstlers André Bless. „Lightfall“ (Fallendes Licht). Leuchtende Wortfäden,
die die Besuchenden der Kirche mit ihren Blicken zum Altar ziehen.
Worte, die Licht ins Dunkel bringen. Heute Abend hören wir sie wieder. Worte,
die uns in vergangene Zeiten zurückführen: „Krippe“, „Herberge“, „Hirten“,
„Engel“. Wir hören die Worte, und schon steht die ganze Weihnachtsgeschichte
vor unseren Augen. Es sind alte Worte, aber sie werfen ihr Licht bis heute in
unsere Welt und führen unseren Blick in eine bestimmte Richtung. Wir lernen
nicht nur aus unseren eigenen Irrtümern, Niederlagen und Erfolgen. Wir lernen
auch aus den Ängsten und Hoffnungen der Menschen aus anderen Zeiten. Und
so gibt es Worte, Bilder und Erzählungen, die uns unsere Welt aufschließen.
Unser eigenes Herz ist zu klein, um unsere Hoffnung und unsere Träume auf
Dauer zu bergen.

Die Weihnachtsgeschichte ist eine alte und zugleich aktuelle Trost-Erzählung, alle
Jahre wieder. Sie malt für uns aus, was wir selbst noch nicht leben und manchmal
auch nicht glauben können. Sie wirft leuchtende Wortfäden, die sich durch unseren
Alltag ziehen. Sie erzählt uns von einem hilflosen Kind, einer unerfahrenen
Mutter, von furchtsamen Hirten. Damit heiligt sie das Kleine und achtet Geringes,
das in uns lebt. Sie nimmt unsere Ängste auf und stellt sie unter das Wort der
Engel: „Fürchtet euch nicht“. Sie weist uns hin auf den Blick der Güte, der seit
dieser Nacht auf unserem Leben ruht. Die Erzählung von der Geburt des Gotteskindes
gibt all den Worten einen Ort, die für unser Leben wichtig sind: Gerechtigkeit,
Mitleid, Barmherzigkeit, Trost. Sie ermutigt uns, diese Worte in den Mund zu
nehmen für die Stummen und für die Sache derer, die verloren sind.
„Mutter, sag was, es ist so dunkel“, fleht das ängstliche Kind im finsteren Zimmer
in der Nacht. „Warum soll ich denn etwas sagen?“ fragt die Mutter. „Wenn Du
redest, wird es hell“. Auch durch unsere Worte kommt Licht in die Welt.
„Träumen“ – „Hoffen“ – „Wunder“ – „Mut“ – die Worte, die in der Freiburger
Johanneskirche an den Wänden hinabsanken, bleiben keine leeren Verheißungen.
Es sind Worte, die in dieser Weihnachtsnacht erfüllt werden. Gott wirkt in unseren
Herzen und in dieser Welt.

Mögen diese Worte auch in Ihrem Leben leuchten.
Friede sei in Ihren Häusern.

IHR LANDESBISCHOF RALF MEISTER

 

Weihnachten 2017

www.landeskirche-hannovers.de
 

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Ralf Meister

Ralf
Meister
Landesbischof der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers
Haarstraße 6
30169
Hannover
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(0511) 563583-0
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(0511) 563583-11
So. 17.12.17
Advent, Advent, es brennt – lichterloh
Peter Handrich
Advent, Advent, es brennt – lichterloh

Im Advent machen wir es uns gern gemütlich. Wir zünden Kerzen an, essen am liebsten von irgendwem selbst gebackene Kekse und lassen es ruhig angehen. Falls alle Weihnachtsgeschenke gekauft sind. Falls klar ist, wer zu Weihnachten kommen wird und was es zu essen geben soll. Oder wo wir wir Weihnachten hinfahren sollen.

Tatsächlich ist es fast überall auf der Welt in diesem Advent äußerst ungemütlich. Syrien steckt noch immer im Bürgerkrieg. Im Jemen ist keine Besserung in Sicht. Nach Saudi-Arabien haben wir das Gerät geliefert, mit dem das auch lange noch so sein kann. Und der amerikanische Präsident ist dafür, dass Jerusalem die Hauptstadt Israels sein darf – und auf keinen Fall die Hauptstadt Palästinas. Er zündet keine Kerzen an, er legt gleich Feuer.

Am Donnerstag war ich mit einigen Bewohnerinnen und Bewohnern der Rotenburger Werke essen. Viele von ihnen fürchten sich davor, dass es wieder einen großen Krieg gibt. Es sind unsichere Zeiten, und am Adventskranz scheinen nicht nur die Kerzen zu brennen, sondern der ganze Kranz scheint lichterloh zu brennen.

Jesus ist in die Welt als Friedefürst und Weltveränderer geboren worden. Als Kind Gottes und Heiler der Welt. Aber diese Welt hat wenig Frieden, und Heil ist nicht in Sicht.

Deshalb sind wir dran. Lasst uns einfach nicht mitmachen beim Anzünden von Feuern. Lasst uns bei den Kerzen bleiben, die Hoffnung in der Dunkelheit ausstrahlen. Lasst uns das tun, was wir können, um dem Frieden zu dienen: An Stammtischen und im Freundeskreis mäßigend reden. Nicht die AfD gut finden. Für Ärzte ohne Grenzen spenden. Menschen aus anderen Ländern gegenüber freundlich sein.

Alles, was geht.

Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen.

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Peter Handrich

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Pastor/-innen
Peter
Handrich
Pastor in den Rotenburger Werken
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27356
Rotenburg
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So. 10.12.17
Weihnachten ist mehr als das, was in den…
Hilke Bauermeister
Weihnachten ist mehr als das, was in den Häusern passiert

Morgen ist der 2. Advent. Die Weihnachtstage kommen immer näher. Wie geht es Ihnen, wenn Sie an Weihnachten denken? Haben Sie noch die Weihnachtsfeste Ihrer Kindheit vor Augen? Den schön geschmückten Tannenbaum? Das Festessen mit der Familie? Oder haben Sie ganz andere Erinnerungen? Weniger schöne? – Neulich hörte ich einen Werbespruch: „Gut essen – weniger streiten.“ Der erinnerte mich daran, dass es an Weihnachten auch mal hoch her gehen kann. Nicht jede Familienfeier verläuft harmonisch. Wer schon mal so einen richtig großen Zank zu Weihnachten erlebt hat, der sieht den Feiertagen vielleicht eher mit gemischten Gefühlen entgegen. Schon im Advent mischt sich in die Vorfreude ein wenig Kummer. Schaffen wir’s dies‘ Jahr, mal nicht zu streiten? Hoffentlich bleibt’s ruhig unterm Weihnachtsbaum.

Im Evangelischen Gesangbuch gibt es ein Lied, das mir so vorkommt, als sei es geschrieben für alle, die im Advent Kummer quält. Es stammt aus dem Jahr 1938. Jochen Klepper schrieb es in der Zeit des Nationalsozialismus, als er mit seiner Familie Verfolgung litt: „Die Nacht ist vorgedrungen, der Tag ist nicht mehr fern. So sei nun Lob gesungen dem hellen Morgenstern! Auch wer zur Nacht geweinet, der stimme froh mit ein. Der Morgenstern bescheinet auch deine Angst und Pein.“ (Ev. Gesangbuch, Nr. 16). Sei es auch, dass man mit kummervollen Augen den Feiertagen entgegensieht: Weihnachten ist mehr als das, was in den Häusern passiert. Weihnachten ist das Versprechen, dass es mit uns allen einmal ein gutes Ende nehmen wird. Gott hält’s in Händen, wird alles wenden. Auch wer zur Nacht geweinet, der stimme froh mit ein. Der Morgenstern bescheinet auch deine Angst und Pein.

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Mo. 04.12.17
Zu Fuß auf diesem Planeten
Jens Ubben
Zu Fuß auf diesem Planeten

Mit dem Auto bin ich oft unterwegs. Das ist nötig in unserem ländlichen Raum, wo Distanzen oft schnell zu überwinden sind. Mit dem Fahrrad bin ich viel zu selten unterwegs, obwohl das inzwischen richtig komfortabel sein kann. Zu Fuß bin ich inzwischen immer bewusster unterwegs. Irgendwann habe ich entdeckt, welchen Wert das hat. Da ist mehr drin als der kurze Wink durch die Windschutzscheibe. Mehr als der schnelle Gedanke beim schnellen Vorbeirauschen an bestimmten Orten, mit denen ich etwas verbinde.

Der Gang zu Fuß hat seinen Wert! Wer zu Fuß geht, ist dichter dran am Geschehen. Der bekommt mehr mit, was um ihn herum geschieht. Der spürt mehr, der nimmt sich Zeit, sich umzusehen. Auch mal stehenzubleiben. Der ist einfach näher dran.

An Weihnachten feiern wir: Der ewige Gott setzt seine Füße auf diesen Planeten! In dem Kind in der Krippe kommt Gott mit den Füßen eines Neugeborenen auf diese Welt. Er lernt laufen! Und das dauert, bis die kleinen Füße entdecken, wozu sie in der Lage sind. Da wird zuerst gestrampelt und Stück für Stück die Welt entdeckt.

Gott geht zu Fuß! Langsam ist er unterwegs, um uns auch zu treffen. Keiner soll sagen, Gott ist zu weit entfernt oder viel zu schnell wieder weg. Er möchte Menschen wirklich begegnen. Deshalb ganz bodenständig zu Fuß. Und daher kennt er unsere Lebensherausforderungen: Er weiß, wie das ist, Boden unter die Füße kriegen zu müssen. Sich auch mal die Knie aufzuschrammen. Schmerzende Füße zu haben. Unsicher auf den eigenen Beinen zu stehen.

Gott will einen Fuß in die Tür dieser Welt bekommen und in unsere Herzen. Daher der Weg zur Krippe. Von dort dann zu Fuß bis ans Kreuz. Er geht mit und geht voran. Schließlich zurück zu seinem himmlischen Vater.

Und seitdem geht er uns Menschen nach. Will uns nicht zu nahe treten, aber ganz nah dran sein. Nicht auf uns herumtrampeln – das tun wir schon reichlich selber. Vielmehr uns ermutigen: Wenn Gott so zu uns kommt, sollten wir die Advents- und Weihnachtszeit nicht auch zu Fuß neu entdecken?

 

 

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Mo. 27.11.17
Jessicas Weihnachten
Dr. Matthias Wilke
Jessicas Weihnachten

Jessicas Weihnachten
oder
„Durch die herzliche Barmherzigkeit unseres Gottes wird uns besuchen das aufgehende Licht aus der Höhe, damit es erscheine denen, die sitzen in Finsternis und  Schatten des Todes, und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens.“ (Lukas 1, 78f.).

Es war kurz vor den Weihnachtsferien in einem Studentenwohnheim in Hamburg. Alle waren schon beim Packen. Fön und Dreckwäsche wurden zusammengesucht und dann, ach ja, noch schnell zum nächsten Kaufhaus, um auch für Papa die zu Weihnachten gewünschte Schokolade nicht zu vergessen. Alle schienen trotz des Gewimmels eigentlich ganz guter Stimmung – alle, bis auf Jessica. Sie hatte die letzte Prüfung versemmelt und musste nun morgen, am wirklich allerletzten Tag vor den Ferien, noch einmal zur Nachprüfung. Blöd gelaufen. Zudem hatte sie immensen Bammel. – Stunden später: Wie erleichtert sah Jessica wenige Stunden später aus. Zwar hatte sie immer noch am kommenden Tag die Prüfung vor sich. Aber in all dem Gepacke hatte ihr Zimmernachbar doch gemerkt, dass mit Jessica etwas nicht so rund lief, wie es sollte, und hatte einfach mal so gefragt: „Soll ich dich morgen begleiten? Ich fahr dann einen Zug später!“. Mehr Worte brauchte es nicht, um Jessicas Stimmung sichtbar aufzuhellen.

Am Tag vor Heiligabend ist dann auch Jessica zuhause bei ihren Eltern und der großen Schwester. Ihre Schwester hat schon eine kleine Tochter, Frieda. Sie ist drei Jahre alt und schon richtig groß und mutig – wenn nicht gerade das Licht ausgeht. So aber ist es nun mal jeden Abend beim Einschlafen vorgesehen – und das ist auch am Abend vor Heiligabend nicht anders. Jessica ist bei ihrer kleinen Nichte geblieben und bringt sie zu Bett. Die große Schwester sollte und wollte auch mal „frei“ haben und ihr macht es Spaß. Waschen, Zähneputzen, Schlafanzug an, alles hat prima geklappt. Das Licht hat sie bei der Kleinen auch ausgeschaltet und
noch ist es nebenan vielversprechend ruhig. Jessica sitzt nun im Nebenraum und drückte im Dunkeln still auf ihrem Tablet herum – mit ihren Gedanken mit einem Drittel bei ihrem Hamburger Zimmernachbarn, mit dem anderen bei ihrer Nichte und mit dem dritten Drittel bei dem Text vor ihren Augen. Sie hat sich ein Buch eines alten Leib- und Seelenarztes, Siegmund Freud, heruntergeladen. Und während Frieda nebenan (hoffentlich) am Einschlafen ist, liest Jessica folgenden Bericht: „Ein Kind, das sich in der Dunkelheit ängstigte, hörte ich ins Nebenzimmer rufen: ‘Tante, sprich doch zu mir, ich fürchte mich.’ ‘Aber was hast du davon? Du siehst mich ja nicht’; darauf das Kind: ‘Wenn jemand spricht, wird es heller’.“ Jessica spitzte gedankenverloren ihre Ohren: wenn jemand spricht, wird es heller?

Und dann endlich der Heiligabend. Ganze Familie mit allen Großen und Kleinen auf zum Krippenspiel. Die Orgel spielt, irgendwo schreien Kinder und alle singen: „Stille Nacht!“ Jessica wandert mit ihren Gedanken hin und her. Neben ihr rutscht ihre Nichte von einer Pobacke auf die andere, hinter ihr diskutiert eine Familie leise, wer sich nachher um Opa Otto kümmert, wenn der wieder mit seinen politischen Themen anfängt. Doch da, auf einmal – ein Strahler leuchtet auf, und ein kleiner Engel  steht da und sagt, vom Licht geblendet: „Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allen widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren!“ „Wenn jemand spricht, wird es heller!“, denkt Jessica und hat auf einmal eine Ahnung, dass damit nicht der Scheinwerfer gemeint ist.

Pastor Matthias Wilke
(aus Gemeindebrief BKV 04/2017)

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So. 26.11.17
Jamaika – oder die Kunst des Kompromisses
Jutta Wendland-Park
Jamaika – oder die Kunst des Kompromisses

Bisher dachte ich bei dem Begriff „Jamaika“ immer an weiße Strände, Sonne und Meer, Reggae und pure Lebensfreude. Seit der Sondierungsgespräche von CSU/CDU, der FDP und den Grünen hat sich dies verändert und Kompromissfähigkeit kommt mir zuerst in den Sinn. Laut Wikipedia ist der Kompromiss „die Lösung eines Konfliktes durch gegenseitige freiwillige Übereinkunft, unter beiderseitigem Verzicht auf Teile der jeweils gestellten Forderungen. Er lebt von der Achtung der gegnerischen Positionen und gehört zum Wesen der Demokratie“. Klingt einfach und ist scheinbar doch so schwer. In den letzten Wochen haben wir es in der Auseinandersetzung der politischen Parteien um eine Regierungsbildung erlebt.

Ob in der Politik und Wirtschaft, in der Partnerschaft oder im Beruf, ohne Kompromissbereitschaft geht es nicht voran. Zugegebenermaßen hat der Kompromiss nicht nur einen guten Ruf. Manchmal wird ihm vorgeworfen, dass er etwas für Unentschlossene, Schwächlinge oder Unklare sei. Fest steht jedoch, dass der Kompromiss alle Lebensbereiche prägt.

Selbst Gott lässt sich in der Bibel auf Kompromisse ein. Ich denke daran, wie Abraham mit ihm erbittert über die Zahl der Menschen in Sodom und Gomorra verhandelt, die Gott vernichten will, weil die Schrecklichkeit ihrer Sünden zum Himmel schreit. In den Verhandlungen gelingt es Abraham schließlich mehrfach, diese Zahl zu verringern.

Es sind viele Themen mit unterschiedlichen Interessen, die auf der politischen Agenda stehen. Vor allem aber geht es um die Suche nach dem Besten für unser Land und für die Menschen, die hier leben und leben möchten. Traurig, wenn ein Miteinander nicht gelingt.

 

 

 

 

 

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Jutta Wendland-Park

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Wendland-Park
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Fr. 24.11.17
Hesekiel 37,27
Monatsspruch
Hesekiel 37,27

Und Gott spricht: Ich will unter ihnen wohnen und will ihr Gott sein und sie sollen mein Volk sein.

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So. 19.11.17
Mein unbekannter Opa
Thomas Steinke
Mein unbekannter Opa

Meinen Opa habe ich nicht mehr kennengelernt. Er starb einige Jahre vor meiner Geburt. Was ich mit ihm verbinde, hat mein Vater mir erzählt. Unfassbar, was mein Opa in seinem Leben durchgemacht hat. Aufgewachsen im heutigen Polen musste er als junger Soldat im Ersten Weltkrieg beim russischen Heer kämpfen. Er geriet in deutsche Gefangenschaft, lernte dort seine Frau kennen und die beiden heirateten. Doch nach der Geburt des zweiten Kindes starb seine Frau. Er zog zurück zu seinen Eltern, unweit der russischen Grenze. Dort machte er Bekanntschaft mit einer jungen Witwe, die drei Kinder hatte. Nach der Heirat mit ihr hatten sie also fünf Kinder und in den folgenden Jahren wurden ihnen noch sechs gemeinsame Kinder geboren. Sie hatten sich einen kleinen Hof aufgebaut, den der älteste Sohn übernahm. Nun zog mein Opa mit seiner Frau und den sechs kleinen Kindern an verschiedene Orte. Er pachtete jeweils Land und Hof, aber durch unglückliche Umstände musste die Familie oft schon nach kurzer Zeit weiterziehen. Immer wieder musste mein Opa von vorne anfangen. Im Zweiten Weltkrieg verlor er zwei seiner Söhne und musste mit seiner Familie in den Westen fliehen.
Ein Erlebnis noch vor der Flucht hatte sich meinem Vater besonders ins Gedächtnis eingebrannt: Mein Opa hatte mit den Kindern gemeinsam auf dem gepachteten Land das Getreide geschnitten und die Garben zum Trocknen aufgestellt. Als sie später die Ernte einbringen wollten, kam der Besitzer und verjagte die Familie vom Feld. Mit leerem Leiterwagen mussten sie wieder nach Hause fahren. Das war ein herber Verlust in diesen entbehrungsreichen Zeiten. Die Kinder wunderten sich, dass mein Opa nicht in Zorn entbrannte, sondern das erlittene Unrecht so hinnahm. Er wusste sein ganzes Leben in Gottes Hand und vertraute darauf, dass sein himmlischer Vater ihn und seine Familie nicht im Stich lassen wird.
Leider habe ich meinen Opa nie persönlich gekannt. Und doch ist er für mich ein wichtiger Zeuge der Versöhnung, der den Worten von Jesus Christus folgte: "Liebt eure Feinde; tut wohl denen, die euch hassen; segnet, die euch verfluchen; bittet für die, die euch beleidigen." (Lukas 6,27+28)
Dass es nach all dem Unrecht, das von unserem Volk ausgegangen ist, zur Versöhnung und nun schon zum über 70 Jahre andauernden Frieden mit unseren Nachbarländern gekommen ist, erfüllt mich mit großer Dankbarkeit. Und es spornt mich an, genauso wie mein Opa alles in meinem persönlichen Umfeld dafür zu tun, dass der Geist der Versöhnung sich ausbreitet.

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Thomas Steinke

Arbeitsbereiche im Kirchenkreis: 
Mission, Ökumene und Partnerschaft
Thomas
Steinke
Pastor für Gemeindeinnovation in den Kirchenkreisen Rotenburg und Bremervörde-Zeven
Rotenburger Str. 11
27389
Fintel
Tel.: 
(04265) 8099773
Sa. 11.11.17
Zeichen der Hoffnung
Susanne Briese
Zeichen der Hoffnung

Vor fast genau 51 Jahren starb der oberbayrische Pfarrer Korbinian Aigner. Schon in jungen Jahren beginnt er, sich für die Apfelkunde zu interessieren, die Pomologie. Und ebenso früh entscheidet er sich, Pfarrer zu werden. Zuerst gründet er einen Apfelverein. Dann wird er katholischer Priester. Diese doppelte Leidenschaft als Pomologe und Theologe bleibt – oft ist er mehr das eine, als das andere, auch noch, nachdem er 1931 seine erste eigene Pfarrstelle antritt. Von den Nationalsozialisten lässt er sich nicht einschüchtern. Er wird strafversetzt, aber auch das hindert ihn nicht daran, weiter mutig Stellung gegen die Nazis zu beziehen. Er wird von Gemeindegliedern angeschwärzt und kommt ins Konzentrationslager. Aus dieser Zeit ist nicht viel bekannt. Aber so viel doch: Heimlich sät der Landpfarrer auf dem Gelände des KZ Dachau Apfelkerne aus und zieht neue Sorten. Die Pflänzchen lässt er aus dem Lager schmuggeln, damit sie draußen wachsen können. Eine Sorte wird auch heute noch angebaut. Sicher hat Korbinian Aigner Luthers Wort vom Apfelbäumchen gekannt... Mir ist die Erinnerung an den leidenschaftlichen Apfelkenner und Dorfpfarrer, der beharrlich auf Frieden wartet, sehr wichtig geworden. In einer Zeit, die nicht friedlich ist. Wie oft schon werden Menschen heute zaghaft Ausschau gehalten haben nach einem Zeichen, das Hoffnung gibt – wie eben jemand, der Samen aussäht und schaut, ob er aufgeht? Wie oft war das Warten für viele Menschen unserer Zeit schon vergebens? Was hat sie dennoch gehalten und getragen? Das wird nur jeder und jede für sich beantworten können. Mich trägt jedenfalls die Hoffnung, dass unsere Zeit unter Gottes Zuspruch steht.

 

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Susanne Briese

Arbeitsbereiche im Kirchenkreis: 
Superintendentur
Susanne
Briese
Superintendentin
Goethestraße 20
27356
Rotenburg
Tel.: 
(04261) 630 39 10
Fax: 
(04261) 630 39 19
Sa. 04.11.17
Ex abundantia – oder häh?
Dr. Matthias Wilke
Ex abundantia – oder häh?

„Das nennt Fred das Überflussparadox“. „Häh, versteh ich nicht“. „Na, ganz einfach. Nimm Bremen Brinkum. Dass es da eine Autobahn gibt, ist eigentlich spitze. Denn wie lange brauchten die andern früher, wenn sie von Rotenburg nach Bremen zur Arbeit wollten. Und heute: geht das eigentlich richtig klasse.“ „Eigentlich, ja…“. „Genau. Das Problem heute nämlich…“ „Die Baustelle!“ „Ja, die auch, aber das eigentliche Problem in unserer Gesellschaft ist…“ „Dass die Leute sich nicht einfach mal rechts einordnen können. Diese blödsinnige Regelung, ständig in der Mitte zu fahren…“ „Ja, ja, aber was ich meine, ist das Paradox unserer Überflussgesellschaft, zu dem Fred Hirsch schrieb…“ „Ne, ne, ich sage dir. Letztens zum Beispiel. Mittlere Spur. Der vor mir: Strich 60! Ich dachte ich krieg die Motten. Rechts war alles frei, der hätte einfach nur: Blinker setzen und rechts rüber. Aber nein! Und ich: Rechts vorbei soll man ja nicht, links aber war auch alles voll und dann hängst du in der Mitte und kommst nicht vorbei – boah ne…“. Und was ist nun mit unserem Überfluss und Überdruss? Wir werden es wohl „googeln“ müssen. Denn dadurch, dass dem einen das Herz so voll war vom täglichen Stau, dass es ständig aus seinem Mund sprudelte, konnte der andere sich gar nicht Gehör verschaffen für das, was er in seinem Kämmerlein von Fred Hirsch gelesen hatte. Und dabei: gehört hätte ich es schon gerne, warum Überfluss nicht einfach nur schön ist. So aber bleibt es bei der Losung für den heutigen Samstag: „Wovon das Herz voll ist, davon fließt der Mund über“ (Lukas 6, 45). Und ich werde nachdenklich und überlege: Wovon würde ich reden, wenn ich wüsste, dass mir einer wirklich zuhört?

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Dr. Matthias Wilke

Arbeitsbereich in der Kirchengemeinde: 
Pastor/-innen
Arbeitsbereich in der Kirchenregion: 
Pastor/-innen
Matthias
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Pastor
Westerwalseder Straße 7
27386
Kirchwalsede
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(04269) 9320121
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04269-2187
Mi. 01.11.17
Gott spricht: Ich will unter ihnen
Monatsspruch
Gott spricht: Ich will unter ihnen

Gott spricht: Ich will unter ihnen wohnen und will ihr Gott sein und sie sollen mein Volk sein. Ez 37,27

 

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Mo. 16.10.17
„Kernige Kanzelreden zu Sprüchen von Martin…
Landesbischof Ralf M…
„Kernige Kanzelreden zu Sprüchen von Martin Luther: Dem Volk aufs Maul geschaut“

„Kernige Kanzelreden zu Sprüchen von Martin Luther: Dem Volk aufs Maul geschaut“
- Es gilt das gesprochene Wort -

 
"Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge und niemand untertan. Ein
Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan."
Gnade sei mit Euch und Friede von Gott unserm Vater und unserm Herrn Jesus Christus.

Amen.

 
Liebe Gemeinde,
ich bin so frei! Es ist eine höfliche Floskel, wenn wir sagen: Ich bin so frei! Wenn uns jemand ein
Getränk oder ein Gebäck anbietet, greifen wir zu und sagen: Ich bin so frei. Ich erlaube mir,
dieses Angebot anzunehmen. Ohne Hemmungen, ohne Scheu.
Ich bin so frei. Das kann man auch als eine Aussage über das Lebensgefühl vieler Menschen
unserer Zeit verstehen. Ich bin so frei – ich kann reden ohne Zensur und ohne Verbote. Das ist in
vielen Ländern anders, wir erleben es gerade im Blick auf die Türkei. Wir sind so frei. Viele
Lebensstile sind möglich und erlaubt. Meinungen werden offen und ungestraft ausgetauscht und
- wenn es gut läuft - gegeneinander abgewogen. Vieles geht.
Ich bin so frei. Das gilt auch und in besonderer Weise für das weite Feld der Religion. Vorbei die
Zeit, als die Landesherren festlegen konnten, welche Religion ihre Untertanen haben mussten.
Vorbei auch die Zeit, als es zum Anstand gehörte, einer christlichen Kirche anzugehören. Heute
ist es nicht mehr ungewöhnlich, wenn jemand keiner Kirche an-gehört oder einer anderen
Religion. Religionsfreiheit meint eben auch die Freiheit, ohne Religion zu leben.
Leben wir also in einer durch und durch freien Gesellschaft? Führt eine freiheitlich-demokratische
Grundordnung unseres Landes dazu, dass Menschen frei sind, frei von allen Einschränkungen,
Vorschriften und Regeln?
Es ist nicht so weit her mit der Freiheit, wie es auf den ersten Blick scheint. Natürlich können wir
nicht alles tun und lassen, was wir wollen. Gott sei es gedankt. Wir haben Gesetze,
Verkehrsregeln, pflegen den guten Umgang, in dem sich manches nicht gehört. Wir sind so frei –
oder auch nicht. Freiheit ist etwas sehr Wertvolles – aber sie hat auch ihre Grenzen. Und diese
Grenzen liegen nicht nur in Gesetzen und Regeln, sondern bestimmen sich schon aus der
Endlichkeit des menschlichen Lebens und seiner Verstrickung in der Welt.
Das Thema der Freiheit ist ein brennendes Thema des Menschen durch alle Jahrhunderte
gewesen. Und vor einem halben Jahrtausend war Freiheit Martin Luthers große theologische
Entdeckung. Bis zu seinem Thesenanschlag 1517 hieß er noch Martin Luder. Danach nannte er
sich Luther. Klingt besser als Luder, das ja in der deutschen Sprache nichts Gutes bedeutet. Vor
allem aber klang „Luther“ an das griechische Wort „Eleutheria“ an, auf Deutsch: Freiheit. Sein
neuer Name war für ihn Programm. Freiheit war sein größtes Thema. „Ein Christenmensch ist ein
freier Herr über alle Dinge und niemand untertan. Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht
aller Dinge und jedermann untertan.“ Mit dieser komplett widersprüchlichen These beginnt
Martin Luther 1920 seine berühmte Schrift: „Von der Freiheit eines Christenmenschen“. Luther
meinte damit allerdings nicht Freiheit im heutigen politischen Sinne und erst recht nicht eine von
allem losgelöste Freiheit nach dem Motto „Freie Fahrt für freie Bürger“. Er wusste sein Gewissen
gebunden an das Wort Gottes - „durch die Worte Gottes gefangen“, wie er sagte. Aber er
drückte damit seine feste Überzeugung aus, dass weltliche Macht ihre Grenzen an eben diesem
Gewissen findet, durch das er selbst sich unmittelbar vor Gott gestellt sah.
Freier Herr und dienstbarer Knecht. Das evangelische Freiheitsverständnis hat immer dieses
Zugleich einer Freiheit von etwas und einer Freiheit für etwas zusammengedacht. Und eines allein
hilft auch nicht. Wir können frei sein von politischer Unterdrückung und doch gefangen blieben.
Wir können frei werden von der Versklavung durch falsche Selbstbilder und dennoch mit dieser
Freiheit nichts anzufangen wissen. Manchmal frage ich mich rätselnd beim Blick auf eine
Generation wie meine Kinder, die in der größtmöglichen Freiheit, auch von Konventionen,
aufgewachsen sind, wie sie unfrei sind und sich sehnen nach einer Bindung dieser Freiheit. Ein
mit sich selbst alleingelassener Mensch bleibt in sich gefangen, weil er nicht anders kann, als sein
Ich zum Mittelpunkt der Welt zu machen. Martin Luther sprach einmal auch als Bild für die
Gefangenschaft von dem „in sich verkrümmten Menschen“, in curvatus se. Manchmal kommen
mir die Menschen, die nach vorn gebeugt, also verkrümmt, über dem Handybildschirm sitzen
oder gehen, als „in sich verkrümmt“ vor. Wir sind gefangen und glauben doch, wir wären
unendlich frei. Welche Illusion. Wir haben jüngst in einer kleinen Gruppe mit Kollegen uns selbst
diese Frage gestellt: Von was möchtest du eigentlich frei sein? Und für was möchtest du
eigentlich frei werden. Ganz erstaunliche persönliche Sätze hörten wir voneinander. Frei von der
Angst vor dem Tod, frei von der Sorge, meinem Dienst nicht zu genügen. Frei für die tolle
Urlaubsreise, die ich schon immer machen wollte, frei, endlich einmal dem Freund die Wahrheit
zu sagen.
Ein Mensch, der diese Freiheit nicht hat, lebt im Hausarrest in sich selbst. Diese Freiheit nach
evangelischem Verständnis ist die Freiheit davor, sich selbst zu verabsolutieren. Und in dieser
Freiheit ist auch die Freiheit von allen anderen Herren und Geistern eingeschlossen, die in dieser
Welt die Herrschaft beanspruchen über die Seele eines Christenmenschen. Woran hängst du dein
Herz? Weder Mächtige noch Konsum, weder leichte Erfolge noch große Erbschaften, weder
ideologische Mächte noch finstere Kreaturen dürfen oder sollen Macht haben können über das
Gewissen eines freien Christenmenschen. (Oh, wie lange wäre die Liste, von den Dingen von
denen ich wirklich befreit werden möchte)
Zugleich aber ist diese Freiheit von allen "Herrschern, Mächten und Gewalten" eine bindende
Freiheit. Sie ist Freiheit zur Verantwortung. Für Martin Luther war es die Freiheit für den Dienst
am Nächsten, die den Christenmenschen auszeichnet. Freiheit für die Zuwendung zu
demjenigen, der mich braucht, der meine Hilfe, meine Solidarität, aber auch mein Gebet braucht.
Dem Nächsten und seiner Not gegenüber bin ich in aller Freiheit ein "dienstbarer Knecht". Diese
Freiheit hat sich ganz konkret im Alltag ausgewirkt, sie ist eingeflossen in ein Berufsverständnis,
das den weltlichen Beruf nicht zu einer abgewerteten Lebensform gegenüber einem frommen
mönchischen Leben versteht, sondern das den Beruf als den Ort ansieht, an dem der
Christenmensch seinen Dienst am Nächsten erfüllt. An Gott gebundene Freiheit - das ist das
Manifest der Reformation. Dieser Ruf ist nie wieder verstummt, er ist die treibende Kraft von
Reformen und Revolutionen und auch der friedlichen Veränderungen bis in unsere heutige Zeit.
Doch es scheint mir in unserem protestantischen Herz in Vergessenheit zu geraten, dass wir nicht
nur Kinder des Lichts sind. Wir sind, wie es Luther sagt, Sünder und Gerechte zugleich. Wir
gehen mit unseren Laternen der Hilfsbereitschaft und der Tröstung durch diese Welt genauso wie
mit unserem ungerechten Handeln, unserem Machtbewusstsein und unserer Gnadenlosigkeit.
Wir sind Sünder und gerecht zugleich. Wir wollen doch nur Recht haben. Wir leben nicht aus der
Rechtfertigung.
Und so frage ich mich: Kann es sein, dass wir die reformatorische Freiheit genutzt haben, um
möglichst ohne Bindungen als Kinder des Lichts zu leben, die von der Dunkelheit nichts mehr
wissen wollen? Kann es sein, dass wir den christlichen Glauben damit seiner Ernsthaftigkeit und
seiner Kraft beraubt haben, weil wir ihm selbst zu wenig zutrauen? Unser fast triebhaftes
Bedürfnis nach Freiheit gründet ja darin, dass wir uns vollständig dem Joch der Unterwerfung
entziehen wollen. Und was vor einigen Jahrhunderten noch eine Phantasie war, das scheint
durch die Technik und den Wohlfahrtsstaat heute möglich zu werden. Und sich sage: Ach herrje,
manche der Befreiungen gehen mir inzwischen zu weit. Es ist ja Mode geworden, alle möglichen
Zustände als Konstrukt, als soziale Konstrukte zu bezeichnen. Die Gesellschaft hat also befördert,
ja konstruiert, was heute gilt. Unter dem Wort des Konstrukts ist die Kindheit entstanden, das
Frauenbild, das Geschlecht, die Familie, ja die Wirklichkeit. Warum, frage ich mich, ist mein Leben
nicht zuerst eine Wirklichkeit im Angesicht dessen, der mein Leben erschuf?
Was kann unser Glaube in der Spannung zwischen Licht und Finsternis heute verwandeln?
„Reformation heißt, die Welt zu hinterfragen“ ist der Slogan für die Feierlichkeiten in
Wittenberg. Den Satz fand ich so gut, den habe ich auf mein Auto geklebt. Ist es heute noch
möglich, so zu glauben, dass der christliche Glaube die Welt verändern kann? Dass Menschen
gesund werden, dass Kriege ein Ende finden, dass die Verwundungen, die uns das Leben täglich
zufügt, geheilt werden? In einer Kirche ist diese Frage für mich rhetorisch. Natürlich ist es
möglich! Aber ... es geschieht so selten.
Wer geht denn von uns hin und glaubt? Glaubt daran, dass dieses Leben besser wird? Wer
glaubt, gegen allen Anschein, im privaten wie im öffentlichen, dass diese Welt sich verändert?
Wer geht hin und glaubt, dass man selbst seinem Feinde verzeihen kann und so die Spirale von
Gewalt durchbricht?
Wer geht hin und glaubt, dass auch ein Leben mit weniger ein glückliches sein kann? Mit
weniger Ansehen und weniger Reichtum. Mit weniger Eitelkeit und weniger Macht. Wer geht hin
und hinterfragt seine eigene Welt - in aller Freiheit?
Für den Erfolg der Reformation war es entscheidend, dass die Menschen nicht in Finsternissen
verharrten und ihren Glauben verloren haben, sondern diesem Glauben in Christus Jesus eine
unglaubliche Kraft zutrauten. Die Menschen damals verloren mit den Reformen nicht ihr
Glaubensfundament. Im Gegenteil, sie erhielten einen neuen Weg, ihren Glauben leben zu
können. Ohne kirchliche Bevormundung. Die Beziehung zu Gott wurde wieder freigelegt. Man
kam näher an Gott heran. Das Fundament des Glaubens wurde neu gegründet.
Und dieses Fundament gab die Freiheit auch ganz andere Wege zu gehen als bisher: neue soziale
Verantwortung in der Armenfürsorge, ein Bildungsanspruch für alle und eine Neuorganisation
der Kirche aus theologischen Gründen. In dieser Freiheit des Glaubens stehen wir bis heute.
Und was eine solche Freiheit bewegen kann, ist selten so eindrücklich bewiesen worden wie in
der Zeit der Reformation selbst. Wenn wir anschauen, wie in den wenigen Jahren der
Reformation Niedersachsen beeinflusst hat, kann man nur staunen. Heute Morgen war ich in
Hullersen, einem kleinen Ort bei Einbeck. Hullersen gilt als einer der Orte, in denen die
Reformation in Niedersachsen als erstes Fuß fasste. Nur fünf Jahre nach dem Thesenanschlag
Martin Luthers in Wittenberg hielt Pfarrer Ebbrecht, ein ehemaliger Augustinermöch, in Hullersen
schon evangelische Gottesdienste. Ob Schulwesen oder Klöster, ob Armenfürsorge oder
Priesterschaft, in wenigen Jahren wurden mit Hilfe der Kirchenordnung von Johannes
Bugenhagen Reformen durchgesetzt, die das Zusammenleben der Menschen völlig neu ordneten
und zugleich das Verhältnis zum Rat der Stadt veränderten. Manchmal wünsche ich mir beim
Blick auf das Reformtempo in Staat und Kirche ein bisschen von dieser Dynamik zurück.
„Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge und niemand untertan. Ein
Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan.“ Das heißt auch:
Ein protestantisches Herz kann sich die Freiheit nehmen, nicht absolut zu sein. Damit sind wir von
der Last der Einzigartigkeit befreit. Das ist zugleich der Lebensraum für andere; für andere
Meinungen, andere Wahrheiten, andere Lebensentwürfe, andere Hoffnungen. Ich bin einer unter
vielen. Das drückt nicht meinen Mangel und meine Geringfügigkeit aus. Sondern protestantische
Freiheit, die nicht beliebig ist. Ein freies protestantisches Herz hält fest an der mutigen
Überzeugung, dass sich mit dem Glauben an Jesus Christus nicht nur das eigene Leben
verändert, sondern diese Welt ein anderes Antlitz erhält. Protestantische Freiheit bindet sich.
Bindet sich an Gottes Gnade, an Jesus Christus, an den Glauben, an die Bibel. Das war und ist
der Motor der Reformation, auch über das Jubiläumsjahr 2017 hinaus.
Amen

 

Predigt in der St. Peter und Paul Kirche Bisperode
25. Juni 2017, 17.00 Uhr

Quelle: https://landesbischof.wir-e.de/predigten

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So. 01.10.17
Es wird Freude sein vor den Engeln Gottes…
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Es wird Freude sein vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut. Lk 15,10

Es wird Freude sein vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut. Lk 15,10 

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